"Willkommen bei den Hartmanns": Gibt es bald eine Fortsetzung?

"Willkommen bei den Hartmanns": Gibt es bald eine Fortsetzung?
Regisseur Simon Verhoeven (li.) und Filmproduzent Quirin Berg © © 2016 Warner Bros. Ent., SpotOn

Simon Verhoeven im Interview

Die Familie Hartmann schreibt Kinogeschichte. Die Komödie "Willkommen bei den Hartmanns" von Regisseur Simon Verhoeven (u.a. "Männerherzen") ist nicht nur der erfolgreichste deutsche Film 2016, sondern knackte zum Jahreswechsel auch die Marke von drei Millionen Besuchern. Seit dem Kinostart am 3. November sahen inzwischen insgesamt 3,2 Millionen Zuschauer in deutschen Kinos die Komödie rund um Flüchtling Diallo (Eric Kabongo), der bei den Hartmanns ein neues Zuhause findet. Und nicht nur die Familie (Senta Berger, Heiner Lauterbach, Florian David Fitz, Palina Rojinski) in ein komödiantisches Chaos stürzt, sondern auch deren gesamtes Umfeld (in weiteren Rollen begeistern u.a. Elyas M'Barek und Uwe Ochsenknecht).

Im Interview sprechen Simon Verhoeven und Produzent Quirin Berg (Wiedemann & Berg) über den Erfolg des Streifens und die Zukunft der Hartmanns.

"Willkommen bei den Hartmanns" ist nicht nur der erfolgreichste deutsche Film des letzten Jahres, sondern hat auch gerade die Drei-Millionen-Besucher-Grenze geknackt. Wie sehen Sie dieses Ergebnis?

Quirin Berg: Es gab 2016 insgesamt nur vier Filme die mehr Zuschauer hatten, davon sind drei große Animationsfilme und der vierte ist ein "Harry Potter"-Nachfolger. Dann kommen direkt die "Hartmanns". Das ist wirklich ein wunderbarer Erfolg und auch für den deutschen Film insgesamt wichtig. Wir haben in Deutschland eine große Filmkultur und so viele eigene Qualitäten und eigene Themen. Es ist schön, zu sehen, dass wir hier mit einer eigenen Handschrift und einem so ungewöhnlichen Film so viele Zuschauer begeistern können. Und die "Hartmanns" laufen auch in 2017 noch sehr gut. Die Menschen sprechen über den Film und empfehlen ihn weiter, er ist ein Phänomen geworden. Es lohnt sich also immer noch, ins Kino zu gehen.

Wie erklären Sie sich diesen riesengroßen Erfolg? Was macht den Film so besonders und so erfolgreich?

Simon Verhoeven: Der Film geht ein kontroverses und schwieriges Thema, das uns alle beschäftigt und den meisten von uns auch große Sorgen macht, sehr unverkrampft, politisch inkorrekt und frontal komödiantisch an. Das hat anscheinend für viele Zuschauer etwas Befreiendes. Der Erfolg liegt sicher auch daran, dass der Film ausgewogen ist und nach allen Seiten austeilt. Er ist überhaupt kein naives "Refugees Welcome"-Märchen, sondern spart auch die Probleme der Willkommenspolitik und die Sorgen der Menschen nicht aus. In meinem Film gibt es ja sogar einen islamistischen Terroristen, der in einem Flüchtlingsheim verhaftet wird. Das habe ich im Sommer 2015 ins Drehbuch geschrieben - und damals wurde ich von manchen hierfür noch recht skeptisch angesehen. Mittlerweile wissen wir, dass leider auch dieser Aspekt Teil der Realität ist, der wir uns stellen müssen. Nicht jeder Flüchtling ist eine Bereicherung für unser Land und hier gilt es mehr zu differenzieren, auch im Namen derer, die unserer Hilfe wirklich verdienen. Ich glaube, diese Ausgewogenheit und Realitätsnähe spricht die Menschen an.

Außerdem glaube ich, ganz unabhängig von diesem Thema, finden viele Zuschauer den Film einfach nur verdammt lustig und gehen auch emotional voll mit der Familie Hartmann mit. Sie identifizieren sich mit der Familie, mit ihren unterschiedlichen Meinungen und Problemen. Wir sehen, dass die "Hartmanns" tatsächlich für alle Generationen, für die ganze Familie funktioniert und für Menschen mit ganz unterschiedlichen Erwartungen an einen Kinofilm. Das ist einfach nur toll.

Der Film ist mit Stars sehr hochkarätig besetzt. Welchen Anteil haben in Ihren Augen die Darsteller des Films?

Berg: Ja, das Ensemble ist großartig und trägt natürlich wesentlich zum Erfolg bei. Zum einen weil diese Schauspieler alle ihre eigene Fangemeinde haben: Menschen, die es als Qualitätsmerkmal sehen und eben ein gesteigertes Interesse an einen Film haben, wenn Senta Berger oder Elyas M'Barek mitspielen. Und dann ist es natürlich großes Glück, dass wir im Casting Eric Kabango gefunden haben - ein Geschenk für den Film. Zum anderen aber auch - und das hängt natürlich zusammen - weil diese Schauspieler ihr Handwerk auf herausragende Weise verstehen und man sie einfach unglaublich gerne in diesen Rollen sieht. Und dass diese Rollen so Freude machen, haben wir wiederum unserem Drehbuchautor und Regisseur Simon Verhoeven zu verdanken.

Gibt es möglicherweise ein Wiedersehen mit den Hartmanns und Co?

Verhoeven: Natürlich ist uns diese Familie sehr ans Herz gewachsen und wir würden auch ganz gerne wieder Zeit zusammen verbringen. Aber "Willkommen bei den Hartmanns" ist ein sehr besonderer Film, da muss eine Fortsetzung schon wirklich würdig sein. Wir wollen das nicht um jeden Preis und widmen uns erst einmal anderen Projekten.

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