'Wildcard' mit Jason Statham und Stanley Tucci: Hier wird der Black Jack zum schwarzen Peter

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Filmkritik zu 'Wildcard'
Danny de Marco (Milo Ventimiglia) hat nur eins im Sinn: Rache an dem Mann, der sein Geld gestohlen hat

2 von 5 Punkten

Die Nerven sind angespannt, dichter Zigarrenrauch kringelt sich durch die Luft wie eine angriffsbereite Schlange. Die Hand verweilt auf den verdeckten Karten, dreht sie langsam um – und darunter befindet sich nichts. Wirklich nichts, nur ein gar grausames Blatt. Genau so fühlt sich 'Wild Card' an: Groß erwartete Spannung, aber nichts dahinter.

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Von Natalie Achenbach

Jason Statham ist ein Ass in seinem Genre. Egal wo er auf der Leinwand auftaucht, fliegen die Fäuste, während sich im Hintergrund eine epische Explosion abspielt – immer viel Bumm, aber wenig drum herum. Weder Stathams letzten Filme wie 'The Expendables 3' oder 'Homefront' konnten mit einer tiefergründigen Story überzeugen. Aber wer braucht schon Story, wenn man ordentliche BOOMS und BÄMS haben kann? Diese sucht man in seinem neuesten Film 'Wildcard' allerdings auch vergeblich. Hier verursacht nur der letzte Hoffnungsfunken auf Spannung Rauch – indem er verpufft.

Die Geschichte ist schnell erklärt: Bodyguard Nick Wilde (Jason Staham, 'Crank') erhält einen Hilferuf seiner Ex-Freundin Holly (Dominik García-Lorido, 'Magic City', 'La Linea'), die völlig entstellt vor seiner Tür steht. Ihr einziger Gedanke ist Rache an dem Mann, der ihr dies angetan hat: Gangsterboss Danny de Marco (Milo Ventimiglia, 'Grace of Monaco'). Nick stattet diesem einen Besuch ab und hinterlässt einen bleibenden Eindruck in dessen Gesicht und lässt 50.000 Dollar mitgehen. Als Nick den Security-Auftrag bekommt, einen introvertierten Computernerd (Michael Angarano, 'Haywire' ) ins Casino zu begleiten, kommt seine chronische Spielsucht ans Tageslicht und er verzockt das gesamte Geld, das er eigentlich dafür nutzen wollte, um vor Danny de Marcos Rachefeldzug ins Ausland zu fliehen. Und so muss der Haudegen sich dem wütenden Gangsterpack letztlich doch nochmal entgegenstellen.

Der Black Jack wird zum schwarzen Peter

'Wildcard' mit Jason Statham
...und was macht man mit einem Haufen Geld? Richtig, verzocken!

Ein Ass zieht der Film schon zu Beginn aus dem Ärmel, denn hier sind die Kampfszenen bildgewaltig mit Slow-Motion-Technik inszeniert, sodass man nichts verpasst und jeden Blutstropfen vorbeiwabern sieht. Allerdings wird diese Art der Inszenierung nicht konsequent durch den Film gezogen und bleibt leider nur ein Einstiegsschmankerl. Ab hier wird der Black Jack aber auch schon zum schwarzen Peter: Die Geschichte ist zum Teil wirr und zusammenhangslos und kann auch nicht von den Charakteren getragen werden.

Die Rollen sind stereotypisch überspitzt und treiben so nur an der Oberfläche. Allen voran Nick Wild, dessen Nachname auch schon alles verrät, was es überhaupt über diesen Charakter zu sagen gäbe. Michael Angarano verkörpert den schüchternen Computerexperten Cyrus Kinnick, der reich an Geld, aber arm an sozialer Kompetenz ist. Hier wird mal wieder die typische Nerdkarte ausgespielt. Kulanter Weise hat man jedoch auf eine Brille verzichtet - wie ausgefallen! Einzig Stanley Tucci verkörpert mit dem geheimnisvollen Untergrundboss 'Baby' einen Charakter, von dem man in den rund 90 Minuten gerne mehr gesehen hätte.

'Wildcard' ist weder wild noch ausgefallen, weder wird der verruchte Casinocharme eingefangen noch ein spannender Plot inszeniert. Wäre Regisseur Simon West ('The Expendables 2', 'The Mechanic') in diesem Remake wirklich All In gegangen, wäre wahrscheinlich mehr dabei raus gekommen, als ein vorhersehbares Blatt.

Kinostart: 12.02.2015

Genre: Action

Originaltitel: Wildcard

Filmlänge: 93 Minuten

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