'Twilight' war gestern: Jetzt kommt der Zombie-Lover in 'Warm Bodies' - Filmkritik

'Twilight' war gestern: Jetzt kommt der Zombie-Lover in 'Warm Bodies' - Filmkritik
Der gefühlsduselige Zombie R (Nicholas Hoult) hat ein Problem: Er hat sich verliebt...

3 von 5 Punkten

Ein junger, relativ smarter Untoter verliebt sich ein Mädchen aus Fleisch und Blut, und gegen alle Konventionen versuchen sie, ihrer Liebe eine Chance zu geben. Nein, die Rede ist nicht von 'Twilight', sondern von einer neuen Grusel-Romanze, die in den US-Kinocharts bereits eingeschlagen ist wie eine Bombe. Shootingstar Nicholas Hoult spielt in 'Warm Bodies' einen Zombie, der entgegen allen Klischees tatsächlich ganz große Gefühle entwickelt.

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Hartgesottene Splatter-Fans werden an dem neuen Streifen von Jonathan Levine ('50/50 – Freunde fürs Leben') sicher nicht ihre größte Freude haben, obwohl auch eifrig Gehirne verspeist werden. Bei den allzu blutigen Szenen schwenkt die Kamera diskret zur Seite – das Zielpublikum ab 12 Jahre darf ja nicht verschreckt werden. Stattdessen räumt Levine auf mit dem ewigen Stereotyp des gefühllosen Zombies und präsentiert seinen blassen Hauptdarsteller als nachdenklich-humorige Identifikationsfigur, in dessen leblosem Herz sich tatsächlich zarte Gefühle und die tiefgründige Frage nach der Sinnhaftigkeit der eigenen, blutlüsternen Existenz entwickeln.

Doch zunächst hat es der junge Zombie R (Nicholas Hoult, 'A Single Man'), der sich nicht mehr an seinen Namen erinnern kann, zusammen mit seiner Clique auf die letzten noch existierenden Menschen abgesehen. Clou an der Sache: Die Erinnerungen, die er in sich aufnimmt, wenn er die menschlichen Gehirne verspeist, werden dabei zu seinen eigenen. Als R sich das Gehirn des Teenagers Perry (Dave Franco, 'Fright Night') einverleibt, wird er auf einmal überwältigt von Liebesgefühlen zu Julie (Teresa Palmer, 'Bedtime Stories'), der Ex-Freundin des Getöteten. Übermannt von dem, was noch an Testosteron in seinem leichenzerfledderten Körper übrig ist, entführt R Julie zu seinem Unterschlupf, einem ausrangierten Flugzeug auf dem nahegelegenen Airport.

Viel Liebesschmerz statt fieser Ekelattacken

'Twilight' war gestern: Jetzt kommt der Zombie-Lover in 'Warm Bodies' - Filmkritik
Hat die Liebe zwischen Julie (Teresa Palmer) und dem Zombie R eine Chance?

Und natürlich entflammt die zunächst angsterfüllte Julie für den immer menschlicher werdenden R, auch wenn in seinen Mundwinkeln noch Reste menschlicher Eingeweide kleben. Überhaupt haben die Maskenbildner hier und bei den anderen Zombies ganze Arbeit geleistet. Wer jedoch auf spektakuläre Special Effects wartet, tut dies leider vergeblich. Aber der Spannung tut dies keinen Abbruch: Als die beiden vor anderen Zombies fliehen müssen, die den Geruch menschlichen Lebens wittern, überschlagen sich aber die Ereignisse. Und dann gibt es noch Julies Vater (John Malkovich), der natürlich nur ein Ziel verfolgt: Alle Zombies auszulöschen.

Zugegeben, man muss sich an die Absurdität der Geschichte in 'Warm Bodies' erst einmal gewöhnen. Natürlich ist das Grundgerüst der Story schon seit den 'Twilight'-Filmen nichts Neues mehr, und auch der leichenblass geschminkte Nicholas Hoult sieht (selbstverständlich!) immer viel zu gut aus, als dass man auch nur ansatzweise Ekel empfinden könnte. Die Liebesgeschichte zwischen R und Julie grenzt zwar oft haarscharf an der noch erträglichen Pathosgrenze, aber es macht dennoch Spaß, Hoult und Palmer bei ihrem ganz eigenen 'Romeo und Julia'-Verschnitt zuzusehen. Andererseits hat man leider immer wieder das Gefühl, einen weiteren Teil der 'Scary Movie'-Reihe zu sehen, so absurd und ironisch sind viele der Szenen. Und das ist leider das große Manko des Films: Gewollt war diese unfreiwillige Komik ganz sicher nicht.

Von Norbert Dickten

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