Vier Fragen zum Kölner "Tatort: Wacht am Rhein"

Vier Fragen zum Kölner "Tatort: Wacht am Rhein"
Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, r.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) untersuchen den Tatort © WDR/Thomas Kost, SpotOn

Darf man Bürgerwehren gründen?

Nach der Silvesternacht von 2015 liegen bei vielen Kölnern die Nerven blank. Man vertraut der Polizei nur noch bedingt und fühlt sich bedroht. Auch wenn die Gefahr oft nicht real ist, organisieren sich teilweise Bürgerwehren, um die Straßen vermeintlich sicherer zu machen. Diese brisante Thematik greift der neueste Kölner "Tatort" mit viel Fingerspitzengefühl auf und lässt dennoch die eine oder andere Frage unbeantwortet.

Sind Bürgerwehren in Deutschland nicht verboten?

Ein nachbarlicher Zusammenschluss von Bürgern etwa ist natürlich zunächst einmal nicht verboten. Allerdings dürfen sogenannte Bürgerwehren sich nicht bewaffnen. Dann wird aus so einem harmlosen Zusammenschluss eine bewaffnete Gruppe. Und das ist lautParagraf 127 Strafgesetzbuch strengstens verboten. Auch das Durchsuchen von Personen oder die Feststellung von Identitäten sind nicht erlaubt - das ist ausschließlich Aufgabe des Staates beziehungsweise der Polizei. Bürgerwehren begeben sich somit fast immer auf juristisches Glatteis, verboten sind sie hingegen nicht.

Gibt es in der letzten Zeit wirklich mehr Bürgerwehren in Deutschland?

Die Bundesländer melden in der Tat seit einem guten Jahr immer wieder die Gründungen von Bürgerwehren. Besonders nach den Ereignissen der Silvesternacht 2015 in Köln gewann die Entwicklung an Dynamik. Ein Vorfall im sächsischen Arnsdorf brachte es im Mai 2016 zu trauriger Berühmtheit: Ein Streit um eine leere Telefonkarte in einem Supermarkt zwischen einem Asylbewerber und Angestellten eskalierte. Anschließend griffen Mitglieder einer vermeintlichen Bürgerwehr ein und fesselten den 21-jährigen, psychisch kranken Iraker mit Kabelbindern an einen Baum.

Wer ist dieser ominöse Saxophon-Spieler?

Nach über 40 Jahren und mehr als 1.000 Folgen hat der Komponist der "Tatort"-Titelmelodie erstmals einen Auftritt in der Krimireihe: In einer Szene ist Klaus Doldinger als Straßenmusiker zu sehen - und zu hören. Auf dem Saxofon spielt er eine Jazz-Version der "Tatort"-Melodie, gerade in dem Moment, als Ballauf und Schenk an ihm vorbeigehen. "Ich spiele mich selbst", erklärte Doldinger seinen Gastauftritt. Der inzwischen 80-jährige Jazzmusiker hatte die bekannte Melodie 1970 komponiert und eingespielt (übrigens mit Udo Lindenberg am Schlagzeug). Er komponierte viele weitere bekannte Titelmelodien zu Filmen wie "Das Boot" und "Die unendliche Geschichte" sowie zu Serien wie "Liebling Kreuzberg" und "Ein Fall für Zwei". Dietmar Bär zu dem Kurzauftritt: "Ich bin stolz wie Bolle. Das ist ein Super-Coup, den die Redaktion beim WDR da gelandet hat!"

Ist der Hauptverdächtige auch im echten Leben ein Flüchtling?

Nein! Samy Abdel Fattah verkörpert den jungen, kriminellen Flüchtling Khalid Hamidi. Doch Fattah selbst wurde in Berlin geboren. Er hat polnische und ägyptische Wurzeln und steht stellvertretend für das moderne Deutschland. Im Interview mit dem "Kölner Express" sagte der 18-Jährige: "Ich mag es, anders zu sein. Das ist so ein Mischmasch, einfach was anderes und interessant. Es ist schön, nicht der typische Deutsche zu sein." Seine erste Rolle spielte er übrigens bereits 2012 im Fernsehfilm "Jeder Tag zählt".

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