Volker Keidel: Schlank dank HSV!

Volker Keidel: Schlank dank HSV!
Volker Keidel unterwegs; das Resultat: "Mein Ditmar Jakobsweg - 875 km für den HSV" © Werkstatt-verlag.de

"Ich bin dann auch mal weg", sagt Autor und Buchhändler Volker Keidel (45) im Sommer 2014 sinngemäß zu seiner Frau, den beiden Kindern und der Chefin und startet vom Münchner Marienplatz aus seinen Fußmarsch gen Norden, genauer gesagt 875 km nach Hamburg. Das Ziel: Dem HSV am ersten Heimspieltag der neuen Bundesligasaison im Stadion die Meisterschale überreichen. Natürlich nicht die echte, sondern eine Replik. Damit verknüpft ist allerdings schon die Hoffnung, der Fußballverein möge das Original zu Keidels Lebzeiten wenigstens noch einmal gewinnen.

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Auf dem "Ditmar Jakobsweg"

Auf dem langen Trip, seinem ganz persönlichen "Roadmovie", führt er eine Art Tagebuch. Nachzulesen ist das jetzt auch in dem Buch "Mein Ditmar Jakobsweg - 875 km für den HSV" (Verlag Die Werkstatt). Und nein, es geht nicht nur um Fußball, sondern auch um die vorwiegend weiblichen Dauerthemen Zu-dick-fühlen und Abnehmen: Bei Keidel sind es laut eigenen Angaben satte sechs Kilo, die nach der Tour runter waren. Und das, obwohl auch seine andere große Leidenschaft, das Bier, ausreichend Platz findet in Magen, Blog und Buch:


Mal endet eine Tages-Etappe genau zwischen zwei Brauereien - "ein Wink des Schicksals". Während der anstrengenden Phasen ist er dann schon mal so durstig, dass er "ein lauwarmes Wasser einem eiskalten Pils vorgezogen hätte". Sehr beeindruckend ist demnach auch ein Beamter, "der sich wohl in der Zeit vertan hatte", beim Aufbruch steht noch ein volles Weißbier am Tisch. Die Lösung: Er trinkt es auf Ex. "Das Krasseste an der Nummer" ist für Keidel die Reaktion seiner Kollegen: "Sie reagierten nicht."


Begegnung mit Bambi

Am sechsten Tag erlebt der Wahl-Münchner zwischen Sindersdorf und Schwabach dann mal "was für's Herz": Am Waldrand kommt ihm ein junges Reh entgegen. "Als es zehn Meter vor mir stehen bleibt und mich grimmig anschaut, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Vor meinem Auge sehe ich die Schlagzeile. 'Tapferer Wandersmann von Kitz zerfleischt!'", beschreibt er die Begegnung. Mit einem beherzten "Karamba!" kann er das Tier in die Flucht schlagen. "Ich komme mir selbst etwas mädchenhaft vor, aber wer wie ich als Kind 'Aktenzeichen XY' schauen durfte, wird wohl nie ganz ohne Ängste leben können", so sein Kommentar.


Ur-Münchner mit HSV-Fliese

Im Laufe der 31 Tage dauernden Reise gesellt sich immer wieder ein Wanderkumpane hinzu, so einmal auch ein Freund aus München, den er aus aktiven Fußballvereinszeiten kennt. "Sensationellerweise findet Steini als Ur-Münchner den HSV gut. So gut, dass er sich das HSV-Logo in die Küche fliesen ließ. Ein überragender Typ", so die Beschreibung des Mannes, der einen Tag mitgeht. Beim Eintreffen trägt er ein Deutschland-Trikot, "für die Wanderung macht er sich extrahübsch und zieht ein Löwen-Trikot an", beschreibt Keidel. Für ihn sei das okay, "schließlich sind die 60er noch schlechter als wir [HSV]".


Die Ankunft im Volksparkstadion

Der 31. Tag: Gegen 13 Uhr wird er am Stadion erwartet. "Den letzten Kilometer genieße ich. Gleich wird der Jakobsweg geschafft sein. Wir biegen um eine Kurve, und unter einer Brücke durch kann ich das Stadion sehen. Ein Schauder läuft durch meinen ganzen Körper, ich umarme Breiti [ein anderer Wandergenosse]", beschreibt er den Moment, an dem er nach einem Monat und 875 Kilometern endlich angekommen ist. "Tatsächlich stehen mir Tränen in den Augen", da ist er allerdings schon im Stadion und da hat er das Date mit Lokalgröße Lotto King Karl (48, "Hamburg meine Perle") auf der Hebebühne vor der Nordkurve noch vor sich...


Und wer ist jetzt dieser Ditmar Jakobs?

Der gebürtige Oberhausener spielte von 1979 bis 1989 beim HSV und von 1980 und 1986 in der deutschen Fußballnationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko wurde der heute 61-Jährige mit seinen Kollegen Vizeweltmeister. So viel zum bewegten Leben des Mannes, dem nun auch ein Buch gewidmet ist. Wer nicht genug bekommen kann vom wilden Leben des gebürtigen Würzburgers Volker Keidel, der kann seinen Durst vorerst mit den Vorgängerwerken "Bierquälerei: Zum Feiern zu alt, zum Sterben zu jung" (2013) und "Das Wunder von Bernd: Geschichten von der Ersatzbank" (2014) löschen. Fortsetzung folgt.

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