Wie Matrix, nur besser gespielt: Christopher Nolans 'Inception'

Leonardo DiCaprio schleicht sich in die Träume seiner Opfer

Wie Matrix, nur besser gespielt: Christopher Nolans 'Inception'

Waren Sie auch enttäuscht, dass die Wachowski-Brüder ihre „Matrix“-Trilogie mit zwei eher öden Fortsetzungen zu Ende brachten? Dann ist „Inception“ vielleicht was für Sie. Denn der neue Science-Fiction-Thriller von Christopher Nolan („Memento“, „Dark Knight“) ist eindeutig von „Matrix“ beeinflusst, aber deutlich besser gespielt.

Für die Hauptrolle hat er Leo DiCaprio gewonnen, der in den letzten Jahren bewiesen hat, dass er längst nicht mehr das Milchgesicht aus „Titanic“ ist, sondern sich zu einem der besten Schauspieler seiner Generation gemausert hat. Er mimt in Nolans Zukunftswelt den modernen Gauner Dom Cobb, der die „Extraction“ beherrscht wie kein anderer: Er schleicht sich in die Träume seiner Opfer ein, erschafft dort optisch verwirrende Traum-Architekturen, um die Schlafenden zu täuschen und stiehlt ihre Ideen. Dass allenthalben Menschen in den Schlaf gleiten oder schlummernd herumliegen wie einst die Pillenschlucker in „Matrix“ gibt einem zunächst den schalen Beigeschmack, dass hier ordentlich geklaut wurde. Aber Nolan findet einen eigenen Dreh.

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Exzellent aufspielender Cast, der von Leo DiCaprio souverän angeführt wird

Denn Cobb wird vom japanischen Geschäftsmann Saito (Ken Watanabe aus „Last Samurai“) erpresst: Er will, dass Cobb das genaue Gegenteil seiner üblichen Industriespionage unternimmt: Er soll sich in der noch unerforschten Kunst der „Inception“ versuchen, der Einpflanzung von Ideen. Zielscheibe des perfiden Anschlags auf die gedankliche Intimsphäre: der Industriellen-Sohn Robert Fischer (Cilian Murphy, der Bösewicht aus Nolans „Batman Begins“). Als Lohn soll Cobb seine Kinder zurückbekommen, die man ihm nach dem Tod seiner Frau Mal (wie eine Sphinx: Marion Cotillard) weggenommen hat.

Aber die Femme Fatale, an deren Tod Cobb Schuld sein soll, hindert ihn an der Ausführung seines Jobs, weil sie durch seine Träume spukt. Deshalb stellt er sich ein schlagkräftiges Team aus Hightech-Experten zusammen, darunter die süße Ellen Page aus „Juno“, der charmante Joseph Gordon-Levitt aus „(500) Days Of Summer“ und der lässige Tom Hardy, der zuletzt in Guy Ritchies „Rock’n Rolla“ zu sehen war. Doch können diese Spezialisten Cobb befreien von den Albträumen, die das Projekt bedrohen?

Sie merken schon: Die 140 Minuten sind so prall gefüllt mit komplizierter Handlung, dass man permanent aufpassen muss, um noch mitzukommen, vor allem, weil der Großteil der Information über den Dialog transportiert wird und die Bilder trügerisch sind und sein sollen. Sollten Sie nach dem Ende trotzdem etwas ratlos dastehen, seien Sie getröstet: Damit sind sie nicht allein. Nolans Filmexperiment ist so vielschichtig und komplex konstruiert, dass man es gleich nach dem Abspann noch mal anschauen möchte.

Auch wenn der futuristische Thriller manchen Zuschauer frustrieren mag und in der Mitte etwas straffer hätte sein können, so hat er doch einiges zu bieten: Opulente Bildwelten, in denen sich im Unterbewussten ganze Pariser Straßen auffalten und solide gemachte Actionszenen, von denen Genrefans vermutlich gern ein paar mehr gesehen hätten. Und einen bis in die winzigste Nebenrolle (Michael Caine als Cobbs Schwiegervater!) exzellent aufspielenden Cast, der von Leo DiCaprio souverän angeführt wird. Mit Sicherheit nicht Nolans größter Wurf, aber sein ambitioniertestes Projekt, das Aufmerksamkeit verdient.

Von Mireilla Zirpins

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