Tom Cruise als Sex- und Rockgott: 'Rock Of Ages'

Tom Cruise als Sex- und Rockgott: 'Rock Of Ages'
© dpa, Warner Bros.

3 von 5 Punkten

Ausgerechnet der biedere Scientologe und Fönfrisurträger Tom Cruise spielt in der Leinwandadaption des Musicals ‚Rock Of Ages‘ den Rockgott Stacee Jaxx? Urteilen Sie nicht vorschnell über den Mann, der sicher nicht der beste Schauspieler der Welt ist, aber tatsächlich singen kann und im Abgesang auf die wilden Achtziger die Bühne rockt, wie man es heute nur noch selten sieht.

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„Als ich ihn im Abspann von ‚Tropic Thunder‘ gesehen hab, wusste ich, der Mann kann alles“, verriet uns Regisseur Adam Shankman (‚17 Again‘, ‚Hairspray‘) im exklusiven Interview. Und er engagierte Cruise, obwohl er ihn noch nie eine Note hatte singen hören. Ein großes Risiko, denn Cruise‘ Figur, Rocklegende Stacee Jaxx, ist die heimliche Kultfigur des Musikfilms und muss einige Bühnenauftritte absolvieren. Doch Cruise macht sich prächtig als muskelbepacktes Alphamännchen, das in seiner ersten Szene erstmal total zugedröhnt aus einem Haufen Groupies hervorkriecht, weil es im Rausch mal wieder fast seinen Auftritt verpennt hätte. Doch kaum ist die Schnaps- und Koksleiche auf der Bühne, ist der Mann in seinem Element und gibt eine Show, die selbst die größten Zweifler umstimmt und selbst den peinlichen Hopser auf Oprahs Sofa vergessen macht.

Stacee Jaxx ist einer der Rockgötter des ‚Big Hair Rock‘ der späten Achtziger, die auf der Bühne nie mehr trugen als eine speckige Lederhose und vielleicht noch einen dicken Gürtel. Jungs, die schon bei ihren Auftritten vor Testosteron sprühten – und hinterher im Tourbus bei den Groupies noch viel mehr. Jungs, deren Musik noch handgemacht war, und zwar so, dass sie dabei schwitzten. Und die Mädels fanden das besonders sexy. Doch diese Ära scheint 1987 zu Ende zu gehen, und so steht Stacey Jaxx vor seinem letzten Auftritt mit seiner Band Arsenal, bevor er eine Solokarriere startet.

Simple Story, großartige Einzelleistungen

Tom Cruise als Sex- und Rockgott: 'Rock Of Ages'
© dpa, Warner Bros.

Das Abschiedskonzert soll den legendären Club ‚Bourbon Room‘ auf dem Sunset Strip vor der Pleite bewahren – und seine Besitzer, Alt-Rocker Dennis (herrlich, auch wenn er nicht singen kann: Alec Baldwin) und seinen schrägen Compagnon Lonny (schlimme Vokuhila-Matte, aber herzig: Russell Brand). Das Ganze erlebt der Zuschauer aus der Perspektive des jungen Pärchens Sherrie (Julianne Hough aus ‚Footloose‘) und Drew (der mexikanische Popstar Diego Boneta). Beide kellnern im Bourbon Room, um einen Blick auf ihre Idole zu erhaschen und selbst als Rockstars groß rauszukommen. Doch während die Großen wie Stacey Jaxx vom Absturz bedroht sind, scheint es für Sherrie und Drew unerreichbar, überhaupt erstmal dorthin zu kommen.

Die Story ist ein bisschen dünn, dafür aber umso dicker und mit ein paar Längen aufgetragen, und auch die Übertragung des Bühnenstoffes auf die Leinwand hätte inspirierter ausfallen können. Aber alle haben so unverhohlen Spaß bei der Sache, dass es einfach ansteckend ist. Die Gesangsnummern von Alec Baldwin und Paul Giamatti sind so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Die beiden Jungstars hingegen schwächeln in den Sprechszenen, überzeugen dafür aber umso mehr in den Gesangs- und Tanzeinlagen. In einer feinen kleinen Nebenrolle als böse Zicke zeigt Catherine Zeta-Jones, was Musical-Erfahrung wert ist, und R&B-Queen Mary J. Blige singt als Puffmutter alle an die Wand. So ist für jeden was dabei, selbst für Menschen, die die Musik von Foreigner, Def Leppard oder Bon Jovi nicht so prickelnd finden. Denn die Vorstellung lohnt schon wegen Tom Cruise, der nie besser und selbstironischer war als in ‚Rock Of Ages‘.

Von Mireilla Zirpins

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