Überwältigende Anteilnahme: 35.000 bei Trauermarsch

Überwältigende Anteilnahme: 35.000 bei Trauermarsch
© Getty Images/Bongarts

Rund 35.000 Menschen haben bei einem Trauermarsch in Hannover Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke gedacht. Der Trauerzug marschierte von der Innenstadt zum Nordeingang des Stadions, wo 18 Kondolenzbücher auslagen. An der Spitze des Marsches trugen unter anderem 96-Manager Jörg Schmadtke, Trainer Andreas Bergmann und der frühere Nationalspieler Hans Siemensmeyer ein schwarzes Banner mit der Aufschrift "Ruhe in Frieden" und einem Konterfei von Enke.

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Zuvor erwiesen unter anderem DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw mit seinen Assistenten Hans-Dieter Flick und Andreas Köpke sowie Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack ihrem toten Freund und Kollegen in der überfüllten Marktkirche die Ehre.

Landesbischöfin Käßmann sagte in ihrer Predigt: "Der Tod dieses Sportlers zeigt, dass Fußball nicht alles ist in unserem Leben. Hinter Beliebtheit und Erfolg kann es auch abgrundtiefe Einsamkeit und Verzweiflung geben." Robert Enke habe nicht gewollt, dass andere Menschen ihm in diesen Weg folgen. "Er hat das Leben geliebt", sagte Käßmann und schloss mit dem Titel einer Fußball-Hymne: "You'll never walk alone - nein, du gehst nicht allein."

Enkes Ehefrau Teresa und sein behandelnder Arzt hatten die schweren Depressionen des 32-Jährigen auf einer Pressekonferenz öffentlich gemacht. "Es war die freie Entscheidung von Frau Enke. Ich denke, sie wollte auch die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren", sagte Hannovers Vereinspräsident Martin Kind.

Tragödie sorgt für Nachdenken

Überwältigende Anteilnahme: 35.000 bei Trauermarsch
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Nach dem Selbstmord des Nationaltorwarts fordern dessen Weggefährten ein Umdenken im Profifußball. "Die Tragödie Robert Enke gibt Anlass, über bestimmte Dinge nachzudenken, die in dem Geschäft üblich sind und hingenommen werden", sagte Schmadtke.

Enkes Krankheit war bis zuletzt für sein berufliches Umfeld unerkannt geblieben. Sein langjähriger Torwarttrainer Jörg Sievers machte deutlich, wie groß das Tabu nach wie vor ist, eine psychische Erkrankung öffentlich zu thematisieren: "Depression wird sicher irgendwo als Schwäche ausgelegt."

Robert Enke wird am kommenden Sonntag beerdigt. Die Fußball-Nationalmannschaft und der komplette Betreuerstab werden an der Trauerfeier teilnehmen.

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