Xavier Naidoo soll für Deutschland beim ESC singen - aber gefragt hat uns keiner!

Xavier Naidoo startet für Deutschland beim ESC - oder doch für das Deutsche Reich?
Xavier Naidoo: ESC-Teilnahme spaltet die Nation © Getty Images, Jakubaszek

Die Teilnahme von Xavier Naidoo am ESC löste eine Protestwelle aus

Diese Entscheidung spaltet die Nation. Denn zu schreiben, die Teilnahme stößt auf Kritik, wäre echt untertrieben. Sie hat vielmehr eine riesige Protestwelle ausgelöst. Langjährige 'Eurovision Song Contest'-Fans kündigen sogar den Boykott an. Xavier Naidoo soll nächstes Jahr für Deutschland beim 'Eurovision Song Contest' singen. Auf den ersten Blick betrachtet kann das ja eigentlich nur "12 Points for Germany" heißen.

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Ein Kommentar von Lina Sasnauskaite

Xavier Naidoo ist einer der renommiertesten Sänger Deutschlands mit einer der einfühlsamsten Stimmen des Landes. Endlich mal einer der bereits erfolgreichen Künstler, der sich traut. Die Chancen sich komplett zu blamieren - extrem gering. Meist reisten Newcomer zum 'Eurovision Song Contest', jetzt soll ein gestandener Sänger überzeugen. Aber selbst das zieht als Argument nicht. Wir erinnern uns an die Blamage im Jahr 2008 der No Angels.

Vor allem aber: Gerade jetzt in solch unsicheren Zeiten, ist auch die Message hinter der Stimme immer wichtiger. Doch genau da bekommen viele ein richtig unwohles Gefühl. Denn der 44-Jährige machte in der jüngeren Vergangenheit leider auch immer wieder Schlagzeilen mit ziemlich wirren Verschwörungstheorien.

Er behauptete mehrfach, Deutschland sei noch immer ein "besetztes Land". Letztes Jahr sprach Xavier am Tag der Deutschen Einheit vor den rechtspopulistischen, sogenannten "Reichsbürgern", die Deutschland nicht als souveränen Staat anerkennen und Stimmung machen gegen eine angebliche amerikanische Besetzung des Landes-Wirrer geht nimmer. Doch zählt die politische Gesinnung etwa überhaupt nichts? Der Vertreter Deutschlands soll also ein Verschwörungstheoretiker sein? Beim besten Willen kann und möchte ich das nicht befürworten. Nein, auch nicht ansatzweise. Punkt.

Demokratische Abstimmung?! - Fehlanzeige!

Was außerdem noch das Unverständnis vieler User im Netz befeuert: Der Sänger wurde schon festgelegt, der Zuschauer darf "nur" noch den Song auswählen. Warum aber wurde nicht das Konzept fortgesetzt, auch für den Künstler abstimmen zu können? Warum wurde plötzlich das demokratische Auswahlverfahren, das sich in den letzten Jahren eigentlich bewährt hat (trotz unterschiedlichster Ergebnisse beim ESC selbst), einfach übersprungen? Weil vielleicht insgeheim die Unsicherheit zu groß ist, dass Deutschland nicht für ihn stimmen könnte? Man könnte meinen, es wurde einfach vorab entschieden, um diesem Risiko aus dem Weg zu gehen. Hört sich doch auch erfolgsversprechend an, dass ein mit Echos und MTV European Music Awards überhäufter Star für Deutschland antritt.

2015 ist Deutschland auf dem letzten Platz gelandet. Aber zumindest war das unsere Entscheidung. Ganz Deutschland hat es so gewollt, weil es für Ann Sophie abgestimmt hatte (Ok, den Eklat um den eigentlichen Gewinner Andreas Kümmert, der nach seinem Sieg doch keine Lust mehr hatte, mal außen vor gelassen). Die Mehrheit fand den Song gut. Und dass der Rest Europas unsere etwas subtile und nicht ganz so laute Performance vielleicht nicht ganz verstanden haben dürfte, da konnten wir auch drüber stehen.

Auch Ann Sophie bewies Humor. Sie coverte den Siegersong des Schweden Måns Zelmerlöw mit dem umgeänderten Refrain 'We are the zeroes of our time'. So gesehen wäre es vielleicht besser, gemeinsam den letzten Platz zu feiern, als dass der 14. Mai in Stockholm für noch mehr Spaltung in Deutschland sorgt. Gerade jetzt ist der Zusammenhalt doch der eigentliche Wert des größten Gesangswettbewerbs der Welt. Peace!

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