'Unbroken' von Angelina Jolie: Erschütterndes Kriegsdrama über Louis Zamperini

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'Unbroken': Erschütterndes Kriegsdrama von Angelina Jolie
Bereits zum zweiten Mal setzt Angelina Jolie als Regisseurin ein Kriegsdrama in Szene.

4 von 5 Sternen

Es ist der Titel des Films, den man als Zuschauer ständig vor seinem inneren Auge sieht. 'Unbroken' (zu dt.: 'Ungebrochen') heißt das neue Kriegsdrama von Angelina Jolie, das die wahre Geschichte eines erstaunlichen Mannes erzählt. Louis Zamperini musste im Leben schlimme Dinge erfahren, Verluste verkraften und seelische wie körperliche Demütigungen ertragen. In 137 Minuten erzählt Jolie die militante Geschichte des jungen Amerikaners, der an seinen Erlebnissen niemals ‚brechen‘ sollte.

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Bereits zum zweiten Mal wagt sich Angelina Jolie nun an ein eher ungemütliches Thema. Wie auch bei ihrem Regiedebüt zu 'Liebe in Zeiten des Krieges' handelt es sich bei 'Unbroken' um ein wuchtiges Kriegsmelodram, dem es nicht an Gewaltszenen mangelt. Die Parallelen lassen annehmen, dass Jolie ihre dramaturgische Richtung gefunden hat, welche wohl besonders durch die privaten Erfahrungen als Unicef-Botschafterin geprägt ist. So zeigt der Film vor allem die an Menschen vergangenen Kriegsverbrechen im Zuge des Zweiten Weltkrieges, was auch Hauptfigur Louis Zamperini (Jack O’Connell,'300: Rise of an Empire') am eigenen Leib erfahren muss. Der junge Amerikaner mit einer aussichtsreichen Zukunft als Profisportler findet sich nämlich nach Kriegsausbruch alsbald bei der amerikanischen Luftwaffe auf Hawaii wieder.

Nach einem etwas langwierigen Einstieg in die Story beginnt hier dann Zamperinis jahrelanger Alptraum unter der zehrenden Sonne des Pazifiks. Denn nach einem tragischen Flugzeugabsturz treiben die drei Überlebenden, Zamperini und zwei weitere Crew-Mitglieder (Domhnall Gleeson, Garrett Hedlund) in einem kleinen Rettungsboot umher. Ohne Nahrung und Trinkwasser müssen sie 47 Tage auf offener See ums Überleben kämpfen. Die Schiffbrüchigen werden zwar von der japanischen Navy aus den tödlichen Wellen 'gerettet', eine Besserung ihres Zustandes stellt sich jedoch kaum ein. Von seinen Partnern getrennt, muss der geschwächte Soldat Zamperini von nun an sadistische Folterungen über sich ergehen lassen und wird immer wieder Opfer vom Hass des Kriegsfeindes.

Einen Tag nach ihrem Treffen verstarb Zamperini

'Unbroken': Erschütterndes Kriegsdrama von Angelina Jolie
Kurz vor einem Tod traf Angelina Jolie noch den wahren Louis Zamperini.

Was kann ein Mensch alles ertragen? Diese Frage wird wohl zahlreiche Zuschauerköpfe füllen. Umso erstaunlicher ist es, dass Louis Zamperini jede nur vorstellbare Qual erlitt, ohne dabei jemals den Glauben in sich selbst und seinen Stolz zu verlieren. "Hältst du durch, dann kommst du durch!", hatte er sich einst von seinem Bruder anhören müssen. Im Krieg nun, ist es zu einem lebenswichtigen Leitmotto geworden. Denn die Folter dieses Mannes scheint kein Ende zu nehmen - seine Unbeugsamkeit tut es aber auch nicht. 'Unbroken' ist daher fast an der Grenze zur Unglaubwürdigkeit, zeigt fast eine zu perfekte Heroisierung à la Hollywood. Wäre die Story keine autobiografische, man würde Angelina Jolie eher belächeln - für ihren leidenden Helden und den Hang zu fast schon unerträglicher Dramatik. Weiß man jedoch um den realen Hintergrund, so ist das Drama allein der Geschichte wegen überwältigend. Umso mehr verwundert es, dass die Regisseurin für ihren Film keine einzige 'Golden Globe'-Nominierung und 'nur' drei Oscar-Nominierungen in Nebenkategorien (Beste Kamera, Bester Ton, Bester Tonschnitt) erhalten hat.

Keine Frage, verstecken muss sich die 39-Jährige für ihre Regiearbeit nun wirklich nicht. Angelina Jolie zeigt ausdrucksstarke, kontrastreiche Bilder und weiß die Darstellung der militärischen Gnadenlosigkeit subtil umzusetzen. So droht dem Zuschauer auch kein rastloses Kriegsgefecht im 'Platoon'-Stil, sondern ein emotionales Drama, bei dem die Entwicklung der Charaktere im Vordergrund steht. Zwar wird die Brutalität nicht geschönt und trifft den Zuschauer mit voller Wucht. Für die nötige Glaubwürdigkeit sorgen aber vor allem die herausragenden Leistungen der Schauspieler, allen voran Hauptdarsteller Jack O’Connell. In ihm lebt der 'wahre' Louis Zamperini nun weiter.

Angelina Jolie erwies ihm vergangenes Jahr die letzte Ehre und zeigte dem Kriegsveteran am Krankenbett einige, bereits fertige Szenen. Einen Tag darauf, am 02. August 2014, verstarb Zamperini im Alter von 97 Jahren, ohne die Geschichte seines Lebens je auf der Leinwand gesehen zu haben. Diese Ehre wird nun dem Publikum zuteil, das den Kinosaal hoffentlich mit zittrigen Knien, einem fassungslosen Gesichtsausdruck und einer großen Menge Ehrfurcht verlässt - vor einem Mann namens Louis Zamperini.

Kinostart: 15. Januar 2015

Genre: Kriegsdrama

Originaltitel: Unbroken

Filmlänge: 137 Minuten

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