Und nebenbei das große Glück - Filmkritik

Mit 45 heißer als einst in La Boum: Sophie Marceau

Von Mireilla Zirpins

3 von 5 Punkten

Erinnern Sie sich noch an den Vorabend-Hit ‚Ich heirate eine Familie‘? Für alle, die dafür zu jung sind: In der etwas bigotten Fernsehserie aus den Achtzigern heiratete Peter Weck Thekla-Carola Wied und dazu deren drei Kinder aus erster Ehe mitsamt all ihrer Probleme und nahm das meist mit einem Schmunzeln. Ist das in Zeiten, in denen die Patchwork-Familie längst normal ist, überhaupt noch einen Film wert? In Frankreich offenbar schon, und zumindest wegen der umwerfenden Sophie Marceau ist die manchmal etwas zu klamaukige Komödie dann doch gar nicht so uninteressant. Die sieht nämlich mit ihren 45 Jahren heißer aus als vor rund 30 Jahren im Feten-Kultfilm ‚La Boum‘ – und das ohne Botox oder berufsjugendliches Gehabe. Sie spielt einfach eine Frau ihres Alters mit heranwachsenden Kindern, in Business-Klamotten und mit ersten Fältchen, die ihr einfach gut stehen.

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Marceau, perfekt ausgeleuchtet und sehr sexy in Szene gesetzt, fällt als tollpatschige Schönheit Charlotte dem Werbekomponisten Sacha (Gad Elmaleh) buchstäblich vor die Füße. Die beiden verknallen sich heftig, doch ist der Musiker ein echter Luftikus, der keine Frau zweimal nach Hause bringt, sich von Mama noch die Wäsche machen lässt und unbeschwert in den Tag hineinlebt. Als er entdeckt, dass Charlotte Mutter dreier Kinder ist und sich dazu von ihrem mächtigen Noch-Gatten (Francois Berléand) herumkommandieren lässt, nimmt er Reißaus.

Sophie Marceau mit Filmtochter Sophie Marceau macht eine gute Figur

Hauptsächlich wegen Sophie Marceau sehenswert

Das kommt zunächst ein bisschen plump in die Gänge. Die Figuren sind recht klischeehaft angelegt, bei den Gags setzt Regisseur James Huth vor allem auf Stolper-Slapstick, der meist die arme Mme Marceau trifft. Aber deren sonnig-fröhliches Spiel lässt den Zuschauer auf bessere Leinwandmomente hoffen – und auf eine Versöhnung der beiden, die aufgrund ihrer Chemie doch für einander bestimmt scheinen. Wer ein paar Fremdschäm-Momente im wenig inspirierten Dialogdrehbuch aussitzt, wird mit einem Film belohnt, der nach hinten raus an Qualität gewinnt – eine Seltenheit, geht doch vielen Komödie gerade in der zweiten Hälfte die Luft aus. Kein großer Wurf, aber ein netter Zeitvertreib, der am Ende doch das Herz berührt. Und das ist vor allem dem Charme der Hauptdarstellerin zu verdanken, die noch so ungekünstelt und erfrischend spielt wie einst als Newcomerin in ‚La Boum‘.

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