"Victor Frankenstein" mit Daniel Radcliffe

Victor Frankenstein
Prominente Besetzung: Daniel Radcliffe und James McAvoy in "Victor Frankenstein". Foto: Twentieth Century Fox/dpa © DPA

Dieses Monster ist einfach nicht totzukriegen. Seit den Stummfilmzeiten geistert das künstliche Geschöpf des Dr. Frankenstein über die Leinwände.

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Legendär ist die expressionistische Version mit Boris Karloff (1931). In den 1970er Jahren veralberte Mel Brooks die Schauermär in "Frankenstein Junior", und alle paar Jahre erwacht das Ungeheuer erneut zu schaurigem Leben.

Nun hat der britische Regisseur Paul McGuigan den Roman von Mary Shelley (1818) in ein hochtouriges Action-Abenteuer verwandelt, bei dem ganz deutlich die "Sherlock-Holmes"-Filme von Guy Ritchie als visuelles Vorbild dienten. Mit "Harry Potter"-Star Daniel Radcliffe und James McAvoy ist das Werk auch prominent besetzt.

Nur leider verpufft in diesem Fall nach vielversprechendem Auftakt die Energie zu schnell. Wenn nach langem Vorlauf das Monster mit Hilfe von ganz viel Elektrizität im Mega-Gewitter an der schottischen Küste endlich sein vernarbtes Haupt erhebt, ist das Interesse der Zuschauer weitgehend erloschen. Der Funke will trotz gigantischer Computertricksereien einfach nicht überspringen.

Die erste halbe Stunde allerdings ist stark und originell: Paul McGuigan rückt den buckligen Gehilfen Igor (Radcliffe) in den Mittelpunkt. Das Medizin-Genie wird in einem Zirkus wie ein Tier gehalten. Dr. Frankenstein (McAvoy, "X-Men") erkennt Igors Fähigkeiten und befreit ihn aus den Klauen des sadistischen Zirkusdirektors. Dann verwandelt er das Scheusal in einen gutaussehenden Jüngling - der Buckel verschwindet, der hochtalentierte Igor lernt richtig gehen und bald auch tanzen. Das ist Frankensteins Geschöpf, der Rest ist Stückwerk.

Jetzt folgen harmlos-hübsche Bilder aus dem Baalsaal. Igor verliebt sich in die fragile Trapezkünstlerin Lorelei (Jessica Brown Findlay), aber das Drehbuch kann mit dieser Romanze wenig anfangen. Die Affäre bleibt banal, die Abgründe der Sexualität und das Monster im Mann interessieren den Film nicht. Der lässt lieber dem Wahnsinn freien Lauf, mit rollenden Augen, zuckenden Blitzen und grimassierenden Visagen. Frankenstein, ein Demiurg im Schaffensrausch, der sich über alle ethischen Gesetze hinwegsetzt.

Im Korsett dieser Krach-Bumm-Inszenierung haben die Schauspieler allerdings kaum eine Chance, sich zu profilieren. Daniel Radcliffe spielt durchaus glaubwürdig den verwandelten Buckligen, der trotz Gewissensbissen seinem Retter Frankenstein treu bleibt. Für James McAvoy bleibt fast nur pathetisches Deklamieren und Gestikulieren, und Jessica Brown Finlay ist leider nur hübsches Beiwerk.

Frankensteins einziger Gegenspieler ist der Scotland-Yard-Inspector Turpin (stark: Andrew Scott). Ein ernster, moralphilosophisch argumentierenden Ermittler, ein echter Counterpart zum rationalistischen Frankenstein, der für seine fixen Ideen buchstäblich über Leichen geht. Aber das Duell der beiden geht unter im Wahnsinnstempo, das der Film bis zum bombastischen Finale vorlegt.


dpa
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