Tuntiger Glitzer-Ken mischt Spielzeug-Oldies auf

Alt trifft Neu: 'Toy Story'-Helden machen neue Spielzeugbekannstchaften

Tuntiger Glitzer-Ken mischt Spielzeug-Oldies auf

Fortsetzungen haben den Ruf, oft nicht an den Vorgänger anknüpfen zu können. Handelt es sich dann noch um einen dritten Teil, der an einen nicht besonders grandiosen zweiten Teil anschließt, ist der Zug meistens endgültig abgefahren. Allen Zweifeln zum Trotz hat sich das Animationsstudio Pixar an ‚Toy Story 3’ gewagt – und das ganze elf Jahre nach Veröffentlichung des zweiten Teils. Aber gelingt es Regisseur Lee Unkrich (‚Findet Nemo’), die Vorurteile aus der Welt zu schaffen?

Weil der ehemals kleine Andy mittlerweile zum Teenager herangewachsen ist, führt die Spielzeugbande rund um Cowboy Woody und Space Ranger Buzz ein ziemlich tristes Dasein: Während sie tagsüber still und leise in einer Holztruhe vor sich hin vegetieren, trauern sie in nächtlichen Sitzungen ihrem alten, abenteuerlustigen Leben hinterher. Als ihr alter Freund Andy dann seine Sachen für’s College zusammenpackt, wird endgültig klar: Sein Leben dreht sich nicht mehr um Spielzeugcowboys, Weltraumhelden und Plastikdinosaurier.

Sie befürchten, auf den Dachboden abgeschoben und dort endgültig vergessen zu werden. Das muss verhindert werden! In einem waghalsigen Manöver schmuggeln sie sich in eine Kiste, die für den ‚Sunnyside’-Kindergarten bestimmt ist. Die helle Vorfreude über die vielen Kinder wird allerdings bald getrübt: Spielzeug-Neulinge müssen in Sunnyside nämlich zuerst mal in die Krabbelgruppe – und die lieben Kleinen gehen nicht gerade zimperlich mit ihnen um. Und auch die anderen Spielzeuge in Sunnyside – allen voran ein rosafarbener Plüschbär namens Lotso - bergen noch so ihre Geheimnisse…

Während Pixar zwar auch im dritten Teil auf Altbewährtes setzt, kommen noch zahlreiche neue Figuren hinzu. Ob ein aufgetakelter Ken im Glitzer-Outfit, der mit pinkem Traumhaus und immenser Klamottensammlung bei Plastikblondine Barbie punkten will, oder einem Spielzeug-Igel, der als großer Theaterfan hauptsächlich in Shakespeare-Zitaten spricht: Die Macher haben bei der Entwicklung der neuen Charaktere viel Kreativität und Liebe zum Detail bewiesen

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Gelungener Spagat zwischen liebevollem Kinderfilm und anspruchsvoller Animationskomödie

Und bei den schon bekannten ‚Toy Story’-Helden kommen ganz neue Facetten ans Licht: Space Ranger Buzz zeigt nach einem technischen Defekt seine feurige Seite und tanzt sich als spanischsprechender Flamencojüngling ins Herz von Cowgirl Jessie. Das sonst so toughe Spielzeugmädchen benimmt sich auf einmal wie ein verliebter Teenie, womit sie Woody fast auf die Palme bringt. Allein diese Konstellation ist zum Schießen!

Besonders gut gelungen ist den Machern hier der Spagat zwischen liebevollem Kinderfilm und anspruchsvoller Animationskomödie für eine ältere Generation. Auch die Witze sind immer breit gefächert: Lustige Bildsprache für die Kleineren wird gespickt mit doppeldeutigem Wortwitz, der bei allen jenseits der 15 punktet. Während Kinder hier zum Beispiel hauptsächlich über Kens lächerliches Getue lachen, amüsieren sich Erwachsene über die extrem ironischen Kommentare der restlichen Spielzeugfraktion.

Ganz klar ist bei ‚Toy Story 3’ auch ein pädagogischer Ansatz zu erkennen: Der ganze Film dreht sich ums Erwachsenwerden und neue Lebensabschnitte werden hier sowohl bei den Menschen als auch beim Spielzeug thematisiert. Trennungen müssen überwunden, neue Freundschaften geschlossen, aber auch auf die Probe gestellt werden. Die Ereignisse in Sunnyville zeigen, dass der Schein auch trügen kann. Eine Schlüsselfigur ist hier eindeutig Ken, der im Film eine Wandlung vom arroganten Egoisten zum verlässlichen Freund durchlebt. Für Kinder sicher lehrreich, gibt dieser Ansatz auch dem ein oder anderen Erwachsenen einen Denkanstoß.

Neben der einfallsreichen Story und der detailgetreuen Aufmachung der Charaktere, kann man sich auch über die 3D-Effekte nicht beschweren. Fazit: Dieser Film hat die Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Getreu dem Motto „Aller guten Dinge sind Drei!“ ist diese Animationskomödie nicht nur den Kleinen zu empfehlen, sondern auch Erwachsenen, die dann bestimmt ein bisschen in Kindheitserinnerungen schwelgen werden.

Von Maike Nagelschmitz

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