'What a Man': Jetzt ist Schluss mit 'Muschi'

4,5 von 5 Punkten

Wann ist ein Mann ein Mann? Und wie kann er zu einem echten Kerl werden? Diese Frage war schon Grundlage für diverse 80er Jahre-Filme. Wenn dann noch eine Liebesgeschichte à la 'Harry und Sally’ dazu kommt, klingt das erstmal nach einer 0815-Liebeskomödie. Doch der Eindruck täuscht. Mit 'What a Man’ hat Matthias Schweighöfer bei seinem Regie-Debüt einen glatten Volltreffer gelandet.

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Alex, gespielt von Matthias Schweighöfer ('Keinohrhasen‘, 'Zweiohrküken’) ist 30 Jahre alt und Grundschullehrer. Nach der Trennung von seiner Freundin Carolin, die ihn nach ihrem Seitensprung mit ihrem muskulösen Nachbarn Jens (Thomas Kretschmann, der in 'Resident Evil: Apocalypse‘ und 'Der Untergang‘sein Talent unter Beweis stellen konnte) aus der gemeinsamen Wohnung schmeißt, flüchtet Alex zu seiner besten Freundin Nele (Sibel Kekilli, 'Gegen die Wand‘, 'Kebab Connection‘, 'Die Fremde‘). Im Gegensatz zu Alex‘ Ex-Freundin Caro, eine erfrischende aber unheimlich chaotische Frau, die nichts in ihrem Leben plant und dabei einfach immer alles so nimmt, wie es gerade kommt.

Matthias Schweighöfer auf Sinnsuche

Mit viel Herz und Charme versucht Nele Alex klar zu machen, dass es nicht darauf ankommt, wie groß die Muskeln eines Mannes sind. Doch Alex ist immer noch davon überzeugt, dass es um viel mehr geht und bittet schließlich seinen Freund Okke (Elyas M’Barek, 'Mädchen, Mädchen‘, 'Die Welle‘, 'Zeiten ändern Dich‘) um Hilfe. Doch Okkes Versuche aus Alex einen harten Kerl zu machen, scheitern: Irgendwie sind Selbstfindungstrips im Wald mit dem Männer-Coach Volker, der aus ‚Muschis’ echte Männer machen will, doch nicht so ganz Alex’ Welt. Und plötzlich ändert sich Alex‘ Sicht auf die Dinge und ihm wird klar, dass es vielleicht gar nicht darum geht, ein Macho zu sein sondern vielmehr darum, die richtige Frau zu finden, die ihn so liebt wie er ist?! Mit dieser Erkenntnis macht sich Alex auf die Suche nach genau dieser einen Frau und findet dabei etwas ganz Besonderes: sich selbst !

Obwohl Matthias Schweighöfer mit 'What A Man‘ sein Regiedebüt feiert, leidet seine schauspielerische Leistung keine Sekunde darunter. Im Gegenteil: In seiner Rolle als schüchterner, unbeholfener Lehrer geht Schweighöfer voll und ganz auf. Aber auch die restliche Besetzung kann sich sehen lassen. Mit Sibel Kekilli und Elyas M’Barek hat sich Schweighöfer die erste Riege deutscher Schauspieler herausgepickt. Fraglich ist allerdings, ob der Film auch ohne Matthias Schweighöfer punkten würde. Denn inhaltlich wurde mit 'What a Man‘ das Rad nicht gerade neu erfunden. Erst der Witz und Charme von Schweighöfer verleihen dem Film das besondere Etwas.

Optisch wurde in 'What a Man‘ definitv nicht mit Farbe gegeizt. Ähnlich wie in 'Keinohrhasen‘ wurde in 'What a Man‘ einmal zuviel in den Farbfilter-Eimer gegrifffen und so scheint es, als säße man mit einer Sonnenbrille im Kino, die wunderbar warmes Licht zaubert. Über die Länge des Films hinweg, vielleicht ein bisschen zu viel 'Märchen-bunt‘. Die scheinbar größte und wichtigste Rolle um Gefühle im Film zu transportieren spielt hier wohl die Musik. Kaum eine Szene kommt ohne einen kitschigen aber dennoch unheimlich schönen Popsong aus und die zahlreichen Zeitlupenaufnahmen und Überblendungen betonen einmal mehr die Gefühle der Figuren.

Steht man auf 'Keinohrhasen‘, wird man auch 'What a Man‘ lieben. Zwar ist der Film thematisch nicht hochaufregend oder eine Weltneuheit, trotzdem macht es unheimlichen Spaß ihn anzusehen. Ein Film der das Herz erwärmt und gleichzeitig sehr erfrischend ist. Und das Tollste: Der Film ist nicht nur was für Frauen, sondern auch für Männer, die in 'What a Man‘ noch einiges lernen können.

Von Yvonne Schröer

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