Tim Bendzko im exklusiven Interview

Tim Bendzko im Interview
Tim Bendzko besuchte ein Sportgymnasium und spielte acht Jahre in der B-Jugend beim 1. FC Union Berlin Fußball

"Ich mach irgendwann mal eine Schlagerplatte"

Seinen Mega-Hit ‚Nur noch kurz die Welt retten‘ hat auch zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung noch jeder sofort im Ohr und auch sein gerade erschienenes, zweites Album ‚Am seidenen Faden‘ hat die deutschen Album-Charts im Sturm erobert. Doppelplatin, Echo und sogar einen MTV Europe Music Award – Tim Bendzko hat in unglaublich kurzer Zeit etwas erreicht, wovon viele Künstler ein Leben lang träumen. Was ist das Geheimnis des smarten 28-Jährigen? Sind es nur die gefühlvollen Songs oder etwa doch seine blonden Locken? Er selbst „hat grundsätzlich keine Ahnung“. Im exklusiven Interview versuchen wir an das Erfolgs-Rezept des Tim Bendzko zu kommen.

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Von Ann-Christin Gebhardt

Du hast unglaubliche Erfolge verbucht, aber dein neues Album heißt ‚Am seidenen Faden‘: Müssen wir uns Sorgen machen?

Tim: (lacht) Ich glaub nicht. Und das Album heißt tatsächlich nur aus purer Ironie ‚Am seidenen Faden‘. Vor allem wenn man immer wieder diese Frage hört ‚Hast du jetzt Druck nach dem ersten Album?‘. Das ist in meiner Welt sowieso abwegig, weil das Album ja so erfolgreich war, dass man eher entspannt und glücklich ist, statt sich mit Angst zu beschäftigen. Man muss sich doch ständig zwischen zwei Dingen entscheiden und irgendetwas steht immer auf der Kippe: Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es sich in den meisten Fällen zum Guten wenden wird.

Welche Erwartungen hast du an dein neues Album?

Tim: Von Erwartungen kann man eigentlich nicht sprechen, obwohl ich schon die Erwartung an mich selbst hatte, es so gut wie möglich zu machen. Natürlich gibt es Ziele, die man sich steckt und die man dann auch hoffentlich erreichen wird: Aber erwarten sollte man nix.

Mit welchen Gefühlen bist du an die Arbeit gegangen?

Tim: Ich hab mich total drauf gefreut endlich wieder neue Sachen zu schreiben, vor allem da wir ja jetzt zwei Jahre immer das Gleiche gespielt haben. Und wenn man Konzerte spielt und nur ein Album hat, dann muss man sich die anderen Songs immer so ein bisschen aus den Fingern saugen, was für das Publikum immer recht unspannend ist. Aber das wird sich ja dann hoffentlich bald ändern.

"Krass, was ist das denn für Einer"

Tim Bendzko im Interview
Tim Bendzko stand bereits als Vorband von Musik-Größen wie Elton John und Joe Cocker auf der Bühne

Die Songs auf deinem Album klingen alle etwas melancholisch: Was reizt dich so daran?

Tim: Ich schreibe einfach Songs über Sachen, die mich beschäftigen und das sind selten so Halli-Galli-Themen. Wenn jetzt Bayern ein Spiel gewinnt, schreibe ich darüber kein Lied. Wenn sie aber verlieren, sitzt der Schmerz natürlich tief und dann versucht man das vielleicht irgendwann mal in ein Lied zu packen. Es gibt Sachen, denen man sich nur mit Ironie nähern kann. Und trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass ich je ein Album schreiben werde, wo nur witzige Songs drauf sind. Es sei denn, ich mach irgendwann mal eine Schlagerplatte: Irgendwann wird das passieren, dann aber unter einem Decknamen! (lacht)

Du spielst dieses Jahr wieder ein Konzert auf der Berliner Waldbühne: Was bedeutet dir das?

Tim: Eine ganze Menge. Ich habe da vor vier Jahren mit den 13 Gewinnern von diesem Wettbewerb gespielt (Er gewann 2009 einen Talentwettbewerb der Söhne Mannheims – Anm. d. Red.), was ja an sich schon absurd war und dann habe ich vor zwei Jahren mit meiner Band als Vorgruppe von Joe Cocker da gespielt, was auch völlig verrückt war und dann haben wir uns gedacht: Halten wir den Zwei-Jahres-Rhythmus doch ein und spielen jetzt einfach selber. Es ist die schönste Bühne in Deutschland, die man draußen bespielen kann, danach kommen dann nur noch Stadien. Das so schnell zu wagen, ist zwar riskant, aber wenn es dann klappt umso schöner!

Kannst du den kommerziellen Erfolg von der künstlerischen Zufriedenheit trennen?

Tim: Ich glaube, dass sich der kommerzielle Erfolg nur dann einstellt, wenn ich auch künstlerisch zufrieden bin. Sonst würde man mir auf hundert Metern Entfernung anmerken, dass ich das selber gar nicht glaube, was ich da singe. Deswegen mache ich mir darum keine Sorgen.

Käme es für dich infrage statt auf Deutsch auch mal auf Englisch zu singen?

Tim: Keine Ahnung! Wenn sich meine englische Aussprache irgendwann mal dahin entwickelt, dass man nicht schon beim ersten Wort denkt ‚Krass, was ist das denn für Einer‘, dann möglicherweise. Aber ich mag die deutsche Sprache und glaube tatsächlich, wenn Musik, Text und Melodie zusammen passen, dass das dann auch sprachenübergreifend funktioniert.

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