Was machen Punks in einem Sandalenfilm?

Was machen Punks in einem Sandalenfilm?

3 von 5 Punkten

Sandalenfilme sind spätestens seit '300' und 'Troja' wieder angesagt, und wir haben uns gefreut, dass sich mit Kevin Macdonald ('Der letzte König von Schottland', 'State Of Play') ein inspirierter Filmemacher des Genres angenommen hat. Mit Channing Tatum und Jamie Bell steckt er zwei schmucke Jungs in Rüstung und Röckchen, aber leider wird seine zunächst stimmungsvolle Odyssee durch das Regenloch Nordengland in der zweiten Hälfte unfreiwillig komisch.

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Dabei fängt alles so schön an. Unser Held Markus Aquila (Channing Tatum, seit 'Step Up', 'Fighting' und 'Das Leuchten der Stille' stets gefühlt vor dem großen Durchbruch), erlebt einen militärischen Sieg und eine persönliche Niederlage. Als Befehlshaber einer kleinen römischen Besatzungszone im Südwesten Englands verteidigt er im Jahr 140 nach Christus erfolgreich seine Festung, wird jedoch schwer verletzt und deshalb in Ehren aus der Armee entlassen. Das passt dem jungen Heißsporn gar nicht, wollte er doch die Familienehre wieder herstellen.

Auf dem guten Ruf seiner Sippe liegt belastend das Verschwinden seines Vaters, der vor 20 Jahren mit der 5.000 Mann starken Neunten Legion und ihrem goldenen Adler nach Nordengland zog und dort spurlos im Nebel verschwand. Gesundheitlich angeschlagen macht sich Marcus ohne Heer auf, jenseits des Hadrianswalls nach dem Verbleib seines Vaters zu forschen - begleitet nur von dem einheimischen Sklaven Esca (Jamie Bell, der mit diesem Streifen endlich sein Bubi-Image aus 'Billy Elliott' abschütteln kann), den er in der Arena vor dem sicheren Tod gerettet hat. Doch kann Esca, dem die Römer übel mitgespielt haben, seinem neuen Herrn gegenüber wirklich loyal sein?

Ab hier heißt es: Sandalenfilm ade, denn der schottische Regisseur lässt die beiden ungleichen Protagonisten in Zivil ausreiten. Das heißt so viel wie: Zwei Jungs zu Pferd in groben Stoffdecken im strömenden Regen. Das ist vermutlich auch authentisch, und der schwelende Konflikt zwischen den beiden jungen Männern sowie die gespenstische und doch wunderschön fotografierte Landschaft halten den Zuschauer eine Weile bei der Stange.

Doch dann wird’s einfach unglaubwürdig. Während die Dorfbewohner in den Highlands wie zahnlose Penner aussehen, schauen unsere beiden Jungs immer eine Spur zu adrett aus, auch wenn wir mit ansehen müssen, wie sie eine Ratte verspeisen, und zwar mangels Grillfeuer gehäutet und roh. Als sie dann auf den so genannten Robbenprinzen (Tahar Rahim) und seine Leute stoßen, die ihre Widersacher fürs wieder kämpferischere Finale werden, muss man einfach nur noch lachen. Die Eingeborenen, die mit ihren weiß geschminkten Gesichtern und ihren wilden Klamotten aussehen wie eine Mischung aus australischen Aborigines und den ersten Britpunks sind einfach unfreiwillig komisch.

Channing Tatum ist damit leicht überfordert, seinem Marcus Tiefe zu verleihen. Das macht zum Glück Jamie Bell wieder wett, der seinen Sklaven Esca schön zwiespältig anlegt und einfach der bessere Schauspieler ist. Die Kampfszenen erfinden das Genre sicher nicht neu, sind aber solide inszeniert, wenngleich sie am Anfang deutlich inspirierter wirken. So ist der Film nur in der ersten Hälfte wirklich eine Freude für Fans des Genres, während im zweiten Teil eher Freunde konventioneller Actionkost bedient werden.

Von Mireilla Zirpins

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