Wilde Wikinger und ein weltberühmter Winzling

Wilde Wikinger und ein weltberühmter Winzling

Von Mariana Jang

Sehnsüchtig haben Wickie-Fans auf diesen Film gewartet. Denn wer kennt und liebt nicht den kleinen Rotschopf aus der Zeichentrickserie, der für jedes Problem eine zündende Idee parat hat? Ganze Generationen sind mit ihm aufgewachsen. Nun hat Michael ‚Bully’ Herbig - rund 45 Jahre nach Erscheinen der ersten Geschichten des schwedischen Autors Runer Jonsson - die Geschichten um den kleinen Wikinger-Jungen wieder zum Leben erweckt. Wer aber jetzt eine Parodie à la 'Schuh des Manitu', '(T)Raumschiff Surprise - Periode 1' oder 'Lissie und der wilde Kaiser’ erwartet, liegt glatt daneben.

Als Fernseh-Kind der 70er hatte Bully nach eigenem Bekunden nie die Absicht, Wickie durch den Kakao zu ziehen. Was ihm von Anfang an vorschwebte, war ein spannender Abenteuerfilm für die ganze Familie, eine Mischung aus 'Fluch der Karibik' und 'Kevin allein zu Haus'. Doch ganz ohne den Bully-typischen Humor und die ein oder andere Sketch-Einlage geht es am Ende dann wohl doch nicht.

Der Spruch 'Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm' scheint bei dem kleinen Wickie (Jonas Hämmerle) und seinem Papa Halvar (Waldemar Kobus) so gar nicht zuzutreffen: Während Halvar auf Muskelkraft setzt und gerne mal zuhaut, verlässt sich Wickie lieber auf sein Köpfchen und spielt, sehr zum Unmut seines raubeinigen Papas, lieber mit seiner Freundin Ylvie, anstatt zu rauben und zu kämpfen, wie sich das für einen echten Wikinger eigentlich gehörte.

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Wilde Wikinger und ein weltberühmter Winzling

Doch eines Tages wird ihr Dorf von maskierten Piraten überfallen, geplündert und abgebrannt. Die Seeräuber entführen alle Kinder - bis auf Wickie, der sich nach einem Flugversuch in einem Baum verfangen hat. Bei der Rettungsaktion will er natürlich dabei sein und schleicht sich heimlich auf das Schiff seines Vaters, mit dem sich die starken Männer auf die Suche nach den Entführern machen. Halvar ist zunächst einmal so gar nicht begeistert, dass sein halbstarker Sohn als blinder Passagier mitgereist ist, aber schon bald stellt sich heraus, dass die mächtigen Nordmänner ohne Wickies Einfallsreichtum ganz schön aufgeschmissen wären…

'Wickie' ist ein Film, bei dem auch das erwachsene Publikum auf seine Kosten kommt. Denn gerade dieses wird wohl über so manches schmunzeln können, was für die Kleineren nicht ganz verständlich sein dürfte. Zusätzliche Extra-Lacher bietet Bullys neuer Kino-Streich mit überraschenden Gastauftritten von Nora Tschirner, Herbert Feuerstein, einem stotternden Jürgen Vogel und Christoph Maria Herbst mit Riesenzinken.

Auch auf Bully selber muss man nicht verzichten, da er sich kurzerhand selbst eine Rolle auf den Leib geschneidert hat und immer wieder mal als schmieriger, spanischer Reporter 'Congaz' auftaucht, um den Fortgang der Handlung zu kommentieren. Ob eine solche Figur tatsächlich in die Geschichte passt, bleibt fraglich. Denn eigentlich sollte die Realverfilmung der Originalvorlage weitestgehend treu bleiben, so die Ambitionen des prominenten Machers. Bullys Handschrift und Humor jedoch durchziehen den ganzen Streifen und scheinen eine ganze neue Geschichte zu erzählen. Man witzelt über zeitgenössische Themen, die so gar nicht in die historische Normannen-Szenerie passen wollen, und überhaupt verspürt man kontinuierlich die uncharmante Präsenz der Gegenwart. Eingefleischte Fans sollten sich also darauf gefasst machen, dass 'Wickie und die starken Männer’ keine lupenreine Adaption ist, sondern…naja…ein Bully-Film.

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