Yeasayer zwischen Sgt. Pepper und Hieronymus Bosch

Yeasayer
Yeasayer sind schwer auszurechnen. Foto: Eliot Lee Haze © DPA

Falsche Fährten gibt es unzählige bei Yeasayer. Da lassen die Brooklyner Indie-Lieblinge ihr neues Album "Amen & Goodbye" erst mit einer sachten Hommage an die Beatles beginnen, um dann abrupt den Bass-Stampfer "I Am Chemistry" hinterherzuschieben.

- Anzeige -

Allein die ersten Minuten des vierten Yeasayer-Platte zeigen: Die drei Experimentierer pfeifen stilistisch auf Stringenz und Konzept. "Sgt. Pepper trifft Hieronymus Bosch trifft Salvador Dalí trifft Pee-wee's Playhouse", beschreibt die Band ihr Werk. Und wer schon einmal eine Folge von Pee-wees US-Kindersendung geschaut hat, weiß, welch skurriler Quatsch auf "Amen & Goodbye" (Mute) zu erwarten ist.

Und tatsächlich: Es wird eine Collage zusammengeschnippelt, die den bekannten Yeasayer-Sound aufnimmt, zugleich aber etwa den digitalen Dance-Ansatz der Vorgänger-Platte "Fragrant World" (2012) hinter sich lässt. "Wir hatten keine Angst davor, Instrumente zu spielen", sagt Bandmitglied Anand Wilder, "Gitarren und alle Arten von Keyboards, die wir im Tonstudio hatten." So finden auf dem Album etwa der Electropop-Schrammler "Silly Me" und das ausladend warm-sumpfige Synthie-Stück "Gersons's Whistle" genauso Platz wie der wundervoll klassische Indierock in "Cold Night".

"Es gibt einige Referenzen auf babylonische Götter und religiöse Ideen", sagen Yeasayer über ihre Platte. "Wenn du in Amerika lebst, bist du mit Präsidentschaftskandidaten konfrontiert, die über das Ende der Welt sprechen. Alles ist aufgeladen mit Gott." So auch die Platte. Mal geht es in den Texten um göttliche Scheinbilder ("Divine Simulacrum"), mal um eine "blonde Eschatologie" ("Prophecy Gun").

Seit zehn Jahren gibt es Yeasayer, die von jeher in den Gestaden zwischen Ethno-Soul, Postrock, Gospel-Folk und Space-Dance schippern. Nach "Fragrant World" war die Hype-Welle um die Band endgültig nicht mehr aufzuhalten. "Amen & Goodbye" entstand nun über zweieinhalb Jahre. "Wir haben noch nie so lange gebraucht", verraten die Brooklyner. Dieses Mal haben sie es - auch aus Rücksicht auf die eigenen kleinen Familien - etwas ruhiger angehen lassen. "Wenn du jeden Abend daheim zum Essen erwartet wirst", so Wilder, "schaffst du es nicht, bis morgens um fünf an einer Basslinie zu arbeiten".


dpa
— ANZEIGE —