Tim und Struppi 3D: Das Geheimnis der Einhorn

Tim und Struppi 3D: Das Geheimnis der Einhorn
© dpa, Sony Pictures

4,5 von 5 Sternen

Steven Spielberg und Peter Jackson verfilmen gemeinsam die Abenteuer von Tim und Struppi – höher könnten die Erwartungen an eine Comicverfilmung nicht sein. Doch kann das mit Daniel Craig, Andy Serkis und Jamie Bell hochkarätig besetzte Motion-Capture-Abenteuer auch eingefleischte Fans der Serie, die im Original ‚Tintin’ heißt, überzeugen?

- Anzeige -

Die schlechte Nachricht für eingefleischte Tintinologen vorweg: Steven Spielberg, der Regie führte, während Peter Jackson als Produzent und Second-Unit-Director fungierte, hat Hergés weltberühmten Comic nicht Bild für Bild nachgestellt, sondern Elemente aus drei Büchern in einem Film vereint. Die gute Nachricht: Das 3D-Abenteuer ist optisch und dramaturgisch überzeugend und auch als Abenteuerfilm eine runde Sache.

Nach dem wunderschönen Retro-Vorspann fragt man sich zwar einen Moment lang, ob man statt der ‚ligne claire’ der alten Hergé-Comics wirklich eine fotorealistische Darstellung in 3D gebraucht hätte, bei der die Schauspieler in Spezialanzügen vor der Bluescreen agieren und erst im Studio zu Trickfiguren bearbeitet werden. Denn es erfordert schon eine gewisse Eingewöhnungszeit, bis man diesen stupsnasigen und etwas blassen Tim akzeptiert, der den Klasseschauspieler Jamie Bell (‚Billy Elliot’) gänzlich hinter einer kindlichen Maske verschwinden lässt und ihm wenig Raum zum Minenspiel gibt.

Tim und Struppi 3D: Das Geheimnis der Einhorn
© dpa bildfunk

Andererseits umweht Tim auch in den Comicheften die Aura des Unverbesserlichen, und so freut man sich, dass dem findigen Jungreporter und seinem schlauen Hund Struppi bald weitere bekannte Gesichter aus Hergés Kosmos zur Seite gestellt werden: zum Beispiel der versoffene Kapitän Haddock (charismatisch hinter all der Tricktechnik: Motion-Capture-Spezialist Andy Serkis, der bereits als Gollum und King Kong überzeugt und vermutlich eine Stubenfliege oscarreif verkörpern könnte) und die trotteligen Detektive Schultze und Schulze (gespielt von den Brit-Komikern Simon Pegg und Nick Frost).

Die sind seine Verbündeten bei der Suche nach dem Geheimnis der ‚Einhorn’. Denn Tim hat auf dem Flohmarkt günstig das gleichnamige Schiffsmodell erstanden, an dem auch der mysteriöse Sakharin (kaum erkennbar unter der digitalen Maske: Daniel Craig) Interesse hat. Auf einmal wird Tims Apartment aufgebrochen und der Modell-Kahn entwendet. Zurück behält Tim nur eine Schatzkarte, die Struppi zum Glück in einem Mast entdeckt hatte. Doch dann wird ihm auch die gestohlen, und Tim wird entführt und landet auf hoher See bei Sakharin…

Wer nicht sklavisch auf dem Wortlaut beharrt, vermag die dramaturgischen Qualitäten von Spielbergs extrem freiem Umgang mit der Vorlage zu schätzen. Die Handlung kommt schnittiger und moderner daher und bietet vor allem mehr Gags als das Original. Schnell entwickelt die spannende Story einen Sog. Liebhaber verspielter Tricktechnik können Spielbergs Detailverliebtheit und die äußerst kreativen Überblendungen genießen – und sich auf die Fortsetzung freuen: Da soll nämlich Peter Jackson auf dem Regiestuhl sitzen.

Von Mireilla Zirpins

— ANZEIGE —