Wer will schon Paris als die Päpstin sehen?
Interview: Sebastian Schmidt
Waren Sie zu den Dreharbeiten in Deutschland?
Ja. Gott, hat das Spaß gemacht! Ich war eine Woche in der unglaublichen kleinen Stadt Querfurt. Ich hätte nicht geglaubt, dass Orte wie diese noch existieren könnten. Und ich schätze es liegt daran, dass sie in der damaligen DDR lagen und sich die Strukturen deshalb erhalten haben. Es war, als hätte ich eine Reise in die Vergangenheit unternommen. Wenn man seine Texte in einem dunklen, verlassenen Arbeitszimmer schreibt, fragt man sich, ob das Sinn ergibt oder überhaupt jemals veröffentlicht wird. Doch dann stehe ich da auf einmal am Set, Sönke Wortmann ruft ’Action!’, und hunderte Menschen und ein paar Schweine rennen los - alles nur, weil ich damals in meinem stillen Kämmerlein gesessen habe.
Haben Sie einige Worte, die Sie geschrieben haben, auch in den Filmszenen wiedererkannt?
Ja, natürlich. In einer Marktszene sagt Gerold zu Johanna: “Vielleicht könnten wir es zusammen bauen.“ Und ich erinnerte mich am Set sofort daran, wie ich es niedergeschrieben habe. Ich mochte generell die Szenen zwischen Johanna und Gerold sehr gern, weil sie Grundsatzfragen thematisieren. Welche Opfer bringt eine Frau, auch heute noch, z.B. um Richterin am Obersten Gerichtshof zu werden oder für Liebe und Familie? Das sind Fragen, die uns schon lange umtreiben.

