'Tom Sawyer‘ als Einschlafhilfe

Der Kinoadaption von 'Tom Sawyer' fehlt der Mark-Twain-Spirit.
Der Kinoadaption von 'Tom Sawyer' fehlt leider der Mark-Twain-Spirit. © dpa, Majestic

Bewertung: 1,5 von 5 Sternen

Spannungsbögen werden überschätzt! Kamerafahrten? Gute Musik? Brauchen wir nicht. Das scheint den Filmproduzenten durch den Kopf gegangen zu sein, als sie sich an dem Roman 'Die Abenteuer des Tom Sawyer‘ zu schaffen gemacht haben. 109 Kinominuten plätschern dahin, während sich der Zuschauer fragt, warum ihn die Geschichte so kalt lässt, die beim Lesen nach wie vor Millionen von Mark-Twain-Fans berührt. Obwohl sich das Drehbuch eng an der Buchvorlage orientiert, liegen Welten zwischen dem Kopfkino, das beim Lesen des Weltbestsellers entsteht, und dem, was Regisseurin Hermine Huntgeburth letztendlich auf die reale Kinoleinwand gebracht hat.

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Das fängt bei Mängeln in der technischen Umsetzung an und hört bei den Charakteren auf, die wir im Buch lieben und fürchten gelernt, mit denen wir mitgefiebert haben - und die einem im Film so gar nicht ans Herz gehen. Vielleicht wäre die Rolle von Indianer Joe (Benno Fürmann) ohne rotbraune Farbe und Plastiknase im Gesicht authentischer gewesen. So jedoch verkommt der Antagonist zu einer Witzfigur – und wie spannend kann eine Story sein, bei der ein unglaubwürdiger Feind die beiden Helden jagt?

Dabei hat die Geschichte um den Waisenjungen Tom Sawyer (gespielt von Louis Hofmann) jede Menge Potenzial für die große Leinwand: Tom und sein bester Freund, der Herumtreiber Huckleberry Finn (Leon Seidel), sind wild, frei und suchen das Abenteuer. Doch als sich die beiden eines Nachts auf den Friedhof schleichen, wo sie einen Heilzauber gegen Warzen versuchen wollen, wird ihnen die ständige Neugierde zum Verhängnis: Unfreiwillig werden sie Zeugen eines Mordes.

Indianer Joe (Benno Fürmann) ersticht den jungen Dorfarzt Robinson, nachdem ein Streit furchtbar eskaliert ist. Tatwaffe ist das Messer des im Kampf bewusstlos geschlagenen Landstreichers Muff Potter (Joachim Król). Als Muff wieder zu sich kommt, macht ihn Joe glauben, er sei der Mörder. Mit schlimmem Gedächtnisschwund wird der alkoholkranke Potter ins Gefängnis geworfen. Doch Tom kann nicht tatenlos zusehen, wie Muff zum Tode verurteilt wird. Obwohl er große Angst vor den vermeintlichen Zauberkräften des Indianers hat, entlastet er Potter bei Gericht und rettet ihm so das Leben. Von nun an jedoch, müssen Huck und Tom selbst um ihr Leben fürchten, denn Joe gelingt es, aus dem Gerichtsgebäude zu entkommen und schwört Rache. Eine Flucht über den Mississippi beginnt.

Tom Sawyer und Huckleberry Finn gehören wie Pipi Langstrumpf und Peter Pan zu den unsterblichen Helden der Kinderliteratur. Die Geschichte steht wie kaum eine andere für den Drang nach Freiheit und Abenteuer - nur leider spürt man davon auf der Leinwand rein gar nichts mehr.

Aber was kann man schon von einem Film erwarten, bei dem die beste schauspielerische Leistung von den jüngsten Darstellern, Louis Hofmann und Leon Seidel, erbracht wird, und sich sowohl Heike Makatsch (spielt Toms Tante Polly), als auch Benno Fürmann in ihren Rollen ziemlich unwohl zu fühlen scheinen. Fazit: Die 1,5 Sterne gibt’s für Louis und Leon - und für die kalte Jahreszeit gibt’s den Roman 'Die Abenteuer des Tom Sawyer‘ von Mark Twain.

Von Christina Rings

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