Von Blut, Brüsten und bösen Bossen – ‚Machete‘

Von Blut, Brüsten und bösen Bossen – ‚Machete‘

Zimperliche Gemüter waren bei Tarantino-Busenfreund Robert Rodriguez (‚From Dusk Till Dawn’, „Planet Terror’) schon immer Fehl am Platze. Diesem Ruf macht er schon im Vorspiel zu seinem neuen Action-Streifen ‚Machete’ wieder alle Ehre. Da verbirgt ein nacktes Mädchen ein Mobiltelefon in seiner Vagina und wird wenige Sekunden später fies dahingemeuchelt. Und wir müssen mit dem Titelhelden (Tattoo-Wunder Danny Trejo, der als Hauptdarsteller mal eine hervorragende Performance hinlegt) dabei zusehen, wie Bösewicht Torrez Machetes Frau enthauptet – wahrlich kein schöner Anblick. Kein Wunder, dass Machete, ein beinharter mexikanischer Bundesagent, auf Rache sinnt.

Deshalb taucht er zunächst in Texas unter und existiert nur noch als Mythos. Dummerweise ist aber in dem US-Bundestaat an der mexikanischen Grenze gerade die Hölle los, denn der extrem rechte Senator John McLaughlin (von Robert De Niro mit einer brillant karikativen Perversion gespielt) will wiedergewählt werden, damit er zwischen den USA und Mexiko einen Elektrozaun errichten kann, der lateinamerikanische Einwanderer von nordamerikanischem Boden fernhält. Als Michel Booth (Jeff Fahey) den abgebrüht coolen Machete auf der Straße bei einem Kampf beobachtet, ist für ihn klar, dass er in ihm den Mann gefunden hat, der den Senator für 150.000 Dollar cash umbringen soll.

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Von Blut, Brüsten und bösen Bossen – ‚Machete‘

Was der messerschwingende Haudegen allerdings nicht weiß, ist, dass er mal wieder reingelegt wurde und Booth mit dem Senator unter einer Decke steckt. Nachdem Machete beim inszenierten Attentatszenario selbst verletzt wird, taucht der Ex-Cop erneut ab und sinnt nach Rache und Gerechtigkeit, denn wie es schon der Fake-Trailer kaum passender hätte ausdrücken können: „They just fucked with the wrong Mexican!“

Das äußert sich natürlich in absolut brutaler, bizarr übersteigerter, aber dennoch einfach cooler Action, ganz nach den Beispielen dreckiger 70er Jahre Exploitationmovies, denen hier mit liebevollen Zitaten Tribut gezollt wird. Da werden menschliche Eingeweide benutzt, um sich aus dem Fenster zu schwingen, allerlei spitze Haushaltsgegenstände finden ihren Weg in einen feindlichen Schädel, oder unser Held schießt mit einer Knarre herum an der noch die Hand des Vorbesitzers hängt, die er ihm im Vorbeigehen mit seiner Machete einfach absäbelt – um nur einige der abgefahrenen Szenen zu nennen, die dem Zuschauer mit viel knallrot sprühendem Kunstblut präsentiert werden.

Das Ganze wird abgerundet von einem prominenten Cast, der sich wirklich sehen lassen kann. Neben einem ausgezeichneten De Niro und einem authentisch abgebrühten Trejo machen vor allem – wie es sich für einen echten Rodriguez gehört – die sexy Frauen mit kanppen Klamotten und schnellen Geschützen eine gute Figur. Unter ihnen Michelle Rodriguez, die als Taco-Verkäuferin Luz aka Revolutionskämpferin Shé (die Anlehnung an Ché Guevara ist offensichtlich) aufdreht und mit ihrer Darstellung sogar Jessica Alba die Show stiehlt, obwohl letztere sich sogar nackt unter die Dusche traut. Aber auch sie scheint in der Rolle als Agentin der Einwanderungsbehörde ziemlich viel Spaß gehabt zu haben. Frau Alba beweist souverän, dass man mit High-Heels mehr machen kann als nur gut darin auszusehen.

Die einzige Figur, die irgendwie fehl am Platz scheint, ist Lindsay Lohans April. Als ständig zugedröhnte und meisten nackte Tochter Booths scheint sie nur die Aufgabe zu haben, durch bloße Selbstparodie komisch zu sein (an sich ja ganz nett) und zu unterstreichen, dass alle (!) heißen Frauen Machete zu Füßen liegen – also auch April inklusive Mama June (Alicia Marek). Später mit Pumpgun im Nonnenkostüm versprüht Lohan leider dennoch nicht halb so viel Ausstrahlung und Charisma wie ihre übrigen Kolleginnen. Wenigstens ist es äußerst amüsant, den eiskalten Geschäftsmann Booth auch mal als cholerischen Daddy in Action zu erleben.

Der mexikanische Draufgänger mit der Machete wurde dem breiten Publikum bekannt, als Rodriguez für das Grindhouse-Doublefeature (bestehend aus ‚Death Proof‘ von Tarantino und ‚Planet Terror‘ von Rodriguez) einen Trailer drehte, zu dem es noch gar keinen Film gab. Die Geschichte um den Latinohelden spukte dem texanischen Regisseur allerdings schon im Kopf herum, seit er mit Antonio Banderas als Hauptdarsteller ‚Desperados‘ drehte. Allerdings hinterließ Danny Trejo, der nur eine Nebenrolle spielte, bei mexikanischen Anwohnern einen so bleibenden Eindruck, dass Rodriguez seine Idee mit ihm in der Hauptrolle verfilmen wollte.

Lange Zeit wurde daraus allerdings nichts. Bis die ewige Nebenrolle Trejo seinem Kumpel so lange damit in den Ohren lag, das Projekt zu verwirklichen, dass Rodriguez seinen berüchtigten Trailer drehte. Klar, dass spätestens dann auch die Fanstimmen laut wurden und der kleine Gag so schnell an Kultstatus erlangt hatte, dass auch Rodriguez einsehen musste, dass es nun endlich an der Zeit war, seinen ‚Machete‘ auf die Lichtspielhäuser dieser Welt loszulassen. Gut für uns, denn für eine spannende Story gepaart mit ausdrucksstarken Darstellern, knackigen Onelinern, spaßiger Action und viel nackter Haut lohnt sich der Kinobesuch allemal. Und auch wenn der Showdown kaum noch Überraschungen bietet, dürfen wir uns freuen, dass es im Abspann heißt „Machete will return. In ‚Machete Kills‘ and ‚Machete Kills Again‘“

Von Mihaela Gladovic

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