Watchmen: Die etwas andere Blue Man Group

Watchmen: Die etwas andere Blue Man Group

Von Kathrin Pleiss

Unverfilmbar! So lautete das Urteil vieler Filmschaffender über die Kult-Graphic-Novel 'Watchmen'. Visionär Zack Snyder ('300') hat es trotzdem gewagt. Herausgekommen ist dabei ein 162-minütiges, bildgewaltiges Kino-Spektakel.

Wir befinden uns im Jahr 1985 einer Alternativ-Welt in New York. Die Watchmen, die einst das Böse bekämpft haben, wurden per Gesetz in den Ruhestand versetzt. Präsident Nixon wurde gerade zum dritten Mal im Amt bestätigt, die USA haben den Vietnamkrieg gewonnen, stehen aber nun kurz vor einem Atom-Krieg mit der UdSSR, der die Menschheit vernichten würde. Und das, obwohl die Vereinigten Staaten die ultimative Superwaffe im Kampf um die Vormachtstellung in der Welt haben: Dr. Manhattan (Billy Crudup).

Er ist der einzige Watchman, der tatsächlich über Superkräfte verfügt. Die blaue Lichtgestalt ist mächtiger als Superman, Hancock und Spiderman zusammen. Manhattan sieht die Zukunft und die Vergangenheit, kann sich und andere im Handumdrehen (sogar bis auf den Mars) teleportieren. Kurz: Er ist ein gottgleiches Wesen, befasst sich jedoch lieber mit seiner Forschung, als mit den Belangen der Menschheit. Letztere haben für ihn fast an Bedeutung verloren.

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Watchmen: Die etwas andere Blue Man Group

Die hoch komplexe Story der Watchmen beginnt mit einem brutalen Mord. Der 'Comedian' (überzeugend: Jeffrey Dean Morgan) findet sein Ende, weil er von seinem maskierten Mörder aus dem Hochhaus geworfen wird. Als Rorschach (brillant: Jackie Earle Haley) vom Ableben seines ehemaligen Mitstreiters erfährt, wittert er eine Verschwörung. Der Rächer mit der Tintenklecks-Maske versucht zunächst erfolglos, die Watchmen von seiner Theorie zu überzeugen. Doch die Dinge ändern sich schlagartig, als auch auf Adrian Veidt alias Ozymandias (smart: Matthew Goode), mittlerweile Wirtschaftsmagnat und außerdem der schlauste Mann der Welt, ein Anschlag verübt wird.

Laurie Jupiter alias Silk Spectre II (bezaubernd: Malin Akerman) verlässt den gefühlskalten Übermenschen Dr. Manhattan und wendet sich Nite Owl II (herrlich spießig: Patrick Wilson) zu. Schnell kommen die wiedervereinten Watchmen darauf, dass Adrian Veidt viel höhere Ziele verfolgt, als nur sein Imperium zu vergrößern...

Durch zahlreiche Rückblenden erklärt Snyder, wie die Geschichte der Watchmen mit der ihrer Vorgänger, den Minutemen, verknüpft ist. Gleichzeitig gelingt es ihm, seinen Charakteren in der Jetzt-Zeit den Tiefgang zu verleihen, den die Comic-Vorlage verlangt. Die Watchmen sind nämlich keine glanzvollen Super-Helden mit Saubermann-Image. Jeder hat charakterliche Schwächen, im Falle des Comedians sind es sogar Abgründe...

Watchmen: Die etwas andere Blue Man Group

Snyder beweist nach dem Sandalen-Epos ‚300’ einmal mehr seine Detail-Verliebtheit. Obwohl er ein düsteres, verregnetes Endzeit-Szenario zeichnet, ist der Film ein echter Augenschmaus. Und das nicht nur, wegen der hübschen Malin Akerman im knappen Latex-Dress: Spektakuläre Kamerafahrten, ungewöhnliche Einstellungen und eindrucksvolle Special-Effects. Snyder tobt sich voll aus und macht Watchmen damit zu einem Kino-Erlebnis der Spitzenklasse. Die Brutalität und Verdorbenheit der Protagonisten mag nichts für Zartbesaitete sein, ist aber erstens aus Gründen der Werktreue gegenüber der Comicvorlage unverzichtbar und passt zweites wie die Faust aufs Auge zur abgründigen Atmosphäre des Films.

Der Zuschauer muss sich neben der beeindruckenden Bilderwelt allerdings auch auf eine hoch komplexe Handlung konzentrieren, die von Zeitsprüngen durchsetzt ist. Schwierig, all das unter einen Hut zu kriegen. Wer ohne Vorkenntnisse ins Kino geht, könnte leicht überfordert sein. Aber Watchmen lohnt sich auf jeden Fall, zur Not muss man ihn halt zwei Mal sehen, um auch wirklich alles mitzukriegen. Hervorragend besetzt und spektakulär umgesetzt. Snyder beweist, dass die Watchmen nicht nur als Comic, sondern auch auf der Kinoleinwand das Publikum begeistern können.

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