Vier Brüste für ein Halleluja - Bandidas Filmkritik

Vier Brüste für ein Halleluja - Bandidas Filmkritik
© dpa/dpaweb, A2609 epa efe 20th Century Fox/Handout

Erstmals standen Hollywoods schönste spanischsprachige Kurvenwunder, die Busenfreundinnen Salma Hayek und Penélope Cruz, gemeinsam vor der Kamera. Die Westernkomödie um zwei resolute Mexikanerinnen, die sich für einen guten Zweck bis unter die Zähne bewaffnen und es mit einer skrupellosen Räuberbande aufnehmen, erinnert stark an Louis Malles „Viva Maria!“, ohne jedoch ein Remake zu sein.

Die appetitlichen Latinas in den Rollen von Jeanne Moreau und Brigitte Bardot nach einem Drehbuch von Luc Besson („Das fünfte Element“)? Das lässt hoffen. Doch während Malles Westernparodie in den 1960ern noch eine umstrittene Revolutionsrevue war, die nicht nur die Männerdomäne des Western auf den Kopf stellte, sondern frech mit satirischen und poppigen Anleihen aus anderen Genres mischte, ist „Bandidas“ vor allem eins: familientaugliche Unterhaltung, die weder innovativ noch inspiriert inszeniert ist.

Die Story ist aus allerlei bekannten Filmen und Klassikern verschiedener Genres bunt zusammengeklaubt: Die etwas einfältige, aber herzensgute Dorfschönheit Maria (Penélope Cruz) und die gebildete und schlagfertige Sara (Salma Hayek) lernen sich im Mexiko des Jahres 1880 kennen, als sie etwas dilettantisch dieselbe Bank überfallen. Nach anfänglichem Zickenkrieg werden die Bauern- und die Bürgerstochter beste Freundinnen, haben sie doch den gleichen Feind.

Der skrupellose Spekulant Tyler Jackson (Dwight Yoakam) nämlich will eine Eisenbahntrasse durch Mexiko bauen und enteignet die arme Bevölkerung. Auch die Ländereien von Saras und Marias Vätern waren ihm im Weg, und so hat er einen brutalen Anschlag auf seine beiden störrischen Gegner unternommen. Wie hätten sich ein Robin Hood oder ein Zorro an einem solchen Großinvestor adäquat gerächt? Sie hätten vermutlich dessen Banken systematisch ausgeraubt und mit der Kohle in Mexiko die Revolution angezettelt.

Genau das ist auch der Plan der beiden auf Vergeltung sinnenden Damen, die mit Reifrock und Mieder den Kampf gegen die raffgierigen Schurken aufnehmen. Doch auch beim Verbrechen gilt: Gutes Aussehen allein genügt nicht. Und so müssen die beiden kampflustigen Ladies auf Anraten ihres bodenständigen Priesters erst mal die harte Schule des berüchtigten Bankräubers Bill Buck (Sam Shepard) durchlaufen.

Den treibt das ungleiche Gespann fast zum Wahnsinn. Während sich die eine hauptsächlich um kosmetische Fragen sorgt und mit ihrem Dauerschluckauf jeden Geheimeinsatz zu vereiteln droht, kann sich ihre ungebildete Freundin nicht mal merken, wie viele Kugeln sie im Lauf hat. Aber wie zu erwarten erweisen sich die beiden nach ein paar Pannen doch noch als gelehrige Schülerinnen und räumen die Geldinstitute von Jacksons Bankenkette so gründlich aus, dass der den eifrigen Inspektor Quentin (Steve Zahn) auf die unbekannten Räuberinnen ansetzt.

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Regie hat nicht alles im Griff

Dieser arbeitet mit modernsten kriminalistischen Methoden, die für allerhand Spaß sorgen, ihn aber nicht davor bewahren, dem Charme der selbstlosen Serien-Diebinnen zu erliegen. Denn weil Maria I und II in Louis Malles Westernparodie „Viva Maria!“ en passant den Striptease erfanden, tarnen sich auch unsere Heldinnen als Stripperinnen und fallen gemeinsam über den Schnüffler her.

Quentin soll der in Liebesdingen unerfahrenen Maria das Knutschen beibringen, und so kommt es zu einem harmlosen Dreier mit – huh! – Zungenkuss. Eine Altersfreigabe ab 6 Jahren verspricht zwar mehr Kundschaft, enttäuscht aber alle, die gehofft hatten, tiefere Einblicke in Salma Hayeks „schönsten Busen Hollywoods“ zu bekommen.

Klar, dass Quentin bald zu den Bandidas überläuft – natürlich nicht wegen der Knutscherei, sondern weil er erkennt, dass sein Auftraggeber der wahre Ganove ist und die Damen nur die besten Absichten hegen. Als Banker Jackson Wind von dem Verrat bekommt, bringt er sämtliche Geldvorräte an einem geheimen Ort in Sicherheit. Mit Quentins Verstärkung wollen die Flüchtigen nun als Trio diesen gigantischen Tresor ausheben und begeben sich damit erst richtig in Gefahr.

Viel Action und Slapstick bekommt der Zuschauer in den 93 Minuten geboten. Darüber, dass bei der Figurenzeichnung geschlampt wurde, lässt jedoch auch das engagierte Spiel der Hauptdarsteller nicht hinwegsehen – genauso wenig wie über das chaotische Drehbuch. Spielte Louis Malle gekonnt mit Elementen aus verschiedenen Zeiten und Genres, wirkt hier alles wahllos zusammengerafft.

Der Wechsel von humoristischen Elementen, Pathos und Slapstick funktioniert nicht, und das Clipfilmer-Duo Espen Sandberg und Joachim Roenning hat bei seinem Regiedebüt einfach vieles - von der Musik übers Tempo bis zu deplatziert wirkenden Einfällen bei den Actionsequenzen - nicht im Griff.

Merkte man den Schauspielern nicht allesamt die Freude an ihren Rollen an, würde man den Rest der vorhersehbaren Story kaum ansehen wollen. Doch vor allem Penélope Cruz und Salma Hayek spielen in ihrem Wunschprojekt so entspannt und ausgelassen auf, dass man bemüht ist, über die eine oder andere dämliche Dialogzeile hinwegzusehen. Und natürlich sehen die beiden dabei erstklassig aus. Allein den Akteuren und den beeindruckenden Landschaftsaufnahmen von Bessons Stammkameramann Thierry Arbogast ist es zu verdanken, dass man dieser anspruchslosen Familienunterhaltung gegenüber halbwegs positiv eingestellt bleibt.

Von Mireilla Zirpins

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