Walter Sittler: Darum protestiert er nicht mehr so

Walter Sittler: Darum protestiert er nicht mehr so
In dem historischen Liebesfilm "Das Goldene Ufer" (5.4., 20.15 Uhr, ZDF) spielt Walter Sittler Heinrich von Rennitz, der sich wünscht, dass sein Sohn die Tochter des Grafen heiratet © ZDF/Martin Spelda

Vor einigen Jahren war Walter Sittler (62, "Nikola") häufig in den Nachrichten. Damals ging es allerdings nicht um ein Filmprojekt, sondern um den Protest gegen "Stuttgart 21". Warum er es so nicht nochmal machen würde, erklärt er im Interview mit spot on news. Außerdem verrät der Schauspieler die Zutaten für eine gelungene Dankesrede bei einer Preisverleihung, wie sie beispielsweise George Clooney halten würde.

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Ist "Stuttgart 21" Geschichte?

Sie haben einen Grimme-Preis und zweimal den Deutschen Fernsehpreis bekommen. Was hat sich danach für Sie verändert?

Walter Sittler: Nichts. Ich bekomme gerne Preise. Eine Anerkennung von der Branche ist einfach schön. Ich vergebe aber auch sehr gerne welche. Mit großem Vergnügen halte ich Laudationes auf Kollegen.


Interessieren Sie sich für Preisverleihungen wie die Oscars?

Sittler: Ja, vor allem schaue ich mir gern die Reden an, weil man dabei lernen kann, wie es geht und wie es nicht geht. Man sollte zum Beispiel nicht auf die Bühne gehen und sagen: "Ich hab überhaupt nicht damit gerechnet." Das kann ja gar nicht stimmen, weil man eingeladen und nominiert worden ist. Das weiß man.


Wie wird die Rede gut?

Sittler: Nonchalance, Lässigkeit und Kürze sind die Zauberworte für eine gute Dankesrede. Selbst wenn man für ein großes Drama einen Preis bekommt, muss man nicht mit todernstem Gesicht auf der Bühne stehen. Ein Preis ist ein Preis. Das ist ein Geschenk.


Was ist ein Beispiel für eine gute Rede?

Sittler: "Es war ein ganz wichtiger Film. Vielen Dank, dass wir den Preis dafür bekommen haben. Schaut ihn euch an. Dankeschön. Auf Wiedersehen." So etwas gefällt mir. Du hast es ja schon geschafft, die Jury zu rühren, sonst würdest du den Preis nicht bekommen, du musst sie mit der Rede nicht nochmal rühren.


Wer hält besonders gute Reden?

Sittler: George Clooney und Brad Pitt machen das besonders gut, muss ich sagen. Die nehmen das auch nicht so ernst.


Preisverdächtig war seinerzeit auch Ihr Engagement beim Bürgerprotest gegen das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21". Würden Sie es wieder so machen?

Sittler: Ich würde es wieder machen, aber nicht so, sondern besser. Ich würde mich im Vorfeld mehr mit Gleichgesinnten besprechen und Aktionen besser planen, um Fehler zu vermeiden. Grundsätzlich bin ich aber auch hier immer noch dabei. Ich trete nur nicht mehr so auf, weil das Projekt jetzt läuft und wir es als Gegner nicht mehr verhindern können. Dafür verhindert es sich möglicherweise selbst: Die Probleme, auf die wir im Vorfeld hingewiesen haben, sind allesamt eingetreten. Aber das war ja klar.


Was halten Sie von den Anti-Pegida-Demos, bei denen ja auch viele Künstler mitmachen?

Sittler: Pegida funktioniert in Stuttgart nicht. Hier leben 170 Nationen und dementsprechend würde kaum jemand kommen. Ich glaube aber auch generell, dass die Pegida in Auflösung begriffen ist, weil sie überhaupt keinen Inhalt hat. Sie spielt mit durchaus nachvollziehbaren Angstgefühlen, aber die Richtung ist gänzlich falsch. Wenn ich schon lese "Kartoffeln statt Döner", kann ich nur mit dem Kopf schütteln, weil ja niemand verbietet, so viele Kartoffeln zu kaufen, wie man nur will. Das ist einfach ein bisschen zu dünn.


Die Proteste in München sind teilweise richtig lustig. Kann man mit Spaß dagegen ankommen?

Sittler: Da der Inhalt so dünn ist, muss man das mit Spaß machen, einfach um zu zeigen, wie absurd die Forderungen sind. 99 Prozent der Muslime, die in Deutschland leben, sind freundliche, friedliebende, gute Leute. Und die paar Extremisten auf allen Seiten muss eine Demokratie einfach aushalten. Kabarett und Sarkasmus sind die passende Antwort.

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