'Womb': Bis zum Schluss verstörend

2,5 von 5 Punkten

Die Bilder lassen einen nicht mehr los: Im Science-Fiction-Drama ‚Womb’ trägt die Hauptdarstellerin nach dem Tod ihres Geliebten eine geklonte Version von ihm aus. Es ist eine verstörende Vorstellung, bei der man sich unwohl im Kinosessel wälzt und manchmal lieber wegschauen möchte.

Rebecca (Eva Green, ’Casino Royale’) fasst einen folgenschweren Entschluss: Nach dem tragischen Unfalltod ihres Freundes Tommy (Matt Smith) will sie ihn als Klon zur Welt bringen. Zwar zieht sie ihn auf wie ihr eigenes Kind, doch je älter er wird desto schwieriger wird es für Rebecca ihre mütterlichen und erotischen Gefühle für ihn auseinanderzuhalten - immer wieder kommt es ihrerseits zu inzestuösen Annäherungen. Obwohl sie weiß, dass sie ihre Beziehung mit Tommy nie so ausleben kann wie sie es sich wünscht, widmet sie ihm ihr ganzes Dasein. Nachdem sich herumspricht, dass es sich bei ihrem Sohn um ein sogenanntes Repli-Kind handelt, werden die beiden von den Dorfbewohnern verstoßen und leben abgeschottet von der Außenwelt in einem abgelegenen Haus am Meer. Noch viel problematischer wird ihre Beziehung, als Tommy zu einem erwachsenen Mann heranreift und Rebecca ihre Gefühle nicht länger unterdrücken kann.

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‚Womb’ wirkt auch nach Filmschluss: Besonders die Szenen, in denen sich „Mutter und Sohn“ näher kommen als sie eigentlich sollten und eine erotische Spannung entsteht, lassen ein mulmiges Gefühl zurück. Zudem ist es schon erstaunlich, dass Rebecca auch zwanzig Jahre nach der Geburt ihres Klon-Babys kein bisschen altert. Sie bekommt keine sichtbaren Fältchen, sondern wird lediglich blasser geschminkt. Ebenso blass spielt Eva Green die Rolle der unterkühlten und emotionslosen Rebecca, die sich nie für die Konsequenzen ihrer egoistischen Entscheidung rechtfertigt oder entschuldigt. Das Zusammenspiel zwischen Filmkulisse und Geschichte ist dagegen sehr gelungen: Die zeitlos verträumte Szenerie der Nordseeküste und das verlassene Stelzenhaus passen gut zur düsteren Atmosphäre des Films. Der dichte Nebel und das Regenwetter spiegeln die aussichtslose Situation der Hauptfiguren perfekt wider.

Bei Matts Filmfigur Tommy bleiben jedoch viele Fragen offen: Warum hat er nie ein Foto seines Vaters verlangt? Warum hat er nie hinterfragt, dass er plötzlich keine Freunde mehr hat und ein einsames Lebens mit seiner Mutter fristen muss? Warum geht er zum Teil auf die körperlichen Avancen seiner Mutter ein, obwohl er als Klon keinerlei Erinnerung an sein anderes Ich hat? Im gesamten Film gibt es leider keine offenbarenden Dialoge, durch die man die Beweggründe und Gefühle der Hauptfiguren besser nachvollziehen könnte. Dadurch wirken die Charaktere sehr undurchsichtig und unglaubwürdig. Für zarte Gemüter ist der Film jedenfalls nichts. So ist man froh, wenn man den Kinosaal verlassen und die verstörenden Bilder wieder vergessen kann.

Von Mariana Jang

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