Tom Tykwer: Von Wuppertal nach Hollywood

Tom Tykwer: Von Wuppertal nach Hollywood
Tom Tykwer und seine Frau Marie Steinmann bei der Premiere von "Cloud Atlas" 2012 in Los Angeles © Chris Pizzello/Invision/AP

Aus dem Tal der Wupper hinauf auf die Hollywood Hills: Diesen ungewöhnlichen Weg von der heutigen "Großstadt im Grünen" am Rande des damals noch rauchigen Ruhrpotts in den Glamour-Olymp legte der Filmemacher Tom Tykwer seit seiner Geburt am 23. Mai 1965 in Wuppertal zurück. Dazwischen gab es vor allem eines: Filme. Mehr als 15 renommierte Auszeichnung und ein Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin zeugen bislang davon, dass der Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Musiker ein echtes Händchen für sein Metier hat. So gut wie jeder Streifen erregt Aufsehen - woran sein Privatleben direkt oder indirekt nicht ganz unbeteiligt ist.

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Zum 50. Geburtstag

 

Große Filme

 

Auch wenn es chronologisch nicht stimmt, steht "Lola rennt" (1998) in Tykwers Filmografie an erster Stelle, denn dieser experimentierfreudige Film katapultierte nicht nur den Regisseur selbst, sondern auch seine Hauptdarsteller Franka Potente (40) und Moritz Bleibtreu (43) mittenrein ins grelle Rampenlicht. Und das obwohl sein Streifen "Winterschläfer" mit Heino Ferch (51), Josef Bierbichler (67) und Saskia Vester (55) ein Jahr zuvor schon Aufsehen erregte hatte. Denn das Drama wurde mit acht Filmpreisen ausgezeichnet, darunter zwei Deutsche Filmpreise (Kamera und Regie).

Ähnlich erfolgreich war aber sogar schon Tykwers Spielfilmdebüt "Die tödliche Maria" (1993) mit Nina Petri (51) und Joachim Król (57), die beide später auch in "Lola rennt" zu sehen waren. Mit Król arbeitete er dann erneut für "Der Krieger und die Kaiserin" (2000) zusammen. Dieser "Heimatfilm" mit den Hauptdarstellern Franke Potente und Benno Fürmann (43), der überwiegend in Tykwers Heimatstadt Wuppertal spielt, wurde im Jahr 2000 als offizieller Wettbewerbsbeitrag bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig eingereicht. Damals ging er zwar leer aus, dafür gab's den Deutschen Filmpreis 2001 in Silber für den besten Film.

Mit "Heaven" und der australischen Hauptdarstellerin Cate Blanchett (46) stieg Tykwer 2001 ins internationale Geschäft ein. "Diese Herausforderung wollte ich unbedingt annehmen", sagte er damals. Mit "The International" (2009), einem Politthriller mit Naomi Watts (46), Clive Owen (50), Armin Mueller-Stahl (84) und Ben Whishaw (34), sowie der Romanverfilmung "Cloud Atlas" (2012) mit den Hollywood-Stars Tom Hanks (58), Halle Berry (48), Susan Sarrandon (68), Hugh Grant (54) und ebenfalls Ben Whishaw folgten zwei weitere internationale Produktionen. "Cloud Atlas" gewann nicht nur fünf Deutsche Filmpreise, sondern war auch für einen Golden Globe nominiert.

Mit dem britischen Schauspieler Ben Whishaw verbindet Tykwer zudem einen seiner größten Erfolge: In der Romanverfilmung "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" (2006) von Produzent Bernd Eichinger (1949-2011) nach dem Buch von Patrick Süskind (66) gab der die mörderische Hauptrolle. Der erfolgreiche Film mit den Schönheiten Rachel Hurd-Wood (24), Karoline Herfurth (30) und Jessica Schwarz (38) spielte weltweit mehr als 135 Millionen Euro ein... Und weil aller guten Dinge "Drei" (2010) sind, darf auch das gleichnamige Drama über eine Dreiecksbeziehung in Berlin mit Sophie Rois (53), Sebastian Schipper (47) und Devid Striesow (41) in den Titelrollen nicht fehlen. Für diese Leistung gab es, wie sollte es auch anders sein, drei Deutsche Filmpreise.

 

Wenig Drama

 

Neben den vielen ungewöhnlichen Filmprojekten hat natürlich auch Tom Tykwer ein Privatleben. Das zeichnet sich allerdings vor allem durch Kontinuität aus, denn wilde Affären und andere Dramen sucht man in seiner Vita vergebens. Bekannt ist, dass er von 1998 bis 2002 mit Schauspielerin Franka Potente liiert war. Seit 2003 ist er mit der zehn Jahre jüngeren Grafikdesignerin Marie Steinmann zusammen. Seit 4. Dezember 2009 sind die beiden Wahl-Berliner verheiratet, seit 19. Dezember 2009 Eltern eines Sohnes.

Dem "KulturSpiegel" sagte Tykwer einmal: "Ich kann mich darauf einlassen, bestimmte Triebe für den Vorteil zu opfern, dass ich in einer beschützenden, verbindlichen Beziehung leben kann. Ich glaube an diese Vereinbarung, auch in meinem eigenen Leben." Der Mangel an großen privaten Dramen ist in seinem Fall also die Basis für sein großes filmisches Schaffen.

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