'Unknown Identity': Hollywood-Action in Berlin

2,5 von 5 Punkten

Für den Action-Thriller ‘Unknown Identity’ holte Regisseur Jaume Collet-Serra (’Orphan’, ’House of Wax’) die US-Stars nach Berlin. Zwar werden dem Kinobesucher nach Hollywood-Manier spektakuläre Stunts und Special Effects geboten – die Story jedoch weist erhebliche Logikfehler auf.

Eigentlich wollte der Wissenschaftler Martin Harris (Liam Neeson, ’Schindlers Liste’, ’96 Hours’) mit seiner Frau Liz (January Jones, ’Mad Men’) nach Berlin, um bei einem Kongress einen Vortrag zu halten. Daraus wird jedoch nichts: Nachdem sein Taxi durch einen Unfall in die Spree hinabgestürzt ist, liegt Martin vier Tage lang im Koma. Als er wieder zu Bewusstsein kommt, ist er für seine Frau plötzlich ein Fremder und ein anderer Martin Harris (Aidan Quinn) gibt sich als ihr Mann aus.

Ohne Ausweispapiere und mit lückenhaftem Gedächtnis kann er seine Identität jedoch nicht beweisen. Martin beginnt an seinen Erinnerungen zu zweifeln, doch als Auftragskiller versuchen ihn zu töten, ist er sich sicher: Es muss sich um eine Verschwörung handeln. Mit Hilfe von Ex-Stasi-Offizier Ernst Jürgen (Bruno Ganz, ’Der Untergang’) und der Taxi-Fahrerin Gina (Diane Kruger, ’Inglourious Basterds’) versucht er seine Identität zu beweisen und sein altes Leben zurückzubekommen.

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Es scheint nur logisch, den in Berlin gedrehten Film mit der deutschstämmigen Schauspielerin Diane Kruger in einer der Hauptrollen zu besetzen - um so mehr muss man sich wundern, dass sie die Rolle einer bosnischen Immigrantin mit sehr schlecht imitiertem Akzent spielt, der auch noch plötzlich verschwindet, wenn sie deutsch spricht. Ebenso absurd ist die Tatsache, dass sie ihr Leben für den ihr völlig fremden Martin Harris riskiert, der für den Tod ihres Freundes und die völlige Verwüstung ihrer Wohnung verantwortlich ist.

Doch auch Neesons Film-Frau January Jones kommt in dem Film nicht wirklich besser weg. Ihre Hauptaufgabe besteht zum größten Teil darin, ausdruckslos und roboterhaft in die Gegend zu starren, ohne die geringste Gefühlsregung zu zeigen. Mit viel Charme und DDR-Nostalgie dagegen mimt Bruno Ganz ('Der Untergang') den kränkelnden und alkoholisierten Ex-Stasi-Offizier, der beim Publikum das ein oder andere ungewollte Schmunzeln hervorruft. Seine verstaubte Filmfigur aus DDR-Zeiten will nicht so recht in die moderne Filmkulisse Berlins passen.

Liam Neeson, den man sonst eher aus Dramen oder Liebeskomödien kennt, beweist, dass er auch auf seine alten Tage noch Action-tauglich ist – allein im letzten Jahr spielte er in drei Filmen (’Kampf der Titanen’, ’Das A-Team’ und ’72 Stunden’) mit. Zuschauer, die sich an dem undurchsichtigen Handlungsstrang nicht stören, werden auf ihre Kosten kommen: In der deutschen Hauptstadt gibt es eine Verfolgungsjagd nach der anderen, Autos überschlagen sich und Gebäude werden in die Luft gejagt. Das große Action-Aufgebot jedoch vermag es nicht, die Schwächen des Films und die seichten Dialoge auszugleichen.

Von Mariana Jang

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