'Verräter wie wir': Verfilmung von John le Carrés Roman über Spione, Mafia und dunkle Wahrheiten

Verräter wie wir
Damian Lewis spielt den britischen Geheimagenten Hector. Foto: Studiocanal Filmverleih © DPA

Ein britischer Hochschul-Professor und seine Frau bekommen bei ihrem Urlaub in Marrakesch viel mehr Abenteuer geboten als erwartet: Ein reicher Russe schenkt ihnen seine Aufmerksamkeit.

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Das dürfte bisher den wenigsten Urlaubern im echten Leben passiert sein - und auch hier ist der Grund, dass der tätowierte Lebemann Dima etwas im Schilde führt. Er will sein Wissen als Geldwäscher der russischen Mafia an die britische Regierung verkaufen, um das Leben seiner Familie zu retten.

So beginnt "Verräter wie wir", die Verfilmung eines Romans von John le Carré, der in seinem neunten Lebensjahrzehnt eine Leinwand-Renaissance erlebt: Vor wenigen Monaten erst wurde der TV-Mehrteiler "The Night Manager" auf der Berlinale vorgestellt. Gerade dieser Vergleich macht allerdings auch deutlich, wie schwer es ist, ein Buch von le Carré mit seiner unterschwelligen Spannung und subtilen Details in knapp zwei Stunden Film zu pressen, ohne sich dabei auf einen Schnelldurchlauf der Handlung beschränken zu müssen oder Lücken in der Logik aufzureißen.

Dafür hat ein Film die Macht, Figuren ein Gesicht zu geben, von dem man sie nicht mehr trennen kann. So wird Dima von dem Schweden Stellan Skarsgård mit Leben erfüllt, der den russischen Mafioso abstoßend und unwiderstehlich zugleich macht. Und Ewan McGregor ("Star Wars") scheint perfekt für die Rolle des Professors Perry Makepeace, der naiv glaubt, seine Mission könne damit enden, dass er den von Dima ausgehändigten USB-Stick einfach nur beim Flughafen-Zoll auf der Heimreise loswerden und sich aus der Affäre stehlen kann.

Denn für den britischen Geheimdienst fängt die Geschichte damit erst richtig an. Der misstrauische Geheimagent Hector Meredith (Damian Lewis aus "Homeland") will alles darüber wissen, wie der Professor zu seinem Glück kam. Ist die Geschichte wirklich so einfach, wie Perry sie erzählt? Oder will sich hier nur ein in Ungnade gefallener russischer Mafioso mit Daten-Falschgeld Sicherheit im Westen erkaufen? Außerdem scheint Perry von Dima zum einzigen Vertrauten im Westen auserkoren zu sein. Das führt ihn und seine Frau Gail (Naomie Harris) über Paris in die Schweiz zu einem dramatischen Finale. Es ist eine gefährliche Reise: Denn Dima sticht mit seinem USB-Stick mitten in ein Wespennest der Korruption in besten britischen Kreisen.

John le Carré (der mit bürgerlichem Namen David Cornwell heißt) machte sich einen Namen als Autor von Spionage-Romanen im Kalten Krieg. Er erfand das Genre in vielerlei Hinsicht neu, weil er statt geradliniger Action menschliche Geschichten um Verrat und Liebe vor der Kulisse der Spionage-Welt erzählte. Dabei kam der Westen zwar als das bessere der beiden gesellschaftlichen Modelle, aber keineswegs tadellos weg.

Das Ende des Ost-West-Konflikts brachte le Carré um das gewohnte Spielfeld, und er richtete seinen kritischen Blick konzentriert auf die Schattenseiten im Westen: Korruption, rücksichtslose Profitgier, die Ausbeutung Afrikas oder ein verlogener Krieg gegen den Terror waren fortan die Themen seiner Bücher. Es ist eine düstere Welt. Die Guten sind rar - und oft selbst voller Schwächen und zum Scheitern verurteilt.

Das ist die Stimmung, mit der Regisseurin Susanna White, die zuvor unter anderem den Klassiker "Jane Eyre" von Charlotte Brontë für das Fernsehen in Szene setzte, bei "Verräter wie wir" die Leinwandzeit füllt. Kalte Blautöne, traumwandlerische Bilder: Der Film spielt mit der visuellen Sprache typischer Spionage-Werke - und will doch mehr als das sein.

Für le Carré, der in der Vergangenheit nicht immer zufrieden war mit den Film-Adaptationen, ist es diesmal auch eine Art Familien-Unternehmen: Seine Söhne Simon und Stephen Cornwell fungierten als Produzenten, der 84-Jährige selbst sicherte sich den Titel eines Executive Producer und taucht in einer Szene kurz mit seiner grauen Mähne im Hintergrund auf.


dpa

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