'Yogi Bär' geht sogar den Kids auf den Keks

'Yogi Bär' geht sogar den Kids auf den Keks
© Courtesy of Warner Bros. Picture

Familie Feuerstein, Die Simpsons oder Scooby Doo: Die Liste der verfilmten Trickfilmserien ist lang. Nun kann sich auch der Picknickkorb stehlende ‚Yogi Bär’ mit einreihen: Regisseur Eric Brevig (‚Total Recall’) bringt die Hanna-Barbera-Serie aus den 60er Jahren jetzt auf die Leinwand - zeitgemäß in 3D. Die Frage ist allerdings, ob es eine so gute Idee war, den Film nicht einfach nett zu animieren, sondern das Ganze mit real gefilmten Szenen zu kombinieren.

Die Story ist schnell erzählt: Weil die Besucher ausbleiben, steht der Yellystone Park kurz vor seinem Aus. Der gierige Bürgermeister Brown (T.J. Miller) will den Park schließen und das Land zu Geld machen. Während Ranger Smith (Tom Cavanagh) und seine Flamme, Dokumentarfilmerin Rachel Johnson, (Anna Faris, bekannt aus ‚Scary Movie’) den Park durch ein großes Fest retten wollen, schmiedet Bär Yogi seine ganz eigenen Pläne und bringt damit alles durcheinander.

Er bewirkt nämlich immer genau das Gegenteil seiner guten Absichten. Seine treudoofe Art und sein Hundeblick sollten wohl seinen guten Willen unterstreichen. Leider ist es den Machern nicht gelungen, Yogis liebenswerte Seite in den Vordergrund zu stellen: Er entwickelt sich im Film mehr und mehr zu einer Nervensäge.

Dass Ranger Smith und Yogis kleiner Bären-Freund Boo Boo immer wieder vergebens an die Vernunft des Bären appellieren, strapaziert dazu noch gehörig den Geduldsfaden. Auch Yogis Motto ‚Ich bin schlauer als der Durchschnittsbär’ wird in gefühlter Dauerschleife abgespielt und zu allem Überfluss von den Handlungen des Möchtegern-Schlaubergers alles andere als bestätigt. Das geht vermutlich selbst kleinen Kindern bald auf den Wecker – außer solchen, die bei der x-ten ‚Teletubbies’-Folge noch begeistert zurückwinken.

- Anzeige -
'Yogi Bär' geht sogar den Kids auf den Keks
© Phil Bray

Es ist wirklich schade, dass keiner der Akteure aus den Real-Elementen sich durch besondere schauspielerische Leistungen hervorhebt. Bei Anna Faris hat man die meisten Zeit die Grimassen einer ‚Scary Movie’-Scream-Queen vor Augen, und ‚Ed’-Darsteller Tom Cavanagh erinnert eher an einen vertrottelten Pfadfinder als an einen fähigen Chef-Ranger. Apropos Pfadfinder: Ranger-Kollege Jones, der zwischendurch vom Pfad der Tugend abzuweichen droht, bringt mit seinen platten Sprüchen und dämlichen Aktionen allenfalls Kleinkinder zum Lachen – allen anderen haben spätestens nach der ersten halben Stunde genug von ihm. Da ist es durchaus erfreulich, dass Boo Boos Haustier, eine vom Aussterben bedrohte Frosch-Schildkröte, einfach mal die Klappe hält.

Immerhin für ein paar Lacher könnten Yogis Wasserski-Einlage oder auch seine Picknickkorbjagd mit dem selbstgebauten Korbschnapper 2000 sorgen – allerdings vorrangig bei Zuschauern, die noch den Kindergarten besuchen. Im Gegensatz zu Story- und Figurengestaltung zeigt Eric Brevig wenigstens, dass er den Ruf als Experte für’s Visuelle (unter anderem in ‚Pearl Harbor’ und ‚The Day After Tommorrow’) nicht umsonst genießt: Die 3D-Effekte sind gelungen. Immerhin etwas!

Auch wenn viele Cartoonverfilmungen sich zu Hits entwickelt haben, kann man das von Yogi Bär nun wirklich nicht erwarten. Herausgekommen ist lediglich ein einschläferndes Langweilerkino mit lieblosen Charakteren, dessen Handlung in zehn Minuten hätte abgefeiert werden können. Die ‚ältere’ Generation muss sich fragen: Wo ist der liebenswerte Yogi aus der Serie geblieben? Fazit: Geeignet für die lieben Kleinen unter zehn - alle Älteren können sich diesen Klamauk getrost schenken und drauf hoffen, dass sich die Kids im Ernstfall auf einen Kompromiss einlassen – ‚Rapunzel’ oder ‚Die Chroniken von Narnia’ können nämlich durchaus auch Kinogängern jenseits des Grundschulalters Spaß machen.

Von Maike Nagelschmitz

— ANZEIGE —