"Weinberg": So ist das deutsche "Twin Peaks"

"Weinberg": So ist das deutsche "Twin Peaks"
Sichtlich verwirrt zeigt sich der namenlose Held (Friedrich Mücke) aufgrund der Geschehnisse im Örtchen Kaltenzell © TNT

Mit einer Eigenproduktion konnte der Bezahlsender TNT bereits einen ersten Achtungserfolg vorweisen. So gewann die Comedy-Sendung "Add a Friend" 2013 den Grimmepreis und punktete auch bei den Kritikern. Ähnlichen Anklang will der Pay-TV-Sender ab dem 6. Oktober mit seiner zweiten Serie "Weinberg" finden, und zwar mit einem in Deutschland seit jeher stark unterrepräsentierten Genre: dem Mystery-Thriller.

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Eigenproduktion von TNT

 

Weinberg des Grauens

 

In medias res wirft einen die Serie auf einen nebelbehangenen Weinhügel. Ebenso ergeht es dem namenlosen Hauptcharakter (Friedrich Mücke, "Friendship!"), der blutverschmiert und gänzlich ohne Gedächtnis inmitten der Reben aufwacht. Kaum bei Bewusstsein, macht er eine grausige Entdeckung: Direkt über ihn hängt der Leichnam einer jungen Frau - die Weinkönigin des nahe gelegenen Ortes Kaltenzell, wie sich wenig später herausstellt. Doch kaum hat der verwirrte Mann die Bewohner des Städtchens über den Fund informiert, beginnt er, an seinem Geisteszustand zu zweifeln. So fehlt von der Leiche bei seiner Rückkehr auf den Weinberg nicht nur jede Spur, nein, die vermeintlich Tote begegnet ihm gar quicklebendig bei einem Streifzug durch das Dorf.

 

Wer hat Amanda Palmer getötet?

 

Lange muss man nicht die Analen der TV-Geschichte durchforsten, ehe man das Vorbild für "Weinberg" ausgemacht hat. "Wer hat Amanda Palmer getötet?", fragten sich Anfang der 90er Jahre unzählige Fans der US-Serie "Twin Peaks". Auch bei der TNT-Show werden der Mord an einer jungen Frau und der Außenseiter in einer verschworenen Gemeinde, der den Fall aufklären will, zum Zentrum der Handlung. Und weil jeder der arg provinziellen Dorfbewohner, so viel ist bereits nach einer Folge klar, Dreck am Stecken hat, springt einem prompt auch noch "Hot Fuzz" in den Kopf - abzüglich des Humors, versteht sich.

 

Nichts wird ausgelassen

 

Gut hätte es der sechsteiligen Mini-Serie "Weinberg" getan, zumindest ein paar Horror- und Mystery-Konventionen auszulassen, oder sie zumindest etwas unauffälliger zu gestalten. So werfen sich die fadenscheinigen Protagonisten bei zu stark entsättigtem Bild und offenbarer Flat-Rate auf den Nebelwerfer stets einen auffälligen Blick zu viel zu. Das ist deswegen schade, weil mit Schauspielern wie Mücke oder etwa Arved Birnbaum tolle Dartsteller dem "Weinberg"-Ensemble angehören.

Nichtsdestotrotz schafft es die Serie dank cleverer Cliffhanger, dass der Zuschauer am Ball bleibt - mit nur sechs Episoden hat "Weinberg" zudem die richtige Länge, um das Mysterium der ermordeten Weinkönigin nicht zu langatmig zu gestalten. Zudem ist TNT der Mut hoch anzurechnen, den deutschen Trott aus Comedy- und Krimi-Serien durchbrechen zu wollen. Vielleicht setzt "Weinberg" so ein wichtiges Signal an andere Produktionsfirmen und Zuschauer gleichermaßen.

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