'Traumfrauen' mit Hannah Herzsprung und Elyas M'Barek

von
Traumfrauen
Hannah Herzsprung und Elyas M'Barek gehen auf Tuchfühlung © 2015 Warner Bros. Ent.

3 von 5 Punkten

„Kinder, macht euer Glück nicht von einem Mann abhängig“, raunt Iris Berben ihren Filmtöchtern zu, als sie nach einem Herzinfarkt tadellos frisiert im Krankenhausbett aufwacht. „Macht mal was Verrücktes. Macht mal Oralsex.“ Tja, und viel tiefgründiger wird’s dann auch nicht mehr. Deutsche Komödie halt. Dafür gibt’s in ‚Traumfrauen‘ voll gute Mucke, hipstermäßige Styles und voll krass coole Schauspieler, die durch hippe Locations turnen und dabei ganz versaute Sachen sagen. Ach ja: Elyas M’Barek ist auch dabei!

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M’Barek tut dem Film gut, weil dieser ohne ihn hoffnungslos im Kitsch-Massaker geendet wäre. Selbst Hannah Herzsprung (‚Der Geschmack von Apfelkernen‘, ‚Der Vorleser‘), eigentlich eine tolle Schauspielerin, scheint nicht so richtig mit ihrer Rolle warm geworden zu sein, weshalb sie sich oft in affektiertes und exaltiertes Verhalten flüchtet. Und dann ist da noch Palina Rojinski (‚Männerherzen‘) - keine Frage eine schöne Frau. Schauspielerin ist sie aber (noch) nicht. Trotzdem kauft man ihr die Rolle vom sprunghaften Vamp Vivienne ab, die in absurd schrillen Fummeln durch die Clubs zieht und ihren etwas naiven Freundinnen Leni (Hannah Herzsprung) und Hannah (Karoline Herfurth; ‚Fack ju Göhte‘, ‚Das Wunder von Berlin‘ ) Liebes-Lektionen erteilt. Die haben die Schwestern auch bitter nötig - genau wie Mutter Margaux (gespielt von einer zeitlos schönen Iris Berben; ‚Es kommt der Tag‘, ‚Buddenbrooks‘). Man kann es so zusammenfassen: Die Familie Reimann ist romantisch gesehen ein Pflegefall.

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Iris Berben spielt Margaux, die Mutter von Leni (Hannah Herzsprung) © 2015 Warner Bros. Ent.

Warum? Darum: Leni ertappt ihren Freund während eines Videochats beim Fremdgehen. Die Lady, die in knappem Hängerchen und Strapsen durchs Bild dackelt, ist zu allem Überfluss auch noch in freudiger Erwartung. Ein Liebes-GAU. Ihre Schwester Hannah schmeißt sich derweil devot wie eine läufige Hündin an ihren Anwaltskollegen Constantin. Das gipfelt dann in so sinnigen Dialogen wie diesem: „Hey, Süßer! Bist du bereit?“ „…?“ „Wir waren doch verabredet“ „Schon wieder?“ „Soll ich dir einen blasen?“ „Okay“. Spätestens hier wird klar: Oralsex spielt in dem Film ganz offensichtlich eine tragende Rolle. Vorläufiges Lowlight ist in diesem Zusammenhang eine Szene, in der Hannah mit ihrem Macho-Ex abrechnet und sich vor der piekfeinen Kanzlei-Belegschaft eine Banane bis zum Anschlag in den Hals stopft. Bringt die Handlung null voran, sieht aber eklig aus und soll dem Verflossenen suggerieren: ‚Sehe her, was du dir entgehen lässt. Ha!‘. Ach ja, und dann ist da noch Mutter Margaux, die nach 35 Jahren Ehe durch eine Jüngere ausgetauscht wird und noch mit ihrer neugewonnenen Freiheit hadert. Schön gespielt, aber schon mindestens tausend Mal durchgenudelt (die Thematik, nicht die Berben!).

Leni, Hannah und Vivienne gründen eine WG, die eher wie eine schick-abgeranzte Boutique in Berlin Friedrichshain wirkt. Eine Partynacht wird zum Wendepunkt im Leben der Drei: Hannah dämmert es (Endlich!, möchte man schreien und das Mädchen kräftig schütteln), dass Constantin nicht ihr Traumprinz ist. Leni lernt Joseph (M’Barek; ‚Türkisch für Anfänger‘, Fack ju Göhte‘) kennen, der seinen Part so rührend zurückhaltend spielt, dass ihn wohl sämtliche Zuschauerinnen sofort mit nach Hause genommen hätten. Lenis Leitung ist da leider bedeutend länger. Und Vivienne? Ja, die lernt auch wen kennen und merkt plötzlich, dass nicht alle Kerle so mies drauf sind wie ihr Papa, der sich damals aus dem Staub gemacht hat. Der Film ist nett, charmant, süß, hat seine Momente. Er lebt von intensiven Bildern, cooler Musik und hält auch den einen oder anderen Lacher bereit. Für einen entspannten Kinoabend reicht das allemal.

Von Christina Rings

Kinostart: 19.02.2015

Genre: Komödie

Originaltitel: Traumfrauen

Filmlänge: 109 Minuten

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