Tim Burton: "Alice" ist nicht zu brutal für Kinder

Tim Burton: "Alice" ist nicht zu brutal für Kinder
© WENN, NC1

Der Alice-Regisseur findet nicht, dass sein Film zu düster für Kids ist. Im Interview erzählt er Kinoredakteurin Mireilla Zirpins, wie er mit der neuen 3D-Technik zurechtgekommen ist und warum einige Kinos seinen Film boykottieren wollten.

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Einige Kinos wollten die Ausstrahlung deines Films boykottieren, weil ihnen die Zeit bis zur DVD-Veröffentlichung zu kurz war. Was für eine Lösung hast du gefunden?
Es war recht dramatisch, und ich bin froh, dass es vorbei ist. Der Film kommt jetzt schon nach drei Monaten auf DVD raus, das sind wohl die Anforderungen in der Branche. Ich kann nicht sagen, dass ich happy über all das bin. Ich persönlich denke, dass Leute, wenn sie einen Film sehen wollen, auch ins Kino gehen, wenn er ein paar Wochen später auf DVD erscheint.

Wie hat 3D deine Arbeit verändert?
Man hat das Gefühl, man entwickelt sich zurück. Normalerweise kann ich mir am nächsten Tag ansehen, was ich gedreht habe. Hier bekomme ich die Resultate nach Monaten zu sehen. Es ist wie bei einem Puzzle, man muss all diese verschiedenen Techniken miteinander kombinieren. Und selbst mit den Schauspielern ist es schwierig. Alice hat nie die richtige Größe. Sie ist immer zu groß oder zu klein und durfte daher am Set nicht neben den anderen stehen. Aber es wird uns alle verändern. Erst braucht Hollywood eine Weile, dann machen es alle. Ich wette, wir sehen im nächsten Jahre eine Menge schlechter 3D-Filme. Es ist ein Werkzeug, aber nicht das Allheilmittel. Aber es wird Bestand haben in dem Geschäft.

Wie befriedigend ist die neue Technik für dich als Regisseur?
Es ist frustrierend. Es war ja mein erstes Mal mit 3D. Und jedes Projekt ist einzigartig, sodass man nicht mal fürs nächste Mal lernen kann.

Du wohnst im alten Haus des Alice-Illustrators aus dem 19. Jahrhunderts. Hast du bei der Arbeit an dem Film seinen Geist gespürt?
Im Ernst: Mein Fahrer hat seinen Geist gesehen. Das ist kein Scherz. Ich finde die Geschichte toll. Das Haus sieht aus wie eine von Arthur Rockhams Zeichnungen.

Was hat dich so an Alice gereizt?
Vieles aus den Büchern ist in die Kultur eingegangen – jeder kennt die Grinsekatze. Das Schöne an Lewis Carroll ist, dass er trotz aller Interpretationsversuche immer kryptisch geblieben ist. Es gibt so viele Theorien über ihn, du kannst sein Werk analysieren, aber es ist wie mit dem Da-Vinci-Code: Man kommt niemals ganz dahinter.

Was sagst du Menschen, die Alice zu brutal für Kinder finden?
Viele Erwachsene vergessen gern, wie es ist, ein Kind zu sein.

Hast du denn deine Kinder im Hinterkopf, wenn du Filme machst?
Ich glaube nicht, dass die Geburt meiner Kinder in dieser Hinsicht was verändert hat. Vielleicht kommt das noch.

Warum ist Humpty Dumpty nicht im Film?
Tja, irgendwer musste dran glauben, vermutlich vermisst der eine oder andere seinen Liebling, die falsche Schildkröte fehlt ja auch. Ich habe in einer Szene Humpty Dumptys Bild im Hintergrund aufgehängt.

Deine Lebensgefährtin Helena Bonham Carter hat mir eben erzählt, dass sie die Regel aufgestellt hat, dass daheim nicht über eure Filmprojekte geredet wird. Wie schwer ist das für dich, dich dran zu halten?
Ha, sie hat doch die größten Probleme, das auch zu leben. Ich kann sehr gut nicht über ein Thema reden. Ich bin sehr glücklich, wenn ich mal nicht reden muss.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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