Wer ist hier der Böse? Shia LaBeouf in „Eagle Eye“

Wer ist hier der Böse? Shia LaBeouf in „Eagle Eye“

Von Sebastian Werner

Mensch gegen Maschine mit Hollywood-Jungstar Shia LaBeouf: Hört sich an wie die Fortsetzung von „Transformers“, ist es aber nicht. Eher passt der neue Film von „Disturbia“-Regisseur D.J. Caruso thematisch ins Umfeld von „Matrix“ oder „I, Robot“. Die Maschine, der „Eagle Eye“ seinen Titel verdankt, gibt sich bloß nicht als Feind zu erkennen. So wissen CIA und FBI gar nichts von ihrem dunklen Plan - und der Zuschauer rätselt, wer in der Geschichte eigentlich der Bösewicht ist.

Zunächst einmal jedoch erzählt der Thriller ganz unterschiedliche Geschichten, deren Zusammenhang erst später ersichtlich wird. Es geht um einen missglückten Militärschlag gegen ein vermeintliches Terror-Ausbildungscamp und um einen Air-Force-Soldaten, der scheinbar bei einem Unfall ums Leben kommt. Der Streifen macht sich von Beginn an in irrem Tempo daran, den Zuschauer auf die Schliche der Maschine zu bringen, die ihre Fänge überall zu haben scheint. So werden zwei unbescholtene Menschen von einer mysteriösen Frauenstimme am Telefon aus ihrem langweiligen Leben gerissen und durch die Vereinigten Staaten gejagt.

„Ich bin nur in mein Zimmer gekommen, hab das Licht angemacht, und die ganze Scheiße lag da. “ Mit diesen Worten erklärt Jerry Shaw (LaBeouf) dem FBI-Agenten Thomas Morgan (Billy Bob Thornton), warum in seinem Apartment genug Chemikalien und Waffen gefunden wurden, um eine ganze Kleinstadt in die Luft zu jagen. Innerhalb von Sekunden ist Jerrys frustrierendes, aber harmloses Leben vorbei, denn Unbekannte verhelfen ihm zur Flucht vor der erdrückenden Beweislage, und er findet sich in einer Hetzjagd wieder.

Von der sehr bestimmt klingenden Frauenstimme am Telefon erhält der Copy-Shop-Angestellte Anweisungen, wie er das FBI, das ihn für einen Terroristen hält, am besten abhängt. Keine leichte Situation für einen Jungen, der gerade die Nachricht erhalten hat, dass sein Zwillingsbruder tot ist - ganz genau, jener Air-Force-Soldat! LaBeouf zeigt in der Rolle viele Facetten seiner Schauspielfähigkeiten und kann sowohl als trauernder Bruder als auch als verwirrter Gejagter im Gefühlschaos durchaus überzeugen.

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Wer ist hier der Böse? Shia LaBeouf in „Eagle Eye“

Unterstützung erhält Jerry unverhofft von Rachel Holloman (Michelle Monaghan überzeugt als besorgte Jungmutter und geht neben LaBeouf nicht unter). Rachel ist alleinerziehend und mit der Betreuung ihres Sohnes überfordert. Die Frauenstimme bringt Jerry und Rachel zusammen und übernimmt alles, was in so einem Überwachungsstaat möglich ist: Kameras, Handysignale und GPS-Empfänger liefern genug Informationen und bieten ausreichend Einflussmöglichkeiten. So ist es kein Problem, die beiden Hauptpersonen in fulminanten Verfolgungsjagden vorm FBI fliehen zu lassen.

In der sehr actionlastigen ersten Hälfte zeigt der Film seine Stärken. Mit schnellen Schnitten von Caruso atemberaubend inszeniert, treiben einem die Explosionen, Schießereien und Verfolgungsjagden den Herzschlag nach oben. Gleichzeitig muss man sich gemeinsam mit Jerry und Rachel die Hintergründe erarbeiten - so undurchsichtig sind anfangs die Zusammenhänge zwischen Terrorangst, Überwachungsstaat und Pentagon.

„Eagle Eye“ lässt den Kinobesucher so zunächst der Geschichte hinterher hecheln, während eine unbekannte Macht zwei Normalsterblichen den Weg durch den Kugelhagel ebnet. Durch die Action-Szenen gerät die Handlung so kurzweilig, dass man fast den Anschluss verliert. Während sich Jerry und Rachel scheinbar endlos lange zusammenreimen, warum gerade sie in den Sog der Macht geraten sind, erahnt der Zuschauer dank der Recherchen der Air-Force-Ermittlerin Zoe Perez (Rosario Dawson) schon bald, warum Jerrys Zwillingsbruder sterben musste und wer hinter dem ganzen Spektakel steckt. Die letzte halbe Stunde ist daher ein wenig zu vorhersehbar geraten, denn man ist der Handlung am Ende immer ein Stückchen voraus.

Der Stoff zu „Eagle Eye“ entsprang einer Idee von Steven Spielberg. Im Geflecht von Terror, Überwachung und Patriotismus behandelt der Film einige politische Themen und hält sich mit Kritik an der US-Regierung nicht zurück, auch wenn die meisten Elemente fiktiv sind. Gepaart mit den rasanten Action-Szenen ergibt das einen spannenden Thriller, der trotz leichter Schwächen zum Ende hin absolut sehenswert ist. D. J. Caruso nimmt den Zuschauer mit auf einen Trip, der für ein mulmiges Gefühl in der Magengrube sorgt. Denn nach dem Abspann ist man gar nicht so sicher, ob man gerade ein Happy End gesehen hat oder nicht…

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