Turbulente Rennen mit Akkuschrauber-Boliden

Akkuschrauberrennen
Ein abenteuerliches Gefährt - und wohl durchdacht. Foto: Alexander Körner © DPA

Die Stimmung ist ein bisschen wie bei der Formel 1. In der "Boxengasse" laufen die letzten Vorbereitungen, die Fahrzeuge werden noch einmal eingestellt und gecheckt. Nur das laute Motorengedröhne fehlt.

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Denn die Boliden beim Wettrennen auf dem Campus der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim werden nicht von vielzylindrigen PS-Monstern angetrieben - sondern von handelsüblichen Akkuschraubern.

Nach den Vorbereitungen geht es zum Test auf die Strecke, die Fahrer drehen erste Runden. Gestapelte Reifen dienen in den Kurven als Absperrung. Immer zwei Teams fahren gegeneinander. Der Antrieb der Wagen ist dabei nicht die einzige Besonderheit: Die Fahrzeuge stammen aus dem 3D-Drucker.

Am Samstag gingen elf Mannschaften von Hochschulen aus Deutschland, Polen und den Niederlanden an den Start. Die Studenten lieferten sich harte Kämpfe, Kollisionen auf dem engen Parcours blieben nicht aus. Die Fahrer saßen, standen oder lagen bäuchlings auf ihren Boliden.

Genau 60 Sekunden haben die Studenten Zeit, um das Fahrzeug startklar zu machen und den aufgeladenen Akkuschrauber einzusetzen. Dann geht es los, zwei Runden über einen Parcours. Das Team "Toxic" der Hochschule Coburg fährt das erste Rennen gegen das Team "menschmaschine" der HAWK Hildesheim. In den Kurven wird es eng, die Coburger gewinnen. Der Akkuschrauber der Hildesheimer versagt schon in der ersten Runde. Gleich beim zweiten Rennen gibt es eine Kollision, beide Teams fallen aus. Verletzt ist niemand.

Zwei Semester hat das Team "Tilt" von der Köln International School of Design (KISD) an ihrem Rennfahrzeug gebaut. "Die Konstruktion für die Halterung des Akkuschraubers sieht etwas abenteuerlich aus, das ist aber total durchdacht", erklärt die 21-jährige Anastasia Bondar, die den Boliden fährt. "Wir zielen darauf ab, eine gute Kurvengeschwindigkeit zu erreichen." Regenreifen gibt es nicht, aber nach Wolkenbrüchen ist es pünktlich zu Rennbeginn trocken.

Auch das Team "MoPET" der HAWK hat ein Jahr an seinem Wagen gewerkelt. "Wir wollten zeigen, dass man auch mit einem kleinen Drucker - wie im Baumarkt erhältlich - arbeiten kann", sagt Tim Funke. Das Drucken der einzelnen Bauteile habe zwischen 15 und 50 Stunden gedauert, insgesamt 876 Stunden wurde gedruckt, 34 Teile verbaut. "Wir haben komplett alles selbst gefertigt und viel dabei gelernt", sagt der 22 Jahre alte Produktdesign-Student.

Bei den Fahrzeugen musste unter anderem eine Distanz von mindestens 50 Zentimetern zwischen den Achsen allein tragend mit einem Bauteil aus dem 3D-Drucker überbrückt werden. Die Zuschauer feuern die Fahrer und Teams begeistert an. "Wir sind guter Dinge, motiviert und zuversichtlich - da kann gar nichts schieflaufen", sagt Lucca Prohl, Student an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd.

Sein Team "Skypeway to Hell" siegt am Ende in der Kategorie technische und gestalterische Umsetzung, schnellstes Fahrzeug ist der Bolide von "Screwdriver" der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel. Die meisten Publikumsstimmen bekam hingegen das heimische Hildesheimer Team "MoPET" - trotz technischer Probleme während des gesamten Rennens.


dpa
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