'Wall Street - Money Never Sleeps': Kleinere Handys, weniger Sex

'Wall Street 2': Michael Douglas ist zurück als Gordon Gekko

'Wall Street - Money Never Sleeps': Kleinere Handys, weniger Sex

Die älteren von uns erinnern sich, wie Michael Douglas 1987 in 'Wall Street' einen neuen Typ Film-Bösewicht erschuf: den geleckten und gegelten Hosenträger-Zyniker Gordon Gekko. War er für die einen mit seiner selbstgefälligen Art unerträglicher als manches Horrorfilm-Monster, wurde er von einer ganzen Generation von BWL-Studenten zum Role Model erkoren - und nicht der als Identifikationsfigur gedachte Charlie Sheen alias Bud Fox.

22 Jahre später ist Gekko zurück, denn Oliver Stone hat beschlossen, seine Geschichte weiterzuspinnen und Michael Douglas erneut für den Part gewonnen. Der Zusammenbruch der Finanzmärkte hat ihn zu einer neuen und doch gar nicht so anderen Schüler-Mentor-Story inspiriert. Gordon Gekko hat mittlerweile eine achtjährige Haftstrafe wegen Betrugs, Geldwäsche und Insiderhandels abgesessen. Als er 2001 unrasiert und ohne Gel in den Haaren auscheckt aus dem Knast, legt der Sicherheitsbeamte ihm seine Yuppie-Habseligkeiten von damals auf den Tresen: ein "Geld-Clip ohne Geld“, wie der Wärter sarkastisch betont, und ein älteres Modell Mobiltelefon, groß wie ein Unterarmknochen.

Eine punktgenaue Wiedereinführung einer Figur. Fortan läuft es auch nicht gerade gut für Gekko. Keiner kommt ihn bei der Entlassung abholen. Die Stretchlimo sammelt einen Rapper-Typen ein, seine eigene Tochter Winnie (Carey Mulligan) hat mit ihm gebrochen, sieht sie in ihrem Vater doch den Verantwortlichen für den Crack-Tod ihres Bruders. Die engagierte Öko-Online-Journalistin hat zwar einen Hass auf die ganze Banker-Bande ihres Vaters, ist aber selbst mit einem Wall-Street-Typen liiert. Jake Moore (Shia LaBeouf, seit den Dreharbeiten auch privat der Freund von Carey Mulligan) ist immerhin einer von den "Guten“ in der Branche. Er setzt auf Fonds mit erneuerbaren Energien.

- Anzeige -

'Wall Street 2': Funktioniert als Familienunterhaltung, hat aber leider kein Kultpotenzial

Doch auch er hat das Zocker-Gen und verliert eine Menge Kohle, als sein Chef (hübsch depressiv: Frank Langella) und dessen Firma von Kredithaien in den Bankrott getrieben wird. Um sich zu rächen, heuert er beim Feind (Josh Brolin überzeugt als neureicher Bankier Bretton James) an. Da wird er auf Gordon Gekko aufmerksam, der einen eigentlich recht peinlichen Vortrag an Jakes alter Uni hält und dort sein Buch "Ist Gier gut?“, dessen Titel einen seiner Leitsätze aus Teil 1 in Frage stellt, präsentiert. Jake nimmt Kontakt auf, möchte er doch seine Freundin mit ihrem Vater versöhnen - und einen guten Rat abstauben. Wer Gordon Gekko kennt, weiß, dass er nichts umsonst macht. Und so darf man gespannt abwarten, was er nun gegen wen im Schilde führt oder ob er tatsächlich zu einem zahnlosen Tiger mit Familiensinn geworden ist.

Keine Frage, der Film ist unterhaltsam, auch wenn Michael Douglas hier nicht ganz so aus sich heraus gehen darf wie im Vorgänger. Carey Mulligan ist als Gutmensch ein bisschen unterfordert, schmollt aber süß. Dem milchgesichtigen Shia LaBeouf hingegen kauft man den gewieften Banker nicht ganz ab, obwohl er nicht schlecht spielt.

Stones Ansinnen, die komplexen wirtschaftlichen Schiebereien über die Dialogebene hinaus mit einer Art "Power Point“-Einblendungen zu veranschaulichen, wirkt oft so bemüht wie die Infografiken bei "Börse im Ersten“. Nur einmal gelingt’s richtig schön: Da verläuft die Kurs einer Aktie so im Zickzack wie die Türme der Tower Bridge, die einen Schauplatzwechsel nach London einleitet. Geht doch, aber eben nicht immer. Die am Anfang sehr präzise gezeichnete Story driftet nach hinten hin leider in Drehbuchklischees ab, die Stone bei dem Stoff gar nicht nötig gehabt hätte - Versöhnungs- und Trennungsszenen und eine Schwangerschaft. Das ist nun wahrlich nichts Neues.

In harten Zeiten wie diesen geht es nicht nur ans Eingemachte, sondern um Werte, Nachhaltigkeit und Familie. Sex, Macht und Macho-Sprüche, also alles, was den ersten Film ausmachte, sucht man hier vergeblich. Ob das die richtige Kost ist für die einstige Fangemeinde von Gekkos Alpha-Börsianer-Gehabe? Als Familienunterhaltung funktioniert 'Wall Street 2' ganz gut, Kult-Potenzial hat er nicht.

Von Mireilla Zirpins

— ANZEIGE —