Weiterer Zeuge entlastet Nadja Benaissa

Weiterer Zeuge entlastet Nadja Benaissa
© dpa, Marius Becker

Dritter Prozesstag

Am dritten Prozesstag im Fall Nadja Benaissa hat ein weiterer Sexualpartner der Sängerin im Amtsgericht Darmstadt ausgesagt. Er hatte von 1999 bis 2000 eine Beziehung mit der Sängerin geführt. Auch ihm soll sie von Anfang an von ihrer HIV-Infektion erzählt haben. Genau wie ein Zeuge am zweiten Prozesstag, bezeichnete der 37-Jährige Benaissas Umgang mit der Krankheit als sehr verantwortungsvoll.

- Anzeige -

Gleich am ersten Abend habe sie ihn mit den einleitenden Worten "Es gibt da etwas, was du wissen solltest…" über ihre HIV-Infektion aufgeklärt, wie eine RTL-Prozessbeobachterin berichtet. Wie schon bei vorangegangenen Zeugenaussagen wurde die Öffentlichkeit bei besonders intimen Details aus dem Sexleben der Sängerin und dem Zeugen kurzzeitig ausgeschlossen.

Auf ihre aktuelle finanzielle Situation angesprochen, teilte die junge Mutter dem Richter mit, dass am 2. August 2010 ein Insolvenzverfahren gegen sie eröffnet worden sei. Die zur Miete lebende Sängerin erhält keinerlei Unterhalt von dem Vater ihres Kindes - und hält auch weiter seinen Namen geheim. Ob es in ihrem Leben beruflich mit Musik weitergeht, konnte sie dem Richter nicht sagen. Allerdings habe sie sonst nichts gelernt. Sie sehne sich nach Ruhe und wisse nicht, wie es finanziell weiter gehen soll, erfuhren die Zuschauer im Gerichtssaal.

Erneut betonte die junge Frau, wie verfahren die Situation mit dem infizierten Nebenkläger damals war. Laut einer RTL-Prozessbeobachterin erzählt sie dem Richter erneut, dass sie die Ansteckungsgefahr verdrängt habe - es sich schön geredet habe. Der erste ungeschützte Sex sei im betrunkenen Zustand passiert. "Ich wusste nach dem ersten Mal nicht, was ich sagen sollte“, versucht sie laut Prozessbeobachtern die Situation zu erklären. Daraufhin habe sie noch mehr Angst gehabt, die Infektion zu beichten. So sei es erneut zum ungeschützten Verkehr gekommen.

Auch beim zweiten Zeugen am dritten Prozesstag, einem Vertreter der Jugendgerichtshilfe, wird die Öffentlichkeit des Gerichtes verwiesen. Er wird Dinge aus Benaissa Vergangenheit, völlig unbekannte Details aus ihrem Familien- und Intimleben, ansprechen.

Die für Donnerstag vor Gericht bestellten 'No Angeles’-Bandkolleginnen Jessica Wahls, Lucy Diakovska und Sandy Mölling müssen nicht als Zeugen aussagen, entschied das Gericht.

Weiterer Zeuge entlastet Nadja Benaissa
© dpa, Marius Becker

An den ersten beiden Prozesstagen hatten bereits zwei frühere Sexpartner von Nadja Benaissa ausgesagt. Ein 28-Jähriger hatte dabei betont, dass sie ihm die HIV-Infektion nie verschwiegen haben - und sehr verantwortungsvoll damit umgegangen sei. Sie hätten geschützten Verkehr gehabt, sagte er laut RTL im Zeugenstand. Dem Mann zufolge waren sie ein Jahr zusammen. Doch auch heute verbinde sie eine tiefe Freundschaft. Ein weiterer Sexualpartner der 28-Jährigen hat ebenfalls schon ausgesagt. Diesem Mann soll Nadja ihre HIV-Infektion verschwiegen, ihn aber nicht angesteckt haben.

Nadja Benaissa soll zwischen 2000 und 2004 fünf Mal mit drei Männern ungeschützten Sex gehabt haben, so die Anklage. Nachdem die Zeugen gehört wurden und ein Mann nicht erschienen war, wurde die Anklage wegen versuchter Ansteckung eingestellt. Dieser Mann, der von 2007 bis 2008 mit der Sängerin liiert war, hatte zuvor ausgesagt, er habe von der HIV-Infektion Benaissas zufällig erfahren, nachdem er bei ihr Medikamente gefunden hatte. Nach einer SMS mit den Worten "Ich weiß Bescheid" habe sie ihm ihre HIV-Infektion gestanden. Es bleibt die Anklage wegen vollendeter Körperverletzung in einem Fall, da sie 2004 einen Mann mit dem gefährlichen Aids-Virus infiziert haben soll. Er tritt im Prozess als Nebenkläger auf. "Du hast so viel Leiden in die Welt getragen", sagte er in der Verhandlung.

Ob er das Virus tatsächlich von der Sängerin hat, soll ein Gutachten klären, das am Mittwoch vorgestellt werden soll. Zudem will das Gericht nach eigenen Angaben den Psychologen der Sängerin hören. Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung sollten sich auf ihre Plädoyers vorbereiten, hieß es weiter.

Benaissa selbst sagte, sie habe 1999 von ihrer Ansteckung erfahren, diese aber verdrängt. "Das meiste aus dieser Zeit habe ich vergessen. Seit meiner Kindheit konnte ich gut Dinge verdrängen. In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass man in der Realität leben muss", sagte Benaissa laut RTL während der Verhandlung.

Bei einer Schwangerschaftsuntersuchung sei die HIV-Infektion festgestellt worden. "Ich war von dem Ergebnis völlig überrascht“, berichtete sie in einer von ihrem Anwalt Oliver Wallasch verlesenen Erklärung. Nach dem Aufstieg ihrer Band habe sie sich unter Druck gesetzt gefühlt. "Ich konnte es nicht sagen. Ich hatte tierische Angst“, so Benaissa.

Dem Popstar drohen bis zu zehn Jahre Haft. Es wird jedoch eine Bewährungsstrafe vermutet. Die Sängerin war im April 2009 festgenommen worden und hatte zehn Tage in Untersuchungshaft gesessen.

(Fotos: dpa)

— ANZEIGE —