Wie 'Kick Ass', bloß besser: 'The Green Hornet'

Wie 'Kick Ass', bloß besser: 'The Green Hornet'

Comic-Helden sind aus dem Kino nicht mehr wegzudenken. 2010 feierte mit ‘Kick Ass’ und ‘Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt’ aber besonders der arme Loser, der ganz ohne Superkräfte den bösen Buben einen gediegenen Tritt in den Hintern verpasst, seine Wiedergeburt. Nun beschert uns auch Judd-Apatow-Muse Seth Rogen (‚Superbad’ ‚Annanas Express’) als Autor und Antiheld mit seinem neuen Film ‚The Green Hornet’ (dt.: Die grüne Hornisse) ein durchgestyltes Actionspektakel mit Graphic-Novel- und Computerspiel-Elementen.

Wenn dabei auch noch Oscarpreisträger und ‘Inglourious-Basterds’-Bösenwicht Christoph Waltz, Hollywood-Sweetheart Cameron Diaz und der hierzulande noch (!) unbekannte asiatische Superstar Jay Chou unter der Regie von Michel Gondry (‘Vergiss mein nicht’, ‘The Science of Sleep’, ‘Abgedreht’) vor eine Kamera treten, kann dabei nur ein total verrückter, irrsinnig witziger Film herauskommen. Und tatsächlich macht Seth Rogens coole Sprücheklopfer-Action-Komödie ‚The Green Hornet’ einfach Spaß.

Britt Reid (Seth Rogen) ist Sohn eines großen Zeitungsmoguls in L.A. Seinen alten Herren hält er für einen Riesenarsch und anstatt sich Gedanken um dessen Unternehmen oder seine eigene Zukunft zu machen, beschäftigt er sich lieber mit Frauen und Partys. Allerdings muss der verantwortungslose Kerl ausgerechnet durch die Nachrichten erfahren, dass sein Vater angeblich wegen einer allergischen Reaktion auf einen Bienenstich das Zeitliche gesegnet hat.

Zu allem Überfluss wird dem Nichtsnutz die Leitung des Unternehmens überlassen. Als man ihm dann auch noch seinen heißgeliebten morgendlichen Kaffee ohne Muster im Milchschaum vorsetzt, verlangt er außer sich vor Wut nach demjenigen, der vor dem Ableben seines Vaters den Kaffee gekocht hat. Wie sich herausstellt, ist das der Asiate Kato (Jay Chou). Der hat nicht nur selbst die Espressomaschine kreiert, oder die zahlreichen Autos des alten Reid protzig aufgepimpt, sondern auch noch eine ganze Menge anderer abgefahrener Talente in petto. Und weil man die nicht vergeuden sollte, beschließt Britt kurzerhand, seinem sinnlosen Leben ein jähes Ende zu setzten und sich fortan als ‚Green Hornet’ zusammen mit seinem Sidekick Kato der Verbrechensbekämpfung zu widmen. Um an die bösen Jungs heranzukommen, tun sie dabei allerdings so, als seien sie selbst die Unholde.

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Wie 'Kick Ass', bloß besser: 'The Green Hornet'

Das geht Chudnofsky (Christoph Waltz), dem Oberdrogenboss der L.A. Unterwelt und gleichzeitigen Gegenspieler der grünen Hornisse allerdings ganz gewaltig gegen den Strich, schließlich kann es nur Einen auf dem Mafiathron geben. Christoph Waltz dabei zuzusehen, wie er sich selbst mit seinem wundervoll skurrilen Chudnofsky auf die Schippe nimmt und dabei bieder ernst bleibt, ist ein Genuss. Gut, dass Nicholas Cage die Rolle abgesagt hat. Schon in der dialoglastigen Szene, die seine Figur einführt, muss man Tränen lachen. Den gnadenlosen, paranoiden und nach Respekt lüsternen, russischen Gangster gibt er pointiert und karikativ perfide. Die einzige Schattenseite daran mag sein, das der Oscarpreisträger Gefahr läuft, in Hollywood bloß auf die Rolle des bösen Gegenspielers gecastet zu werden. Als solcher wird er nämlich auch in ‚Water for Elephants‘ an der Seite von Robert Pattinson und Reese Witherspoon zu sehen sein.

Der eigentliche Held aber ist Jay Chou. Mit seinem Kato macht er nicht nur Bruce Lee alle Ehre, der Mitte der 60er in der ‚The Green Hornet’-TV-Show die Fäuste fliegen lassen durfte. Auch spielt der eigentliche Musiker, trotz seines gebrochenen Englisch (das im Deutschen leider Gottes absolut charme- und akzentfrei synchronisiert wurde) mit seiner abgebrühten Coolness sogar Seth Rogen an die Wand. Dessen Britt wäre ohne seinen Kompagnon aber auch ziemlich aufgeschmissen. Schließlich ist Kato nicht nur für allerhand explosive Accessoires des Duos zuständig, sondern bezwingt die Verbrecher L.A.s auch in einigen Martial-Arts-Sequenzen, die sehr ansehnlich choreographiert und montiert sind - hier verliert sich die Kampfästhetik wenigstens nicht durch zu schnelle Schnitte, wie in so mach anderem Actionblockbuster.

Obwohl Cameron Diaz weitaus mehr Stunt- und Actionerfahrung hat, als der abgespeckte Rogen, darf sie weder ordentlich zuschlagen, noch mehr tun, als wieder die ‚Bombshell’ und Britts neue Sekretärin Lenore Case zu spielen. Zwar kann sie mit einigen schlau geklopften Sprüchen punkten und damit ein bisschen zur Story beitragen, allerdings geht ihr schauspielerisches und vor allem komödiantisches Talent leider unter.

Regisseur Michel Gondry hat in Zusammenarbeit mit dem Autordenduo Seth Rogen und Evan Goldberg mal wieder etliche Register gezogen, um aus ‚The Green Hornet’ bildgewaltige Unterhaltung zu schaffen. Durch viel Liebe zum Detail ist ihm das auch ganz ordentlich gelungen, obwohl der Film manchmal als zu schematisches Actionkino daher kommt. Trotz einiger Gondry-typischer Elemente im Slow-Motion ‚Matrix’-Stil (den er übrigens selbst vor Jahren geprägt hat) hätte man von einem kreativen Kopf wie dem Franzosen etwas Verspielteres erwartet. Herausgekommen ist dennoch eine herrlich humorvolle und ansehnlich inszenierte Jungsklamotte, zu der jeder Kerl auch ruhig seine Freundin überreden kann.

Von Mihaela Gladovic

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