Xavier Naidoo wehrt sich

Xavier Naidoo wehrt sich
Xavier Naidoo beim Fotocall für die VOX-Show "Sing meinen Song" im Februar in Berlin © ddp images

Ob der deutsche Soul- und R'n'B-Star Xavier Naidoo (43) die Doppelmoral anprangert oder doppelmoralisch ist, darüber herrscht auch nach seinem aktuellen Interview im "stern" wenig Klarheit. Denn wer seine Stimme sowohl bei Veranstaltungen wie "Rock gegen Rechts", als auch bei einer der "Reichsbürger" erhebt, macht nicht den Eindruck einer klaren Linie. Weil letztere behaupten das "Deutsche Reich" bestehe fort, hat sich die NPD Xavier Naidoo vor den Karren gespannt. Dagegen hat der Musiker nichts unternommen. Weil wer wie er Meinungsfreiheit propagiere, müsse sie auch "anderen Leuten zugestehen".

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"Mein Image ist verdreht"

"Es kümmert mich nicht, was Leute von mir denken"

Außerdem sei sein Image schon immer etwas "verdreht": "Man bezeichnete mich als homophob, als esoterischen Spinner und als religiösen Fanatiker. All das bin ich genauso wenig wie rechtspopulistisch." Als Anhänger der Theorie, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 eine "kontrollierte Sprengung" gewesen sein könnten, kritisiert er das Land seiner großen Soul- und Hip-Hop-Idole scharf. Aber dass die Fans sich manchmal schwertun, diesen Eskapaden zu folgen, ist Naidoo egal: "Es kümmert mich nicht, was Leute von mir denken". Und auch auf die Gefahr hin, dass sie sich von ihm distanzieren, werde er seine Überzeugungen nicht ändern: "Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, ich bin ein Wahrheitssuchender."


Mit der Narrenfreiheit des Künstlers gegen die Macht

Er sieht sich als Künstler in der Pflicht, "die Dinge beim Namen" zu nennen. Wie bei seiner erfolglosen Strafanzeige 2010 gegen den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler wegen Hochverrats: Dieser hätte die Finanzkrise ab 2007 mitverschuldet, weil Deutschland der Währungsunion ohne verfassungsrechtliche Legitimation beigetreten sei. Hauptsache: "Immer gegen die Großen. Die katholische Kirche, die Politiker, die Banker. Gegen Menschen mit Macht." Ein Advokat des kleinen Mannes? Wenn dann einer mit "ein paar schönen Autos. Alte Daimler, alte Porsche, so manchen Oldtimer."


"Deutschland ist mir einfach superwichtig"

Der vielfach preisgekrönte Musiker präsentiert dieses Jahr zum zweiten Mal als Chef-Moderator die VOX-Musikshow "Sing meinen Song", die letzte Woche in Südafrika abgedreht wurde. Der Heimat seiner Eltern und der Ort eines schrecklichen Kindheitstraumas: Mit neun Jahren sei er dort von dem 50-jährigen Gärtner seiner Tante sexuell missbraucht worden: "In dieser Sekunde wurde ich erwachsen", sagt er nach der Schilderung der Vorgänge. Auch von seiner deutschen Kindheit im Schatten rassistischer Kleinstadt-Ignoranz erzählt der Pop-Star, der im Sommer wieder die Hallen in diesem Land füllen wird. Denn Deutschland, so sagt er am Ende des Interviews, "ist mir einfach superwichtig".

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