Tiger Woods: Der tiefe Absturz eines Superstars

Tiger Woods: Der tiefe Absturz eines Superstars
Viel zu lachen hatte Tiger Woods in den letzten Jahren nicht © AP images

Vorausgeschickt: Nein, Tiger ist nicht sein richtiger Vorname. Tiger Woods heißt eigentlich Eldrick Tont Woods. Der Spitzname Tiger, der ihm von seinem Vater gegeben wurde, ersetzte irgendwann Eldrick. Für die Medien war Tiger sowieso interessanter. Denn die Verbindung von Erfolg und Raubkatze ist ein Bild, wie es die Leute lieben.

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Der Golfprofi wird 40 Jahre

Interessant ist auch seine Herkunft: Seine Mutter Kultida ist Thailänderin mit chinesischen und europäischen Wurzeln, sein bereits 2006 verstorbener Vater war Afroamerikaner mit indianischem Hintergrund. Woods wurde am 30. Dezember 1975 in Cypress in den USA geboren. Im Bundesstaat Kalifornien wuchs er auch auf.

 

Kometenhafter Aufstieg - und doch irgendwie geplant

 

Woods Karriere könnte als Blaupause für eine durchgeplante Laufbahn dienen, obwohl seine Eltern dies natürlich nicht so sahen. Schon bevor er laufen konnte, hielt Woods angeblich einen Golf-Schläger in der Hand. Der Grund: Seine Eltern, vor allem sein Vater, hatten einen Plan. Aus ihm sollte ein guter Mensch werden - und eben ein guter Golfspieler. In den folgenden Kinder- und Jugendjahren stellte Woods Rekorde um Rekorde auf. Bei den Amateuren sammelte er ein, was es zu holen gab, bis ihm schließlich 1996 der Übertritt zu den Profis gelang.

Und dort ging es ähnlich weiter. Um all seine Erfolge aufzuzählen, reicht der Platz an dieser Stelle nicht aus. Von Ende der 90er Jahre bis Anfang 2008 war seine Karriere eine einzige Erfolgsstory. Nach seinem kometenhaften Aufstieg steigerte er sich von Jahr zu Jahr, war auf dem Weg der beste Golfspieler aller Zeiten zu werden. Er hatte schon 14 Major-Titel eingefahren, sprich Siege bei den größten und wichtigsten Golfturnieren. Die Experten stellten schon Rechnungen auf, wann der Major-Siege-Rekord von Golfsportlegende Jack Nicklaus fallen würde. Dieser brachte es auf insgesamt 18 Triumphe. Unterbrochen wurde diese Erfolgsstory immer nur kurz von kleinen sportlichen und gesundheitlichen Krisen. Die jedoch nichts im Vergleich zu dem waren, was folgen sollte.

Dem Erfolg ordnete Woods alles unter, auch sein Privatleben. Zunächst war er mit der Studentin Joanna Jagoda liiert, was seinen Vater befürchten ließ, dass er seine Karriere gefährdet. Wenige Zeit nach der Trennung lernte er 2001 das vier Jahre jüngere, Ex-Model Elin Nordegren kennen und lieben. Nach der Verlobung 2003 wurde im Oktober 2004 auf Barbados die Hochzeit gefeiert.

In dieser Zeit hatte Woods schon mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, zudem stellte er seinen Schwung um, was die gleiche Schwierigkeit bedeutet, wie wenn ein Fußballer von Rechts- auf Linksfuß umschulen müsste. Nach 2005 ging es sportlich wieder bergauf und auch privat stellte sich weiteres Glück ein: Mitte 2007 brachte Elin Tochter Sam Alexis zur Welt, knapp zwei Jahre später folgte sein Brüderchen Charlie Axel Elin. Doch das waren dann für Woods auch für lange Zeit die besten Nachrichten.

