Verletzte Sabine W. sich selbst?

Der Angeklagte Jörg Kachelmann auf dem Weg zum Gericht.
Der Angeklagte Jörg Kachelmann auf dem Weg zum Gericht. © dpa, Ronald Wittek

Gutachter als Zeuge vor Gericht

Nun wird es medizinisch im Vergewaltigungsprozess gegen Wettermoderator Jörg Kachelmann: Könnte sich Sabine W. ihre Verletzungen selbst zugefügt haben?

- Anzeige -

Einige der Bilder, die dem Gericht von dem Vertreter der Rechtsmedizin vorgelegt wurden, waren auch von den Zuschauerbänken aus zu erkennen. Es sind Fotos von Blutergüssen auf den Oberschenkeln der Nebenklägerin - rötlich-violett auf blasser Haut. Die entscheidende Frage: Hat sich das mutmaßliche Opfer die Verletzungen möglicherweise selbst zugefügt?

Am 20. Prozesstag sagte vor dem Landgericht Mannheim der Münsteraner Rechtsmediziner Bernd Brinkmann aus. Die Verteidigung hatte ihn als Gutachter vorgeschlagen, doch das Gericht hatte den erfahrenen Experten bereits im Oktober wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt.

Nun wurde Brinkmann als sogenannter sachverständiger Zeuge gehört. Nach Darstellung der Frau sollen die Blutergüsse entstanden sein, als Kachelmann mit den Knien ihre Oberschenkel auseinanderdrückte. Hierzu allerdings scheint die von Brinkmann festgestellte Form der Hämatome nicht zu passen. Brinkmann meint: Die Verletzungen entstanden durch Faustschläge. "Die sichelförmige Kontur ist bekannt von entsprechenden Verletzungen bei Kindesmisshandlungen", so Brinkmann. Hierfür brauche es "eine gewisse kinetische Energie" - sprich: eher einen Schlag als einen dauerhaften Druck.

Wortgefechte im Gerichtssaal

Auch Kachelmann schaute die Bilder an, mit seiner Verteidigerin über die Fotomappe gebeugt. Daraufhin machte er einen angedeuteten Faustschlag, als wollte er etwas demonstrieren.

Erneut kam es zu einem lautstarken Wortgefecht im Gerichtssaal. Kachelmanns Verteidiger Johann Schwenn kritisierte, dass Brinkmann vor seinem ersten Auftritt bei Gericht gründlich durchsucht worden war und machte dafür die Staatsanwaltschaft verantwortlich. Als Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge widersprechen wollte, fuhr ihn der beisitzende Richter Joachim Bock an: "Jetzt sind Sie mal still, Herr Oltrogge!"

Zu Beginn des Verhandlungstags hatte Schwenn die psychologische Sachverständige Luise Greuel angegriffen. Die Verteidigung will Greuel aus dem Prozess drängen und hatte bereits vorletzte Woche einen Befangenheitsantrag gestellt.

Greuel hatte die Glaubhaftigkeit der Aussage von Sabine W. untersucht - mit offenem Ergebnis: Es könnte weder ausgeschlossen werden, dass sie absichtlich lüge, noch dass es sich um eine autosuggestiv generierte Aussage handele. Ein "etwaiger Erlebnisgehalt" lasse sich nicht bestätigen. Kachelmanns früherer Verteidiger Reinhard Birkenstock hatte das Gutachten stets als entlastend interpretiert.

Über den Befangenheitsantrag ist noch nicht entschieden. Der Prozess soll am kommenden Montag mit der Vernehmung der medizinischen Sachverständigen fortgesetzt werden.

— ANZEIGE —