Udo Jürgens: Darum vermissen wir den Sänger

Udo Jürgens: Darum vermissen wir den Sänger
"Mitten im Leben" mit Udo Jürgens (8.7., 20.15 Uhr, ZDF) © ZDF/Dominik Beckmann

Vor einem halben Jahr ist einer der erfolgreichsten Künstler Österreichs bei einem Spaziergang in der Schweiz zusammengebrochen und wenig später im Krankenhaus an Herzversagen gestorben. Trotz seiner 80 Jahre ein nahezu unfassbarer Schock für alle Fans von Udo Jürgens (1934-2014) und für viele andere auch. Darum fehlt der große Entertainer:

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ZDF zeigt "Mitten im Leben"

 

Seine Hits machen gute Laune

 

Davon können auch die Millionen Oktoberfest-Besucher jedes Jahr ein Lied singen, denn "Griechischer Wein" (1974), "Aber bitte mit Sahne" (1976) oder "Ich war noch niemals in New York" (2001) gehören zum Standard-Repertoire einer jeden Volksfest-Kapelle. Udo Jürgens selbst mochte das wohl. Denn wenn die Leute bei seinen Liedern auf die Bänke stiegen, saß er manchmal "irgendwo in der Ecke und stieg innerlich mit auf die Bank", wie er einmal der "Zeit" erklärte. Ob die Band das Stück dann gut oder schlecht spielt, war ihm dabei übrigens "vollkommen wurscht".

 

Die künstlerische Lücke

 

Was Udo Jürgens musikalisch tat, hätte man aus der Ferne für Schlager halten können: der deutschen Texte und griffigen Melodien halber. Tatsächlich war Jürgens aber nie in der Gefahr, in die peinlichen Abgründe dieses Genres abzurutschen. Da gab es kein Schunkeln, keine platten Emotionalitäten oder billige Witze. Jürgens formulierte seine Texte sorgfältig. Und trug sie vor mit der Grandezza eines Künstlers, der tatsächlich etwas zu erzählen hat. Inhaltlich besaßen seine Texte häufig eine kritische Dimension: "Griechischer Wein" etwa ist eigentlich ein Lied über Gastarbeiter in Deutschland. In "Gehet hin und vermehret euch" übte er schon in den 1980er-Jahren Kritik am Papst. In "Moskau - New York" prophezeite er das Ende des Kalten Krieges. Sein waches Auge hat Jürgens nie verloren. Auch auf dem jüngsten Album "Mitten im Leben" gibt es unter der poppigen Hülle ernste Gedanken, zum Beispiel im Song "Der Mann ist das Problem".

 

Vorbild für andere Bands

 

Apropos, "Ich war noch niemals in New York" (2001). Diesen Hit und seinen Schöpfer ehrten auch die Sportfreunde Stiller 2009 in ihrem "MTV Unplugged in New York". Auf der DVD dazu ist der Sänger im Duett mit Frontman Peter Brugger (42) zu sehen - im eleganten schwarzen Lederanzug. Als Zugabe kamen Brugger, Drummer Florian Weber (41) und Bassist Rüdiger Linhof (42) dann nochmal im weißen Bademantel auf die Bühne - ebenfalls eine Hommage an den österreichischen Gast-Superstar.

 

Sein ganz besonderer Lifestyle

 

Wie auch im "MTV Unplugged" zu sehen ist, nagte der Zahn der Zeit an diesem stets sehr gepflegten Künstler weniger als an anderen. Mag sein, dass das auch an seinem Lifestyle lag, denn Jürgens pflegte sein Image als Lebemann und charmanter Weiberheld. Schönen Frauen war er nie abgeneigt, dem konventionellen Eheleben dagegen sehr. "Ich habe mich immer sehr schnell verliebt", zitierte ihn "Bild.de". Wenn er eine tolle Frau kennenlerne, könne es in einer Sekunde um ihn geschehen sein. "Da hat es strohfeuermäßig gebrannt." In Sachen Treue vertrat er eine eigene Theorie: "Untreue ist ja nicht nur eine Frage des Charakters, sondern Untreue ist vor allen Dingen eine Frage der Chancen." Und zugegeben habe er auch immer alles. Doch, für diese Ehrlichkeit und Geradlinigkeit kann man ihn bewundern.

 

Er war immer da

 

Warum er aber wohl am meisten fehlt, ist deshalb, weil er eigentlich immer da war. Zumindest seit 1955 als sein "Hejo, hejo, Gin und Rum" immerhin schon mal Platz 12 der Single-Charts eroberte. Sein Tod am 21. Dezember 2014 kam so unfassbar plötzlich und traf die Fans und viele andere gleichermaßen so unvorbereitet, als hätten sie nicht wenige Woche zuvor am 30. September den 80. Geburtstag mit ihrem Idol zelebriert.

In Erinnerungen schwelgen können die Fernsehzuschauer am heutigen Mittwochabend nochmal, denn das ZDF zeigt um 20.15 Uhr den Mitschnitt seines letzten großen Konzertauftritts Ende 2014 in seiner Wahlheimat Zürich: "Udo Jürgens - Mitten im Leben".

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