Von der Schönheit der Finsternis

Florence Welch über ihr neues Album und ihren Mode-Tick
Florence Welch über ihr neues Album und ihren Mode-Tick

Florence + the Machine im Interview Teil 1

Große Songs, eine gute Portion Pathos und neben Lady Gaga wohl die ausgefallensten Bühnen-Outfits im Musikgeschäft: Die britische Indie-Band "Florence + the Machine" veröffentlichte 2011 ihr zweites Album "Ceremonials" bei ihrer Deutschland-Tour haben wir Frontfrau Florence Welch zum Interview getroffen.

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Von Alexander Möllmann

Dein neues Album „Ceremonials“ kam letztes Jahr raus und man merkt sofort, dass es düsterer ist als der Vorgänger „Lungs“. Warum gab es diese Entwicklung?

Florence Welch: Das ist lustig: Manche Leute sagen, dass es ein dunkleres Album ist und wieder andere sind der Meinung, dass es fröhlicher ist. Ich glaube, es kommt immer auf die Person an und in welcher Situation sie sich das Album anhört. Ich persönlich glaube auch, dass es relativ düster geworden ist, allerdings haben viele Songs eine positive Message, wie zum Beispiel „Spectrum“ oder „Shake it out“ auch wenn so viel Finsternis in „Shake it out“ verborgen liegt. Für mich war es wichtig, eine Gratwanderung zu vollziehen. Die Musik der neuen Songs ist zwar oft fröhlich, doch die Texte sind es im Gegensatz dazu nur selten. Es ist ein sehr persönliches Album geworden.

Diese Gegensätze werden bei Songs wie „Seven Devils“ und „All this and Heaven too“ ja besonders deutlich. Wie entsteht bei dir so viel Dunkelheit in einem Song?

Welch: Manchmal kannst du es dir nicht aussuchen, ob du einen dunklen Song schreiben willst – das macht die Musik für dich. Ich habe einige Akkorde gespielt und auf einmal kam mir dieser Choral „Seven devils all around you“ in den Kopf. Das kommt einer Übersetzung gleich: Wenn die Töne dunkel sind, werfen sie auch dunkle Bilder auf. Ähnlich war es bei „Shake it out“, trotz des traurigen Textes ist der Song ein Angebot, sich vollkommen von der Musik überwältigen zu lassen.

Steht hinter diesen Gegensätzen ein Konzept?

Welch: „Ceremonials“ ist ein Album voller Konflikte: Willst du Geborgenheit oder Freiheit; glücklich sein oder die tiefste Trauer; brauchst du das Chaos oder die ultimative Lösung aller Probleme? Ich glaube, es geht einfach darum, dass auch wir erst Mitte 20 sind (lacht).

"Wir wollten kirchenähnliche Musik machen"

Copyright: Universal Music
Dunkelheit und innere Konflikte bestimmen das zweite Album

Präsentierst du diese persönlichen Songs auf der Bühne lieber mit der ganzen Band oder einem sparsamen Akustik-Set?

Welch: Wir versuchen es so ausgewogen wie möglich zu halten. Während der Show brechen wir die Performance auf ein Minimal-Arrangement herunter; es ist mir wichtig, dass jeder Auftritt sowohl Licht und Schatten hat. Die Songs klingen oft monumental und es ist notwendig, dass man auch ein paar ruhigere Teile einbaut; aber eine wirkliche Vorliebe habe ich dabei nicht.

Deine Songs sind im Lauf der Jahre um einiges komplexer geworden: Du benutzt außergewöhnliche Instrumente wie Orgeln oder setzt ganze Chöre ein. Wie kommst du auf solche Arrangements?

Welch: Ich glaube die Songs an sich waren schon immer recht kompliziert. Wir wollten Musik machen, die einen total überwältigt und dazu müssen die Songs so groß wie möglich sein. Damit haben wir allerdings auch immer unsere Ton-Ingenieure in den Wahnsinn getrieben. Die Computer konnten unsere Aufnahmen nie verarbeiten und sind während des Mischens immer abgestürzt. Selbst die Ingenieure in den Abbey-Road-Studios konnten das nicht (lacht). Am Ende standen wir da mit unserem 60-köpfigen Chor und dachten uns: Oh mein Gott, was haben wir nur getan.

Bei „Cosmic Love“ setzt du zum Beispiel Harfen ein.

Welch: Diese Harfen-Geschichte kommt eigentlich daher, dass wir mit Keyboard-Sounds herumexperimentiert haben; zunächst mit den Harfen, dann mit der Orgel. Hinzu kam, dass unser Produzent Paul Epworth diese unglaubliche Orgel in seinem Studio stehen hatte und dann haben wir einfach ein bisschen darauf rumgespielt. Ich glaube das ist ein ganz guter Weg zu beschreiben, wie wir Musik machen: Wir nehmen einfach die Instrumente, die grade vorhanden sind.

Letztendlich klingt das Album sehr sakral. War das gewollt?

Welch: Ja, auf jeden Fall. Wir wollten alles aus den Songs herausholen und wirklich kirchenähnliche Musik machen. Die Orgel und die Harfe halten das gesamte Album zusammen und sorgen für diesen geradezu ehrfürchtigen Sound.

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