"Weissensee"-Regisseur klagt über Ängstlichkeit deutscher Sender

"Weissensee"-Regisseur klagt über Ängstlichkeit deutscher Sender
Friedemann Fromm spricht aus, was viele TV-Zuschauer denken © ddp images

Friedemann Fromm (52), Regisseur der DDR-Saga "Weissensee", kritisiert die Einfallslosigkeit und Ängstlichkeit deutscher TV-Sender. "Wenn Redakteure die fünfte Arztserie produzieren und damit nur eine mittelmäßige Quote einfahren, können sie immer noch sagen: Ich habe nichts falsch gemacht, Arztfilme gehen sonst immer. Wenn sie aber etwas Neues ausprobieren, sieht das anders aus. Legen sie sich damit auf die Fresse, dann haben sie schnell ein Legitimationsproblem", sagte er im Interview mit dem Magazin "Der Spiegel". Er dürfte damit vielen Zuschauern aus der Seele sprechen.

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Klartext von Friedemann Fromm

Bei den Verantwortlichen der Sender herrsche eine große Angst davor, Fehler zu machen, führte Fromm weiter aus. Er selbst fühle sich mitunter, als würde er gegen Wände reden. Er stellte zwar klar, dass es "nicht nur Verhinderer, Dumpfbacken und Nichtssager, sondern auch ganz viele tolle Leute" gebe. Trotzdem platze ihm manchmal der Kragen. "Es gibt einen Satz, den ich überhaupt nicht mehr hören kann, wenn ich ein Drehbuch vorlege, aber er kommt immer wieder, und ich muss mich jedes Mal runteratmen: 'Ich würde das in dieser Situation aber nicht so machen wie die Figur'. Da krieg ich die Krätze, denn das ist das Todesurteil für jede Form einer interessanten Figurenzeichnung", schimpfte Fromm.

Auch mit dem Sendetermin für die dritte Staffel "Weissensee" ist er nicht glücklich. Die sechs Folgen werden ab Dienstag (29. September, 20.15 Uhr) an drei aufeinanderfolgenden Tagen gezeigt. "Ich kenne in meinem Umfeld niemanden, der einfach so drei Abende hintereinander für eine TV-Sendung freiräumt", sagte Fromm. "Man kann das nicht vergleichen mit Netflix, wo ich eine ganze Serie am Stück schaue, denn da bestimme ich selbst den Termin." Allerdings werden die neuen Folgen auch online als Video on Demand zu sehen sein.

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