Vaterunser und Fantasy: ‚Die Chroniken von Narnia – Reise auf der Morgenröte‘

Vaterunser und Fantasy: ‚Die Chroniken von Narnia – Reise auf der Morgenröte‘

Eigentlich möchte man beim dritten Teil der ‚ Chroniken von Narnia‘ nicht mehr über die manchmal äußerst zweifelhafte religiöse Symbolik, die schon heftig in der Kritik stand, reden müssen. Leider kann man den neuen Film der Reihe aber nicht einfach Actionfilm sein lassen, denn der neue Regisseur Michael Apted (‚James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug‘) packt derartig die XXL-Moralkeule aus, dass so manchem Kritiker im Kinosaal ein ungläubiges Raunen entfährt. Das war in den vorangegangen Kinder-Schlachtplatten doch etwas anders.

Dabei scheint zunächst alles nach dem gewohnten Muster abzulaufen. Auch im dritten Teil der Fantasie-Saga müssen sich Lucy (Georgie Henley) und Edmund Pevensie (Skandar Keynes) gefährlichen Abenteuern im magischen Land Narnia stellen. Während die beiden älteren Geschwister Susan (Anna Popplewell) und Peter in den Staaten studieren, leben Edmund und Lucy während des zweiten Weltkrieges bei ihrem Onkel und der schrecklichen Nervensäge von Cousin Eustace (hübsch überspitzt: Will Poulter) in London. Eines Tages wird plötzlich das Zimmer der Kinder durch ein magisches Gemälde unter Wasser gesetzt. Kaum sind sie in ihren eigenen vier Wänden in den Fluten versunken, tauchen sie plötzlich im Meer Narnias wieder auf.

Aus der See gerettet werden sie natürlich von niemand Geringerem als Kaspian (immer noch solide: Ben Barnes), der mittlerweile zum König aufgestiegen ist. Er segelt mit seinem bemannten Schiff ‚Morgenröte‘ durch die Meere des Zauberlandes, um die sieben Schwerter der verbannten Lords zusammenzubringen und damit die verlorenen Seelen Narnias von der dunklen Insel zu retten. Bei diesem gefährlichen Unterfangen trifft der Trupp mutiger Abenteurer nicht nur auf eine ganze Menge neuer, sagenhafter Gestalten und Länder, die durchaus interessant und vor allem technisch einwandfrei in Szene gesetzt wurden (auch wenn die 3D-Effekte äußerst spärlich gesät sind). Vor allem der digitalisierte Drache, in den der permanent herumnörgelnde Cousin verwandelt wird, besticht durch viel Liebe zum Detail.

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Vaterunser und Fantasy: ‚Die Chroniken von Narnia – Reise auf der Morgenröte‘

Auch werden unsere Helden mit ihren eigenen Ängsten und Leidenschaften konfrontiert, was die Abenteurer dazu führt, an sich selbst zu zweifeln. So drohen sie den dunklen Mächten Narnias zu verfallen. Und mit diesem Bezug auf das Vaterunser-Diktum ,Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen‘ hätten wir auch schon eines unserer immer wiederkehrenden Motive, das zwar für die obligatorische Wertevermittlung für Kinder sorgt, ihren Begleitern auf Dauer allerdings auf die Nerven gehen kann. Das Standardgefasel von Versuchung und dem Vertrauen in sich selbst und dem Wahren von Hoffnung hätte auch für Kinder in etwas subtilerer Ausführung sicherlich seine Zwecke erfüllt.

Auch denjenigen, die die Bücher nicht kennen, wird nicht zu viel verraten, wenn wir hier andeuten, dass die Kinder natürlich ihre Hoffnung niemals aufgeben und damit Sieg über die bösen Versuchungen und dunklen Mächte davon tragen. Allerdings ist der Weg dahin zwischendurch dann doch so aussichtslos, so dass sich Aslan - sie wissen schon, der Löwe, der im ersten Teil wieder aufersteht, nachdem er sich für Edmund (den einstigen Judas der Geschwister) geopfert hat - gegen Ende noch blicken lässt und die ganze Geschichte durch seine Funktion als Deus ex Machina leider ziemlich trivialisiert. Beim Abschiedsgeheule gibt er Lucy und Edmund dann noch eine kleine Nachricht auf den Weg: „Ich existiere auch in eurer Welt, bloß unter einem anderen Namen.“ Ach so, alles klar!?

Technisch ausgefeilt und beeindruckend ist ‚Die Reise auf der Morgenröte‘ allemal. Hier können besonders der GCI-Drache und natürlich der Löwe Aslan punkten. Zwischendurch entlocken hauptsächlich Will Poulter als überreizter und hochnäsiger Cousin mit Stock im Hintern und die kleine Maus Riepischiep den Zuschauern einige Lacher. Auch die übrigen Darsteller machen ihre Sache gewohnt gut. So sorgt beispielsweise die mittlerweise 15-jährige Georgie Henley in der Rolle der Lucy noch immer für den Niedlichkeitsfaktor. Und auch die manchmal problematische, aber letztendlich herzliche Beziehung zwischen Edmund und Kaspian wird von den Schauspielern durchaus authentisch dargestellt.

Alles in allem kann man von ‚Die Reise auf der Morgenröte‘ das erwarten, was man auch schon aus den vorherigen Filmen kennt. Der Anfang macht dem Zuschauer große Lust auf eine phantastische Reise durch das magische Land, nur damit der Film dann doch nach dem ersten Drittel leise vor sich her plätschert und unsere Hoffnungen auf ein wunderbares Fantasy-Abenteuer zerschlägt. Für einen weihnachtlichen Kinobesuch mit der ganzen Familie reicht die Mischung aus ‚Fluch der Karibik‘ und ‚Der Herr der Ringe‘ bestimmt aus. Zynische Pragmatiker können die Überdosis parabolischer Phrasen und das typisch narnianische Moralgeschwafel getrost ignorieren und es sich auf der heimischen Couch lieber bei einer ‚Der Herr der Ringe‘-Nacht gemütlich machen.

Von Mihaela Gladovic

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