Udo Lindenberg: Ehrenbürger dort, wo es "grau" war

Udo Lindenberg: Ehrenbürger dort, wo es "grau" war
Udo Lindenberg wird Ehrenbürger seiner Heimatstadt Gronau - trotz düsterer Kindheitserinnerungen © Tine Acke/Warner Music

Es ist eine durchaus ansehnliche Ehrung, die Pop-Legende Udo Lindenberg (68, "Stark wie zwei" da zuteil wird: Seine Heimatstadt, das westfälische Gronau, will ihn zum Ehrenbürger machen. Lindenberg sei über die Neuigkeit "total überrascht" gewesen und habe sich "riesig gefreut", erzählte Bürgermeisterin Sonja Jürgens den "Westfälischen Nachrichten". Solche Reaktionen sind einerseits Usus bei derartigen Vorgängen. Und andererseits sind sie in diesem Falle doch erstaunlich: Denn Lindenberg wird nun Ehrenbürger eines Ortes, den er einst wohl nur zu gern verlassen hatte.

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Eine gesunde Hassliebe?

In einem Interview mit dem "Spiegel" hatte der Star vor einiger Zeit über seine Erinnerungen an die Jugendzeit in Gronau gesprochen. Er habe "nicht so die Perspektive" gesehen, bis er mit 15 Reißaus nahm, sagte Lindenberg. Und erklärte auch gleich, was er als Kind am meisten hasste: Feiertage in der Mittelstadt in Westfalen. "Es ging um Tod und war grau in Gronau." "Man ging dann mit der Mutter und irgendwelchen Tanten auf den Friedhof. Und der Vater saß in der Kneipe und besoff sich."

Ohnehin habe es in Gronau eine Art "Alkoholikerkultur" gegeben, sagte Lindenberg dem Magazin "Donna". "Ein Likörchen und Trallala, schon hatte das Leben Karacho. Ich stand schon mit 13 nach der Schule in der Kneipe, rauchte und trank drei Bier. Dann war mir schwindelig, und ich ging nach Hause." Immerhin: "Meine Mutter war immer sehr verständnisvoll."

 

Auch eine enttäuschte "große Liebe" hatte Gronau für Lindenberg parat: "Ich war vierzehn, sie war älter als ich und ging auf das Gymnasium. Und ich bat sie, in Gronau ihr Fahrrad auf dem Schulweg schieben zu dürfen. Das war eine lange Strecke zu ihr nach Hause und immerhin, sie hat sich darauf eingelassen", erzählte der 68-Jährige in dem Interview. Allerdings habe die junge Frau ihn dann doch verschmäht - wohl, weil er nur Realschüler war.

Gleichwohl sieht Lindenberg nach eigener Aussage in dieser Episode auch etwas Positives: Vielleicht habe er nur deshalb später "die großen Lovesongs der Sehnsucht, der unerfüllten Liebe schreiben können - wegen dieser unerfüllten Liebe", sagte er. Und auch den Gronauern scheint er - nach 48 Jahren in Hamburg - längst nicht mehr zu grollen. Über die Bürgermeisterin ließ er den Bewohnern der Stadt "viele Grüße" ausrichten. Sogar eine Art Kosewort für die Einwohner hat Lindenberg: "Gronauten". Vergangenen Sommer hatte er auch gesagt, sein Herz wohne in der Heimat. Damals hatten ihm die Bewohner ein bronzenes Denkmal enthüllt.

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