US-"Playboy" ohne Nackte - wie soll das gehen?

US-"Playboy" ohne Nackte - wie soll das gehen?
Gründer und Chefredakteur des US-amerikanischen Männermagazins "Playboy" mit dem seinem Super-Bunny Pamela Anderson (r.) © ddp images

Die Nachricht, dass das US-Männermagazin "Playboy" bald auf Fotos nackter Frauen verzichten will, hat am Dienstagmorgen für Aufregung gesorgt. Magazingründer Hugh Hefner (89) habe bereits seine persönliche Zustimmung gegeben, sagte "Playboy"-Chef Scott Flanders der "New York Times". Von März 2016 an soll es vorbei sein mit hüllenlosen Frauen in der US-Ausgabe des Magazins - 63 Jahre nach dem ersten Erscheinen.

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Deutsche Ausgabe bleibt gleich

Bei den Machern des deutschen "Playboy" standen die Telefone nicht mehr still: Gilt die radikale Veränderung etwa auch hierzulande? Chef-Redakteur Florian Boitin stellt im Interview mit "Bild.de" schließlich klar: "Auf die Ausrichtung und Gestaltung des deutschen 'Playboy' hat die Entscheidung der Amerikaner keinen Einfluss."

 

Deutsche Ausgabe hält an den Nackten fest

 

Während Boitin deutlich macht, dass man in Deutschland auch zukünftig am "erfolgreichen Konzept" der nackten Brüste festhalten werde, heißt es aus der Konzern-Zentrale in Chicago, dass die massive Verbreitung von Pornografie im Internet solche Aufnahmen überholt erscheinen lasse: "Man ist heute ganz umsonst nur einen Klick entfernt von Ansichten jeder denkbaren sexuellen Handlung. Und daher ist das zu diesem Zeitpunkt einfach vorbei", sagte Flanders. Zusammenfassend hieße das, dass es im US-Playboy ab März 2016 keine ganz Nackten mehr zu sehen gibt, aber im deutschen weiterhin Playmates und Promi-Frauen blank ziehen: "Richtig", freut sich Boitin. "Wir haben redaktionelle Unabhängigkeit."

 

"Möglicherweise wollen die Amerikaner auf diese Provokation verzichten"

 

Die Frage ist nur: Was bleibt dann vom US-"Playboy" übrig, außer dem uralten Witz, dass das Heft doch nur wegen seiner tollen Interviews und Reportagen gekauft werde? Ein Blick zurück: Anfang der 1950er-Jahre hatte Hugh Hefner die Idee (und auch den Mut), in einem neuen Heft bekannte Frauen nackt zu zeigen. Der Einfall wurde zum Unique Selling Point, zu einem herausragenden Alleinstellungsmerkmal, das den "Playboy" zum bekanntesten Print-Titel der Welt machte. "Möglicherweise wollen die Amerikaner auf diese Art der Provokation heute verzichten", spekuliert Boitin über das Motiv seiner US-Kollegen.

 

Von Marilyn Monroe bis Katarina Witt: Alle waren sie im Centerfold

 

Die erste Ausgabe im Dezember 1953 zierte die nackte Marilyn Monroe. Sie breitete ihre Pracht in der Mitte des Heftes auf einer aufklappbaren Seite aus: dem Centerfold - auch eine Neuerung, die den "Playboy" unverwechselbar machte. Ausgezogen haben die Macher der US-Ausgabe fast alle Stars, die gerade en vogue waren: Berühmte Frauen wie Charlotte Rampling, Catherine Deneuve, Jane Birkin, Sharon Stone, Melanie Griffith, Kim Basinger, Farrah Fawcett, Drew Barrymore, Demi Moore, Madonna, Mariah Carey oder Elle Macpherson ließen für den "Playboy" die Hüllen fallen. Die höchste Auflage, fast sechs Millionen Exemplare, erzielte das Magazin mit der deutschen Eiskönigin Katarina Witt.

 

Das Spitzen-Bunny: Keine zog so oft blank wie Pamela Anderson

 

Das blonde Gift Pamela Anderson war - mit ihren jeweils wechselnden Silikonauswuchtungen - neun Mal im Heft und wurde durch den "Playboy" bekannter als durch ihre TV-Serie "Baywatch". Ihr folgte mit vier Veröffentlichungen die Hollywood-Aktrice Bo Derek. Auch Schönheiten wie Cindy Crawford, Grace Jones oder Naomi Campbell ließen sich durchaus zweimal bitten. 2009 hatte es sogar die Comic-Figur Marge Simpson in den "Playboy" geschafft.

 

Berben, Sawatzki und Co.: Der Playboy knackt auch die Zugeknöpften

 

Das Magazin hat weltweit über 30 Lizenzableger in der jeweiligen Landessprache, 1972 erschien die erste deutsche Ausgabe. Im Laufe der Jahrzehnte zogen sich unter anderem Iris Berben, Christine Kaufmann, Sonja Kirchberger, Ursula Karven, Mariella Ahrens, Andrea Sawatzki, Jasmin Gerat, Jenny Elvers, Giulia Siegel, Cosma Shiva Hagen, Uschi Obermaier, Gerit Kling, Julia Biedermann, Tina Ruland, Alexandra Kamp, Nastassja Kinski, Simone Thomalla und später auch ihre Tochter Sophia Thomalla für den deutschen "Playboy" aus.

 

Helene Fischer als Wunderwaffe gegen die Konkurrenz aus dem Netz?

 

Dennoch gingen die Auflagen stetig zurück. In den USA werden nach Schätzungen der Medienorganisation "Alliance for Audited Media" nur noch 800.000 Exemplare verkauft, in Deutschland waren es laut der IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) im vierten Quartal 2014 über 219.000 und im ersten Quartal 2015 noch rund 175.000 Exemplare. Doch: Gelänge es den Machern, zum Beispiel Helene Fischer in alter "Playboy"-Manier zu präsentieren, würde der Verkauf wieder raketenhaft nach oben schießen.

 

Vielleicht kommt jetzt der verschärfte Online-Auftritt

 

In der "New York Times" heißt es: "Die Print-Ausgabe des 'Playboy' wird weiterhin Frauen in aufreizenden Posen zeigen. Aber sie werden nicht mehr vollständig nackt sein." Planen die US-Macher vielleicht einen umso provokativeren Online-Auftritt oder was könnte das bedeuten? "Das kann ich auch nicht in aller Gänze beantworten. Deshalb sehen wir der US-März-Ausgabe ebenfalls in gespannter Erwartung entgegen", sagt der Chef der deutschen Bunnys. Was bleibt also, wenn der US-"Playboy" seine ganz Nackten weglässt? Sicher ein Heft mit interessanten Inhalten für Männer - und ein Name, der leider nur noch eine Hülle ist, die jemand offenbar vergessen hat...

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