Unesco entscheidet über deutschen Kulturerbe-Vorschlag

Belgisches Bier
Belgiens Bierkultur kann sich wohl bald mit einem Unesco-Titel schmücken. Foto: Christina Horsten © deutsche presse agentur
- Anzeige -

Für seine Bierkultur kann Belgien sich demnächst höchstwahrscheinlich mit einem Unesco-Titel schmücken. Sie ist für das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes nominiert.

Die Chancen stehen gut, dass der zuständige Ausschuss bei seinem Treffen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba in dieser Woche (28. November bis 2. Dezember) zustimmt. "Ich habe es noch nie gesehen, dass das Komitee eine positive Empfehlung umwirft", sagte der Sekretär für die Konvention zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes, Tim Curtis.

Das Gremium entscheidet insgesamt über 37 Nominierungen für die Unesco-Liste, darunter auch den ersten rein deutschen Vorschlag: das Genossenschafts-Modell. Außerdem beteiligte Deutschland sich an dem ebenfalls zur Entscheidung anstehenden Vorschlag, den bereits 2012 aufgenommenen Eintrag für die Falknerei zu erweitern.

Die internationale Übereinkunft zum immateriellen Kulturerbe trat vor zehn Jahren in Kraft und soll das Verständnis vom Kulturerbe erweitern. Bis dahin standen vor allem Bauwerke im Fokus - für sie gibt es schon seit Jahrzehnten den Titel des Unesco-Weltkulturerbes, der herausragende Orte von den Pyramiden bis zur Würzburger Residenz ehrt.

Die Liste des immateriellen Kulturerbes funktioniert ein bisschen anders. "Wir wollen nicht nur das Spektakulärste erfassen", sagte Curtis. Ausgewählte Beispiele aus allen Weltregionen sollen einen repräsentativen Überblick über die Vielfalt der Praktiken geben. Sie hat inzwischen 336 Einträge, vom argentinischen und uruguayischen Tango über die tibetische Oper in China bis zur Pfeifsprache El Silbo von der spanischen Kanareninsel La Gomera.

Für die deutsche Genossenschafts-Idee sind die Chancen, in dieser Woche auf diese prestigeträchtige Liste zu kommen, aber gedämpft worden. Ein Expertengremium, das alle Vorschläge prüft, hat empfohlen, den Vorschlag zur Überarbeitung zurückzuschicken. Allerdings muss das Komitee dem nicht folgen.

Die Entscheidung in Addis Abeba fällt ein gewähltes Gremium aus Vertretern von 24 Ländern, Deutschland ist darin derzeit nicht vertreten. Insgesamt 171 Länder haben die 2006 in Kraft getretene Konvention ratifiziert.

Zehn Jahre danach zieht Curtis ein überwiegend positives Fazit. Das Thema sei weltweit stärker ins Bewusstsein gerückt, vor allem gebe es damit mehr Aufmerksamkeit für Kulturpraktiken von Minderheiten. Allerdings sieht er eine Tendenz, sich zu sehr auf die Listen zu konzentrieren und nur diese Praktiken zu fördern. Die Unesco will nun einen Mechanismus entwickeln, um die Effekte zu überprüfen. "Viele Länder haben Maßnahmen zum Erhalt des immateriellen Kulturerbes begonnen. Das ist Arbeit, die vorher nicht gemacht wurde."


Quelle: DPA
— ANZEIGE —