Ungewöhnliche Liebesgeschichte mit bitterem Beigeschmack: "Same Same But Different"

Ungewöhnliche Liebesgeschichte mit bitterem Beigeschmack: "Same Same But Different"

Von Maike Nagelschmitz

Einen kleinen Urlaubsflirt hat sicher jeder schon mal gehabt. Meistens sieht man sich danach nie wieder, oftmals bleibt man aber auch in Kontakt und manchmal wird sogar mehr daraus. Doch was würden Sie tun, wenn Ihre Urlaubsbekanntschaft Ihnen auf einmal offenbart HIV-positiv zu sein? Regisseur Detlef Buck wollte einen Film über eine „wirkliche, greifbare Liebe“ drehen und wagte sich dafür an das Tabuthema AIDS heran: In seinem Drama „Same Same But Different“ verfilmte er eine wahre Geschichte nach dem Roman „Wohin du auch gehst“ von Benjamin Prüfer.

Die Handlung: Nach dem Abitur reisen die Kumpels Ben (glaubwürdig: David Kross) und Ed (Stefan Konarske) als Backpacker nach Kambodscha. Auf der Suche nach Freiheit, dem richtigen Kick durch Drogen und Partys in verruchten Clubs trifft Ben auf das hübsche Barmädchen Sreykeo (reizend: Apinya Sakuljaroensuk). Sie verbringen die Nacht miteinander, doch am nächsten Morgen folgt die bittere Ernüchterung: Sreykeo fordert Geld von Ben, das sie braucht, um ihre arme Familie zu ernähren. Doch in den nächsten Tagen treffen die beiden immer wieder aufeinander und obwohl Sreykeo in einer völlig anderen Welt lebt, ist Ben fasziniert von ihr.

Einige Tage später fliegt Ed wie geplant zurück nach Deutschland - ohne Ben. Denn der will allen Widerständen zum Trotz bei seiner Sreykeo in Kambodscha bleiben. Doch irgendwann geht ihm das Geld aus, er muss also ebenfalls wieder in die Heimat. Aber er kann Sreykeo nicht vergessen: Jeden Tag telefoniert er mit seiner Freundin und um sie vor der Arbeit als Bargirl zu bewahren, schickt er ihr regelmäßig Geld. Doch dann der Schock: Nach einem Arztbesuch teilt Sreykeo ihm via Webcam mit, HIV-positiv zu sein.

Anstatt die kurze Beziehung zu beenden, fasst Ben einen Entschluss: Er will Sreykeo helfen und macht sich wieder auf den Weg nach Kambodscha. Dort lebt er im heruntergekommenen Wohnblock ‚La Building’ auf engstem Raum mit Sreykeo und ihrer Familie zusammen und opfert sich regelrecht für das kranke Mädchen auf: Um ihr zu helfen, besorgt er ihr mit einem Trick hochwertige Medikamente und nimmt dafür sogar in Kauf, seine Ersparnisse zu verlieren. Als ihre Familie jedoch immer mehr Geld verlangt, ihn sogar zum Bau eines Hauses auffordert und Ben sich zusehends auch von Sreykeo ausgenutzt fühlt, muss er eine schwere Entscheidung treffen...

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Kennt man das Buch nicht und liest nur eine kurze Zusammenfassung der Handlung, könnte man erwarten, dass sich ein junger Romeo für seine kranke Julia aufopfert. Doch genau das liefert „Same Same But Different“ nicht und das ist auch gut so. Denn dadurch, dass die Geschichte nie zu sehr ins Sentimentale abrutscht, wirkt sie erst richtig authentisch. Sreykeo ist keine Prinzessin, die von einem reichen Prinzen gerettet wird, sondern eine arme Prostituierte, die sich in einen mittellosen Abiturienten aus Deutschland verliebt. Der hilft ihr zwar, kann sie aber nicht wie durch ein Wunder von ihrer Krankheit heilen. Das wird im Film mehr als nur einmal sehr deutlich gemacht.

Bei Ben hat man des Öfteren den Eindruck, dass Liebe wirklich blind macht. Er lässt sich von Sreykeo und besonders deren Mutter regelrecht ausbeuten: Sreykeos Mutter verpokert das ganze Geld, der Vater würde seine Tochter gern sofort mit dem ‚reichen Deutschen’ verheiraten und will dabei natürlich auch selbst nicht zu kurz kommen. Als Zuschauer würde man Ben am liebsten so lange schütteln, bis er wieder zu Verstand kommt. Doch Alpinya Sakuljaroensuk spielt Sreykeo so überzeugend, dass man versteht, wieso Ben nahezu alles für sie tut. Detlef Buck („Männerpension“), der bereits in „Knallhart“ mit David Kross zusammengearbeitet hat, ist hier mit der Besetzung der Hauptrollen ein Volltreffer gelungen. Der Jungschauspieler überzeugt als junger Ben und harmoniert mit seiner Filmpartnerin Alpinya Sakuljaroensuk so gut, dass die beiden als ungewöhnliches Liebespaar ohne Zweifel durchgehen. Die Authentizität und die überzeugenden Darsteller trösten dann auch darüber hinweg, dass es dem Film leider an dramaturgischen Höhepunkten mangelt.

Das Leben in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh wird so originalgetreu dargestellt, dass man beinahe das Gefühl bekommt, selbst dort zu sein: Lärmende und stinkende Motorroller, Müll und Dreck, bettelnde Kinder und zerfallene Häuser. Nicht zu vergessen sind die vielen AIDS-Kranken in Kambodscha, der oftmals achtlose Umgang mit der Immunschwäche und die Probleme der medizinischen Versorgung. Die Darstellung weiter Reisfelder, eines Lebens fernab der Zivilisation und der harten Arbeit von Sreykeos Verwandten auf dem Land bilden das Pendant dazu. So wird „Same Same But Different“ zu einem bildgewaltigen Werk, das zum Nachdenken anregt, dabei aber nie mit Doku-Charakter daher kommt.

Die grellen Bilder und die oftmals schrille Musik, die manche Szenen regelrecht beherrschen, sind sicherlich Geschmackssache, aber alles in allem ist Regisseur Detlef Buck ein authentisches Drama gelungen. Nicht umsonst wurde der Film beim internationalen Filmfestival in Locarno mit dem ‚Variety Piazza Grande Award’ ausgezeichnet. Sicherlich kein seichtes Samstagabend-Popcornkino, doch wer sich auf eine anspruchsvolle und vor allem andersartige Geschichte einlassen möchte, sollte sich „Same Same But Different“ nicht entgehen lassen.

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