Wer ist Hanna? Knallhart und eiskalt!

4 von 5 Punkten

Hanna ist ein zierliches blondes Mädchen mit langen Haaren und strahlendblauen Augen. Doch wer jetzt das Bild eines zarten Mauerblümchens im Kopf hat, wird sich wundern. Denn hinter dem 14-Jährigen Mädel steckt eine eiskalte Killerin, die es locker mit James Bond und Jason Bourne aufnehmen kann. Mit seinem neuen Film ‚Wer ist Hanna?’ hat Regisseur Joe Wright (‚Stolz und Vorurteil’, ‚Abbitte’, ‚Der Solist’) einen actiongeladenen Thriller erschaffen, der zudem mit einer ordentlichen Portion Gefühl daherkommt.

Wer ist Hanna? Um diese Frage dreht sich der gesamte Film. Vorgestellt wird sie dem Zuschauer als trauriger Teenager, der in den schneebedeckten Wäldern Finnlands haust und ein Leben jenseits der Zivilisation führt – ohne Elektrizität, ohne Supermarkt und ohne Freunde. Einzige Bezugsperson ist ihr Vater Erik (Eric Bana, ‚Troja’, ‚München’, ‚Hulk’), der sein zierliches Töchterchen ganz schön hart ran nimmt: Mit intensivem Kampftraining bildet er Hanna zur Tötungsmaschine aus.

Als Hanna jedoch genug von dem Hinterwälderleben hat, setzt Erik seinen von langer Hand geplanten Rachefeldzug in die Tat um. Er kehrt in die Zivilisation zurück und lässt seine Tochter absichtlich vom CIA festnehmen, damit sie ihren blutigen Auftrag erfüllen kann.

Der Zuschauer bekommt nur häppchenweise eine Antwort auf die zentrale Frage nach Hannas Identität und welche Rolle sie in dem Rachefeldzug ihres Vaters spielt. Die Spannung, die dadurch aufgebaut wird, erhält gegen Mitte des Films einen Dämpfer, als Hanna erkennt, dass es auch ein Leben als Teenagerin jenseits der Gewalt gibt. Dieser für das Action-Haudrauf-Genre untypische Ausflug in die Emotionen eines kleinen Mädchens ist für den Spannungsbogen wenig dienlich, wenn auch durchaus gut inszeniert. Dabei verliert sich die Handlung aber keineswegs in Gefühlsduseleien, denn der Film nimmt zum Ende hin wieder Fahrt auf und steuert zielstrebig auf die Auflösung zu.

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Saoirse Ronan und Eric Bana gegen Cate Blanchett

In der Rolle der Hanna macht die eigentlich 17-jährige Saoirse Ronan, die 2008 für ‚Abbitte’ bereits für einen Oscar nominiert war, einen beeindruckenden Job. Sie schafft es mit ihren jungen Jahren, dass sich der Kino-Besucher mit der eigentlich eiskalten Hanna identifizieren kann. Auch Eric Bana macht in seiner Rolle als knallharter, wenn auch besorgter Vater, eine sehr gute Figur. Als Gegenspielerin war Cate Blanchett (‚Herr der Ringe’, ‚Aviator’) als skrupellose Geheimdienstleiterin ebenfalls die richtige Wahl.

Übel stößt einem eigentlich nur auf, dass das Nazi-Deutschen-Klischee in dem Film überflüssigerweise bedient wird. So wird Hanna von einem blonden und brutalen Deutschen gejagt, der zwei Glatzköpfe mit Bomberjacke und Springerstiefeln im Gepäck hat. Das hilft der Handlung nicht weiter und nervt eigentlich nur. Müssen in Action-Filmen denn immer die Deutschen oder Russen als Bösewichte herhalten?

Wenn man dieses Film-Klischee ignoriert, bietet ‚Wer ist Hanna?’ einen actionreichen und interessanten Agenten-Thriller, der mehr als sehenswerte Kampfszenen zu bieten hat. Mit der Story wurde das Rad zwar nicht gerade neu erfunden, aber die besondere Erzählweise und die Tatsache, dass eine 14-Jährige im Fokus der Erzählung steht, machen den Streifen zu etwas ganz Besonderem. Absolut sehenswert!

Von Sebastian Schmidt

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