 

Und alles kommt ans Licht

 

Denn mit dem 25. November 2009 wurde Woods ein großes Thema der Regenbogenpresse, aus den sportlichen Schlagzeilen verschwand er. Denn spätestens an diesem Tag verlor Woods die Kontrolle über sein durchgeplantes Leben. Dazu gehörte auch immer, dass er Privates vor der Öffentlichkeit geschützt hatte. Doch ein leichter Autounfall von Woods löste eine Lawine aus, die der Superstar nicht mehr stoppen konnte. Ob Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch im Spiel war, war noch das geringste Problem von Woods. Denn infolgedessen kam heraus, dass Woods wohl ein notorischer Fremdgänger war.

Delikate SMS-Nachrichten tauchten auf, immer mehr Frauen meldeten sich, die angeblich eine Affäre mit dem Sportler gehabt hatten. Woods musste sich erklären und das klang wie folgt: "Ich habe meine Familie im Stich gelassen und ich bedaure dies von ganzem Herzen. Ich habe meine Werte und meinen Verhaltenskodex verraten, die meine Familie verdient haben. Ich bin nicht ohne Fehler und weit davon entfernt, perfekt zu sein."

In den Jahren zuvor hatte er von den Medien profitiert, er stieg zum bestbezahlten Sportler auf. So soll er als erster Sportler überhaupt mehr als eine Milliarde Euro verdient haben. Jetzt kam das alles wie ein Bumerang zurück. Genüsslich wurden alle Details seines Privatlebens ausgebreitet, er wurde ein öffentlicher Mensch, obwohl er das selbstredend, und gerade jetzt, nicht sein wollte. Früher wurde oft aus der Distanz über seine Erfolge geschrieben und berichtet, jetzt ging es aus der Nähe in die schmutzigen Details.

 

"Tigergate" ändert alles

 

Derweil wurden immer mehr Affären bekannt, denn im Rahmen einer "Sex-Therapie", der sich der Golfer unterzog, kamen weitere Details seiner partnerschaftlichen Verfehlungen ans Licht. Für seine Ehefrau muss sich der Eindruck eingestellt haben, dass ihr gemeinsames Leben eine einzige Lüge war. Woods hatte sich da schon auf "unbestimmte Zeit" von seinem Sport zurückgezogen. Doch der Schaden durch "Tigergate" war zu groß, die Ehe zerbrach im Sommer 2010, das Sorgerecht für die Kinder wurde geteilt.

In den folgenden Jahren ging es für den ehemals unumstritten besten Golfer nur noch durchwachsen weiter. Im Jahr 2013 erkämpfte er sich nochmals die erste Position der Weltrangliste, doch seinen Nimbus des Besten hatte er da schon eingebüßt. Eine weitere Verletzung folgte und erstmals seit 1996 fiel er im März 2015 aus den Top 100 der besten Golfspieler.

Für knapp drei Jahre war er mit der Skirennläuferin Lindsay Vonn ein Paar. Ebenfalls ein Everybodys Darling aus der US-Sportszene. Die Trennung erfolgte, wie heißt es schön, in beiderseitigen Einvernehmen. Ein Grund soll der zu volle Terminkalender beider Sportler gewesen sein. Die Regenbogenpresse wollte auch andere Gründe kennen, doch darauf ließen sich die Frisch-Getrennten nicht ein.

Sein letzter Major-Sieg liegt nun schon sieben Jahre zurück, sein letzter Triumph auf der PGA-Tour bereits gut zweieinhalb Jahre. In der Weltrangliste ist er inzwischen auf eine Position abgerutscht, die nahe der 400 ist. Das bedeutet sportliche Bedeutungslosigkeit. Hart für einen früheren Superstar.

Die Veröffentlichung des Buches seines ehemaligen Caddy Steve Williams wird Woods sicher auch nicht glücklicher machen. Denn in dem Werk "Out of rough" schreibt Williams, dass er sich durch Woods schlecht behandelt gefühlt habe. Es fällt auch der Ausdruck "Sklave". Das Verhalten von Woods sei oft sehr unpassend gewesen.

Es gibt kaum einen Sportler, der in den letzten gut 20 Jahren seinen Sport so dominiert hat wie Tiger Woods den Golfsport. Und vor allem so fürstlich dafür entlohnt wurde. Aber es gibt eben auch nur wenige, die so dramatisch abgestürzt sind. In der Beurteilung der Fans und sportlich.

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